Selten habe ich bei einer Komödie so viel gelacht.
Dabei schwing ich trotzdem immer zwischen Entsetzen, leichtem Ekel und Vergnügen.
Zur Story (kleine Spoiler natürlich unvermeidbar):
Ein Vietnamepos soll gedreht werden! Dafür wurde vom schmierigen und Schimpfwortfesten Les Grossman (köstlich: Tom Cruise im Fatsuit) der Anfänger Damien Cockburn als Regisseur verpflichtet, der eigentlich vorher nur Theaterstücke geführt hat. Als Versicherung für Erfolg steht außerdem der australische fünffache Oscar-Gewinner Kirk Lazarus (Robert Downey Jr.) auf der Gehaltsliste, der sich extra für die Rolle seine Haut schwarz färben ließ. Ebenso der ehemalige Actionheld Tugg Speedman (Ben Stiller), dessen glorreichen Zeiten lange vorbei sind und der sich durch die Hauptrolle einen notwendigen Karriereschub erhofft, um nicht komplett in der Versenkung zu verschwinden. Zusätzlich wird ein Rapper verpflichtet, der während der Aufnahmen viel lieber Werbung für seine eigenen Produkte macht und neben ihm ein kompletter Neuling im Filmgeschäft. Die Riege der Darsteller wird mit einem Comedy-erprobten Schauspieler abgerundet (Jack Black), der im wahren Leben lieber den Drogen fröhnt und sich im Grunde nur auf Furz-Filme versteht.
Dass diese Truppe ein Risiko für das hohe Buget ist, wird spätestens klar, als die teuerste Action-Szene aller Zeiten durch die Allüren der Hauptdarsteller versaut wird und der überforderte Cockburn nicht mit seinen Darstellern zurecht kommt. Aus diesem Grund schlägt der Autor der Buchvorlage, Four Leaf Tayback (genial bekloppt dargestellt von Nick Nolte) vor, die Stars einfach im Dschungel auszusetzen und sie dort die wahre Angst spüren zu lassen, sodass diese sich besser in ihre Rollen versetzen können und ihre Sonderbehandlungswünsche zuhause lassen. Das geht natürlich schief, als die Gruppe in das Gebiet einer asiatischen Drogenmafia gerät, was sie aber nicht so recht bemerken. Vorallem Speedman, ganz auf die Rettung seiner Karierre fixiert, möchte endlich die Darstellung seines Lebens abliefern und glaubt an einen ausgeklügelten Plan des Regisseurs, um sie in ihren Rollen zu fordern und merkt nicht, in welche Gefahr sie sich begeben...
Die Schauspieler:
Vorallem Ben Stiller und Downey Jr. brillieren in ihren Rollen.
Stiller ist zwar immer solide in seiner Darstellung, doch zeigt er hier wirkliche neue Qualitäten als Schauspieler, was man ihm bisher nicht immer zugetraut hätte. Der wirkliche Glanzpunkt ist aber Robert Downey Jr., der sich scheinbar in seine Rolle verliebt haben muss. Er spielt sie mit so viel Freude und Elan, wie man es nur selten bewundern dar. Natürlich ist auch allein die Tatsache, dass der Amerikaner einen Australier spielt der einen Afro-Amerikaner spielt allein schon ein Brüller. Dies setzt Jr. aber so gekonnt um, dass man sich des öfteren dabei ertappt, wie man vergisst, dass es sich hier nur um den Schauspieler handelt der einen anderen Schauspieler mimmt. Hier mal wieder der Tipp, den Film unbedingt mit Original-Ton anzuschauen :)
Bild und Ton der Blu-Ray:
An beidem ist nichts auszusetzen. Der Ton hat wumms und ist gut abgemischt. Explosionen hauen einem die Splitter regelrecht um die Ohren, während Stimmen weiterhin klar verständlich bleiben. Das Bild ist eine wahre Augenweide und beispielsweise während Helikopter-Flügen kann man sich an der Vegetation, die an einem vorbei zieht gar nicht satt sehen.
Die Specials:
Der Bläuling kommt mit viel Material daher, welches unter anderem so schöne Titel trägt, wie "Jagt die $#%+ in die Luft". Diese Specials sind toll und lustig anzusehen. Viele Infos werden gut erzählt und als besonderes Schmankerl' ist eine gefakte Doku eines "Deutschen" Filmemachers enthalten, welcher einen Bericht über die Dreharbeiten macht, meist nur mit Handkameras gedreht um den "Backstage-Look" zu gewährleisten. Das ganze ist aufgezogen im Stile der Doku die damals über Apocalypse Now gemacht wurde und die Interviews die mit Cockburn und Co. gemacht werden sind so genial. Unbedingt anschauen!!
Fazit:
Natürlich darf man an diesen Film in keiner Minute mit allzu ernsthafter Betrachtung entgegen treten. Der Film macht sich über Hollywood, deren Schauspieler und dem Drang nach immer größeren, bombastischeren Filmen gnadenlos lustig. Er nimmt die ganzen Gepflogenheiten der Traumfabrik auf die Schippe, ebenso wie die Mitglieder der Filmgesellschaften, die großen Tycoons der Branche und vorallem die oftmals verwöhnten Schauspieler bekommen ihr Fett weg. Ben Stiller macht sich hier auch gehörig über die Akteure lustig, die Rollen übernehmen, die sie besser liegen gelassen hätten, wie zB die eines behinderten Farmers (Lazarus: Man spielt einfach keinen Vollbehinderten, Mann!). Dass dies durchaus am Rande des Geschmacks zu finden ist, war vorprogrammiert, gerät aber dadurch erst richtig gut und treffend. Es wird zudem gezeigt, wie wichtig es für die Bosse ist "the next big thing" auf die Leinwand zu bringen und wie dafür auch mal ne' Leiche in Kauf genommen wird. Hier beginnt "Tropic Thunder" aber ein zweischneidiges Schwert zu sein. Während der Film sich über die riesen Hollywood-Produktionen und deren immense Kosten lustig macht, ist das Machwerk von Ben Stiller nichts anderes. Die geschätzten Kosten lagen bei rund 100 Millionen Dollar, es spielen große Stars mit dicken Taschen mit, die grade an den Produktionen verdient haben, die verarscht werden. Wie ich bemerkt habe, kommt nicht jeder mit dieser Doppelmoral im Film klar. Für mich persönlich ist es aber eben die Ironie am Ganzen. Ich finde den Streifen trotz einiger kleiner Längen, wie zum Beispiel Jack Black, der hier und da mal zum Overacting neigt, wirklich gelungen und denke, dass "Tropic Thunder" der witzigste Film seit langem ist und eine nötige Satire auf die Seifenblasen bauenden Filmfabriken unserer Zeit.
Bitterböse und einfach gut.