Auf die Idee, diese CD zu kaufen bin ich hauptsächlich als Fan der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen gekommen. Ich habe dieses Orchester im vergangenen Jahr 6 Mal live gehört - 4x beim Beethovenfest in Bonn, einmal mit Ton Kopmann, wo sie Haydn und Mendelssohn gespielt haben und einmal mit Trevor Pinnock, wo 2 Haydn-Symphonien und das C-Dur-Cellokonzert auf dem Programm standen und eben Haydns Trompetenkonzert mit Alison Balsom als Solistin.
Im folgenden werde ich natürlich die CD rezensieren und Konzerteindrücke nur einstreuen, wo es sinnvoll ist.
Auf der CD befinden sich mit dem Haydn- und dem Hummel-Konzert die wohl bekanntesten Stücke der Literatur für Trompete. Dazu das (mir) weniger bekannte Konzert von Neruda, das ich in Ordnung finde, aber nicht für herausragend halte und deswegen nicht weiter besprechen werde.
Das Haydn-Trompetenkonzert kenne ich neben der Version von Balsom noch von Adolph Herseth und Tine Thing Helseth. Adolph Herseths Version finde ich schon wegen der Begleitung durch das Chicago Symphony Orchestra unter Claudio Abbado nicht so besonders. Auch Herseths Trompetenton klingt mir eine Spur zu derb, auch die Phrasierung ist mir eine Spur zu ungelenk.
Balsom und Helseth unterscheiden sich für mein Ohr (nicht das eines Trompetenexperten) nur marginal. Beide erzeugen einen sehr schönen Klang, phrasieren sehr schön und arbeiten gut mit ihren Orchestern zusammen. Was mich an Balsom stört (ich rede hier von einer Nuance) ist eine leichte Schwäche bei sehr hohen Tönen. Es mag sein, dass ich das nur in die Aufnahme hineininterpretiere, da Balsom bei dem Konzert, bei dem ich sie gehört habe, sich im ersten Satz des Haydn-Konzert zweimal gehörig bei hohen Tönen verspielt hat. Auf mich wirkt z.B. Tine Thing Helseth hier noch einmal eine Spur souveräner und Balsoms Klang wirkt auf mich nicht ganz optimal.
Insgesamt bietet Alison Balsom aber eine sehr gute Darbietung von Haydns Meisterwerk, ich will das gar nicht zerreden. Vorzüglich finde ich wieder einmal die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen. Wie immer fein differenziert, mit schlankem, elegantem Ton, einem guten Gespür für Rhythmik und einem glänzenden Gespür für die Solistin.
Bei Hummel kenne ich neben Balsom und Helseth noch Wolfgang Basch und Ludwig Güttler. Hier sticht Ludwig Güttler für meinen Geschmack eindeutig heraus. Sein Trompetenton ist für meinen Geschmack der reinste, hellste und insgesamt schönste. Auch phrasiert er noch einmal feiner. Alison Balsoms Trompete klingt etwas dunkler (Instrumentenwahl?), sie phrasiert etwas legatoartiger, was ich nicht ganz passend finde. Schließlich bleibt da noch das Tempo. Schnell=schön? Eine Gleichung, der ich mich als kategorische Regel nie verschreiben würde. Es hat Grenzen und es gibt Stücke, für die das Gegenteil gilt. Doch wie virtuos Güttler den berühmten Finalsatz des Hummelkonzert spielt, das ist hörenswert. Hier kann Alison Balsom nicht ganz mithalten. Auch die Orchesterbegleitung klingt in diesem Tempo besser. Hier ist mir die Deutsche Kammerphilharmonie einfach eine Spur zu langsam, was insbesondere bei der Begleitung des Anfangs des Schlusssatzes etwa behäbig wirkt.
Dennoch gilt auch hier: es geht um Nuancen, ich habe mir die Aufnahmen sehr oft angehört und bin nun zu diesem Schluss gekommen, so dass ich Balsom weder für Haydn noch für Hummel für referenzverdächtig halte. Dennoch kann ich diese CD guten Gewissens empfehlen. Es ist Trompetenmusik auf Spitzenniveau mit herausragender Orchesterbegleitung.
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