Kurzbeschreibung
Rolf Vollmann unternimmt eine literarisch opulent ausgestattete Reise nach Mecklenburg, um der Persönlichkeit des dort gebürtigen Heinrich Schliemann, dieses nüchternen erfolgreichen Großkaufmanns und zugleich emphatischen Träumers und Schatzsuchers, auf die Spur zu kommen. In Mecklenburg hatten die langen trojanischen Träume begonnen, Johann Heinrich Voss, der Übersetzer von Homers »Ilias«, lebte in Ankershagen und eben dort, fünfeinhalb Jahrzehnte später, auch Schliemann, der rastlos die Antike und noch früher die mythische Zeit heraufsuchende Ausgräber. Vollmanns Essay, seine detaillierten Kenntnisse von Leben und Werk Schliemanns, auch eines Klopstock, eines Fontane, beleuchten teils scharf, teils poetisch die sozialen und bildungspolitischen Verhältnisse der Zeit – und werfen ab und an Streiflichter auf die heutigen. Vor diesem Hintergrund gewinnt die »Selbstbiographie« Heinrich Schliemanns ganz neue soziologische und psychologische Perspektiven hinzu. Sie zeigt nicht nur den erfolgreich zum Großkaufmann Aufstrebenden, den ewig ehrgeizigen Autodidakten, den hektischen Ausgräber. Man liest jetzt aufmerksamer, daß ein Bruder, einer der unzähligen aus Armut nach Amerika Ausgewanderten, als Goldgräber an Typhus starb, daß Schliemann selbst seinen Mantel verpfändete, um etwas zu essen zu haben, daß er seine zweite Frau nach einem Foto aussuchte und die Bedingung stellte, sie müsse seine homerischen Träume mit ihm teilen – ja mit ihm graben.
Autorenporträt
Heinrich Schliemann, geboren 1822, verbrachte seine Kindheit und Jugend in Mecklenburg. Aufgrund widriger Familienverhältnisse konnte er keine höhere Schule besuchen und versuchte mit 19 Jahren nach Südamerika auszuwandern; nach einem Schiffbruch verschlug es ihn zunächst nach Holland, dann ins zaristische Russland, wo er mit viel Ehrgeiz und Willenskraft eine steile Karriere als Kaufmann begann.
Mit 46 Jahren, inzwischen zu erheblichem Vermögen gekommen, beschloss Schliemann seine gut gehenden Importgeschäfte zu liquidieren und ein neues Leben zu beginnen: Er studierte Altertums- und Literaturwissenschaften sowie Philosophie in Paris, unternahm Bildungsreisen nach Ägypten, Indien, China, Japan und Amerika und widmete sich mit ganzer Kraft der Suche und Ausgrabung Trojas. Dabei gelangen ihm zum Teil sensationelle Entdeckungen und Funde wie der berühmte "Schatz des Priamos" in Troja oder die "Goldmaske des Agamemnon" in Mykene. Schliemann starb weltberühmt 1890 in Neapel.