... sagt Capitao Nascimento über seinen Nachfolger, nachdem er sich sicher ist, dass Wille und Intelligenz bereits für eine Auswahl sprechen. Der Gemeinte ist ein einfacher Polizist, heißt Matias, der in seiner Freizeit Jura studiert und sich mit einer sozial engagierten Kommilitonin aus den besseren Kreisen Rio de Janeiros angefreundet hat. Ausgewählt werden soll er für die BOPE (= Batalhao de Operacoes Policiais Especiais), einer (Spezial-) Einheit der Militärpolizei von Rio de Janeiro, die auf den Kampf gegen die Drogenmafia insbesondere in den zahlreichen Favelas spezialisiert ist. Capitao Nascimento ist Offizier in der BOPE und zugleich Erzähler der Geschichte des Films. Der Zuschauer wird nicht nur Zeuge äußerst brutaler Einsätze der Einheit unter seiner Führung, bei denen es immer Todesopfer gibt, sondern man nimmt auch an seinem Familienleben und seinen zunehmenden psychischen Problemen teil, die er mit Tabletten zu bekämpfen sucht. Es ist eben dieser psychische Druck (der sich durch die Handkamera und dokumentarische Art der Inszenierung auch auf den Zuschauer überträgt) und das Drängen seiner Frau wegen des gerade geborenen Sohnes, der ihn veranlasst, aussteigen zu wollen und nach einem geeigneten Nachfolger zu suchen.
Mag die Suche nach einem Nachfolger und die Einsätze gegen die Drogendealer, deren Leben und Handeln ebenfalls gezeigt werden, das Handlungsgerüst prägen, so ist das eigentliche Thema des Films die Zerrissenheit der brasilianischen Gesellschaft, in der die Eliten und die Mittelschicht sich nur durch brutale Polizeigewalt gegen Kriminalität und Armut zu schützen weiß. Letztlich erscheinen so alle als Verlierer und dementsprechend desillusionierend ist auch der Film gestaltet. "Tropa de Elite" eine faschistoide Grundeinstellung und Gewaltverherrlichung vorzuwerfen, verkennt die Erzählhaltung ganz aus Sicht des Polizeioffiziers. Sicherlich ist zu fragen, ob es nicht mehr Gelegenheit zur Reflexion gegeben hätte: Erzeugt extreme Gewalt nicht zwangsläufig extreme Gegengewalt? Muss nicht zuerst die Armut und dann die daraus resultierende Gewalt bekämpft werden? Wie steht es um den Kampf gegen die allgegenwärtige Korruption gerade auch innerhalb der Polizei (weshalb u.a. die Spezialeinheit gegründet wurde)? Der Film gibt auf diese Fragen keine Antwort, sondern bleibt sehr subjektiv, will anregen und provozieren. Für diese kompromisslose Aufforderung zur Diskussion (die dann in Brasilien auch tatsächlich stattgefunden hat und immer noch anhält) ist der Regisseur bei der Berlinale 2008 mit dem goldenen Bären ausgezeichnet worden. Dennoch stellt sich ein sehr zwiespältiges Gefühl nach Sehen des Films ein.
In den Extras der DVD finden sich ein Interview mit dem Regisseur José Padilha und ein Bericht aus der ARD-Sendung "ttt". Hier kommt auch ein Autor des Drehbuchs, Rodrigo Pimentel, zu Wort, der selbst Mitglied eben jener BOPE war und deren Handeln klar verurteilt. Er wird vor einer Favela interviewt, von der er sagt, dass man vor wenigen Jahren sich hier nicht hätte ohne Lebensgefahr unterhalten können. Heute sei die Polizei nicht nur vor Ort stationiert, sondern es gäbe auch erfolgreiche begleitende Sozialprojekte, die die Gewalt verringert und ein weitgehend normales Leben ermöglicht hätten.
Der Kreislauf aus Gewalt, Gegengewalt, Korruption und immer neuem Absturz in Sucht und Armut scheint erfolgreich aufgehalten, wenngleich keineswegs beendet. In einem Punkt schien Nascimento - allerdings auf völlig andere Art und Weise - recht zu behalten: Es geht nicht nur um das Denken im Kopf, sondern es geht darum, die Seelen/ Herzen der Menschen für sich zu gewinnen.