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In Troja ist kein Zimmer frei
 
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In Troja ist kein Zimmer frei [Gebundene Ausgabe]

Tony Perrottet , Karin Schuler
3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Kann ein New Yorker zum reisenden Römer werden? Für Tony Perrottet war dies keine Unmöglichkeit. Nach eingehender Lektüre alter Texte - von Seneca, Tacitus, Plinius und anderen - und nach dem Studium der Kopien römischer Papyruslandkarten aus dem 2. nachchristlichen Jahrhundert reiste er auf malerischen, aber anstrengenden Routen in die Urlaubsparadiese der Antike. Er berichtet von erstaunlichen Erlebnissen an Italiens Küsten, an griechischen und ägyptischen Ausgrabungsstätten und auf dem Weg nach Troja. Sein überraschendes Fazit: Wie ähnlich sind sich doch die Angebote der Tourismusbranche im 1. und im 21. Jahrhundert!

Klappentext

»Hinreißend komisch ... Die flotteste Zeitreise seit langem.«
Shape

»Ein köstlich freches und wunderbar gelehrtes Buch.«
Der Spiegel

»Ein Reiseführer der besonderen Art.«
Facts -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Über den Autor

Tony Perrottet, 1961 in Sydney geboren, studierte an der dortigen Universität Geschichte. Seit 1986 als Journalist tätig, hauptsächlich auf dem südamerikanischen Kontinent. 1997 erschien bei HarperCollins äOff the Deep End: Travels in Forgotten Frontiers . Schreibt zur Zeit an einem Roman. Lebt mit Frau und Sohn in New York.

Auszug aus In Troja ist kein Zimmer frei. Urlaubsparadiese der Antike. von Tony Perrottet. Copyright © 2004. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Teil eins

Heidnische Ferien

Jupiters Panorama

Es muss wie bei einer Filmpremiere in Cannes gewesen sein. Scharen aufgeregter Zuschauer bewegten sich auf das Herz Roms zu, begafften schamlos die letzten Modetrends und zeigten auf die Berühmtheiten, die sich unter sie gemischt hatten. Bald schon wogte eine ungeduldige Menge vor dem Schauplatz - einer eleganten Säulenhalle, der Porticus Vipsania, die als eine Art Openair-Galerie gebaut worden war. Dort sollte das neue Kunstwerk enthüllt werden. Weiß gewandete Priester schlachteten Opfertiere, um die Gunst der Götter auch weiterhin sicherzustellen. Jugendchöre sangen patriotische Hymnen. Silberne Springbrunnen plätscherten in nahen Gärten, während Imbissverkäufer und Bettler die Menge mit lautem Geschrei bedrängten. Und endlich drängte dieses bunte Publikum aus allen Schichten des alten Rom - von parfümierten Adligen in Seide und glänzenden Togen bis zu den verarmten Slumbewohnern in ihren schmutzigen Tuniken - nach vorn. In die allgemeine Kakophonie hinein versuchte jeder, seine Beobachtungen zur allgemeinen Kenntnis zu bringen.
Über ihnen wurde ein verblüffendes Spektakel sichtbar - eine riesige Weltkarte, so groß wie die Leinwand eines Autokinos, mit den drei bekannten Erdteilen Europa, Afrika und Asien.
Zweitausend Jahre später kann man sich leicht diese berauschende Szene vorstellen - besonders wenn man sich das Bild in den berühmten Hallen der New York Public Library in Midtown Manhattan vor Augen führt, einem modernen römischen Tempel, dessen Inneres vor poliertem Marmor funkelt und dessen Deckengemälde nur so strotzen vor einer Überfülle heidnischer Götter. Ich hatte mich dorthin geflüchtet, um der ersten Hitzewelle des Sommers zu entgehen - die Bürgersteige dampften, als wollten sie den Nebeln des Hades Konkurrenz machen -, und außerdem begann mir die New Yorker Realität in mehr als einer Hinsicht auf die Nerven zu gehen. In jenem stillen Refugium dagegen, umgeben von Stapeln verstaubter, in Leder gebundener Bände, konnte ich mich ganz leicht zurückversetzen ins augusteische Rom, etwa in das Jahr 5 v. Chr., als die Horizonte der Welt plötzlich aufrissen.
Nur wenige Menschen der Antike hatten vor jenem Tag auch nur eine Straßenkarte gesehen, geschweige denn eine Tafel mit so ehrgeizigem Anspruch. Die Darstellung muss damals so futuristisch gewirkt haben wie später die ersten Satellitenfotos der NASA.
Die umfassenden Vorarbeiten für diese Karte hatte ein Mann namens Marcus Agrippa organisiert, ein römischer Kriegsheld, der als einer der großen Bewahrer der Geschichte gelten muss. Um die Dimensionen der Welt zu ermessen, hatte Agrippa die führenden Gelehrten in Rom zusammengerufen und ihnen die vom kaiserlichen Heer gesammelten und archivierten Feldkoordinaten zur Verfügung gestellt. Ein Elitekorps von Landvermessern war ausgeschwärmt, um jede noch nicht kartierte Ecke des römischen Herrschaftsbereichs aufzunehmen; zusätzlich waren die Kapitäne aller Schiffe aufgefordert, Karten der Küsten anzulegen, an denen sie entlangsegelten. Diese neuen geographischen Daten wurden dann umgesetzt auf das gängige mythologische Bild der Erde. (Antike Geographen wussten, dass die Erde rund war, aber sie glaubten, dass die terra firma nur die nördliche Halbkugel einnahm und von einem unüberwindlichen Ozean umgeben war.) Das Ergebnis war eine Karte von noch nie da gewesener Genauigkeit.
Eine Miniaturversion bekam der Kaiser Augustus für seinen Palast überreicht; sie war in massives Gold eingraviert, die Provinzhauptstädte waren mit wertvollen Edelsteinen markiert. Der wahre Triumph römischen Genies jedoch war der gewaltige Stein, der in dem öffentlichen Säulengang stand. Leider hat nicht ein einziger Brocken von ihm die Zeiten überdauert, obwohl die faszinierenden Bemerkungen lateinischer Autoren vermuten lassen, dass sich die Tafel 20 Meter in den Kolonnaden hinzog und etwa zehn Meter hoch war. Die Einzelheiten waren vielleicht mit Farben eingetragen, aber es ist auch durchaus möglich, dass es sich bei diesem Werk um eines der berühmten »Steingemälde« handelte, die damals in Rom Mode waren - eine Einlegearbeit mit poliertem Marmor, Amethyst und Alabaster, von einer Gruppe griechischer Handwerker jeweils dem topographischen Relief nachmodelliert.
Für die an jenem Tag in der Säulenhalle versammelte Menge war es ein unglaublich neuer und spannender Anblick.
Zunächst einmal entdeckten die Römer, dass die Landmassen der Erde zusammen ein Oval bildeten. Die drei Kontinente Europa, Afrika und Asien drängten sich um das Mittelmeer, das damals ein lateinisches Meer, schlicht und einfach mare nostrum, »unser Meer«, war. Die Herzen der Römer müssen vor Stolz höher geschlagen haben, als sie sich die schiere Größe des Cäsarenreiches vor Augen führten: Die kaiserlichen Adler flogen überall von den Säulen des Herkules (Gibraltar) bis zu den sieben Mündungen des Nils.
Rom war von den Göttern auserkoren worden, über die gesamte Schöpfung zu herrschen. Ein Blick auf die Weltkarte des Agrippa, wie sie genannt wurde, zeigte, dass diese Aufgabe beinahe vollbracht war.
Trotz ihrer Verzerrungen - entfernte Länder wie Indien waren weitgehend nach dem Hörensagen gezeichnet, während an den Reichsgrenzen die sagenhaften Amazonen, Troglodyten und Lotosesser umherstreiften - stand diese Karte für eine Revolution in der westlichen Wahrnehmung der Welt. Auf jene ausladende Steinwand waren jeder bekannte Fluss, jeder Höhenzug, jeder Hafen und jede Stadt eingemeißelt (ein Römer, der es genau wissen wollte und sie im Jahr 70 n. Chr. zu Rate zog, konnte sogar einen obskuren Außenposten in der Provinz namens Charax finden, der knapp zwei Kilometer vom Persischen Golf entfernt lag). Was diese Darstellung aber so verblüffend modern machte - und geradezu unwiderstehlich für jenes römische Publikum -, war ihr praktischer Nutzen. Das berühmte Straßensystem des Reichs - Roms Stolz und Freude - war dort eingraviert, die Straßen breiteten sich wie Arterien bis zu den entferntesten Winkeln der Zivilisation aus. Man konnte die wichtigen Schiffsrouten finden, die das Blau des Mittelmeers durchpflügten. Und obendrein hatte der stolze General Agrippa noch einen geographischen Kommentar zu seinem Meisterwerk verfasst, dessen gesamter Text auf Marmortafeln an den nahen Wänden des Säulengangs eingraviert war. Eine ganze Bücherei voller Daten und Fakten stand den Bürgern damit zur Verfügung - nützliche Zahlen wie die Länge wichtiger Flüsse (Donau: 560 Meilen), die Größe von Provinzen (Illyrien: 325 x 530 Meilen), der Umfang bekannter Inseln (Sizilien: 618 Meilen), die Entfernungen zwischen großen Städten.
Es war ein echter Baedeker des Römischen Reichs.
Zum ersten Mal in der Geschichte bekam ein Volk die Welt quasi auf dem Silbertablett serviert. Ein Betrachter konnte eine berühmte Stätte - sagen wir den Koloss von Rhodos oder die Ruinen Trojas - nicht nur auf der Karte finden, sondern er konnte auch die genaue Entfernung von Rom sowie die beste Reiseroute ermitteln.
Und da jeder Schritt auf dieser Route unter dem Schutz des Kaisers stand, war die Botschaft der Karte jedem klar: Die Welt gehört Rom. Planen Sie jetzt Ihren Urlaub!
Das erste Zeitalter des Tourismus hatte begonnen.

Römer unterwegs

In der gemütlichen New York Library hinter Bergen selten gelesener Texte verborgen, vertiefte ich mich noch weiter in die antike Reiselandschaft. Offenbar fühlten sich in den Jahrhunderten nach der Enthüllung der Weltkarte des Agrippa Legionen von Römern gedrängt, ihren exotischen Verlockungen zu folgen. Besonders überraschte mich, dass ihre Reisen mir so vertraut vorkamen: Wie ihre Memoiren, Theaterstücke und Briefe an die Lieben zu Hause zeigen, besuchten diese ersten antiken Touristen oft dieselben Sehenswürdigkeiten, genossen vielfach die gleichen Annehmlichkeiten und hatten viele ähnliche Erniedrigungen zu ertragen wie die Reisenden heute.
Überall in der Welt des Mittelmeers entstand eine gut durchdachte touristische Infrastruktur, die unsere moderne vorwegnahm, um die besonderen Bedürfnisse der Römer zu befriedigen. Sie übernachteten in Raststätten am Rande der Straße, beschwerten sich über harte Matratzen und schlechten Service, aßen in zweifelhaften Restaurants, betranken sich in verrauchten Schenken und schrieben Gedichte über ihren Kater am Tag danach. Die antiken Touristen besuchten verschwenderisch ausgestattete Tempel - das Äquivalent unserer modernen Museen voller wunderbarer Kunstwerke - und verschafften sich mit stattlichen Schenkungen an geldgierige Priester einen Blick auf ein Haar der Gorgo, den Schädel eines Zyklopen oder das Schwert des Odysseus. Wie wir besuchten sie berühmte historische Sehenswürdigkeiten wie den Parthenon und die Pyramiden. Sehr viel mehr Begeisterung konnten bei diesen antiken Reisenden jedoch die Stätten der Mythologie wecken - die Stelle, an der Jupiter die Erde betreten, an der Venus einen Sterblichen bezaubert, an der Achill nach Aussage der Ilias den Hektor getötet hatte.
Noch augenfälliger wurden die Parallelen in den Touristenenklaven. Um diese aufstrebenden Sehenswürdigkeiten herum scharten sich Horden von professionellen Reiseführern - darunter auch mystagogi, »Menschen, die Fremden heilige Plätze zeigen« -, und offenbar waren die Römer ebenso genervt von deren endlosem Geplapper wie wir heute. (»Jupiter, beschütze mich vor deinen Führern in Olympia!«, betete ein reisender Akademiker namens Varro, »und du, Athena, vor den deinen in Athen!«) Die ersten Touristen kauften geschmacklose Souvenirs, wo sie auch hinkamen, zum Beispiel bemalte Glasfläschchen mit einem Bild des Leuchtturms von Alexandria oder Apollon-Statuetten, und sie gaben Porträts mit der jeweiligen Sehenswürdigkeit im Hintergrund bei einheimischen Künstlern in Auftrag. Sie brüteten über Reiseführern auf Papyrusrollen und kratzten sogar Graffiti in ihre Lieblingsmonumente. Man findet sie immer noch dort, neben neueren Werken wie etwa Brig-General Maugham 1820 oder Harry Potter Rules 2001. (Die gebildeten Menschen der Antike zogen oft homerische Verse vor, das beliebteste Gekritzel war jedoch das überschwängliche »Ich war begeistert«.)
Und die Römer waren durchaus bereit, für eine gute Show auch gut zu zahlen. Zur Freude der Touristen hielten ägyptische Priester Krokodile in einem See und fütterten sie zu festgesetzten Zeiten mit Fleischstücken, schütteten ihnen Wein in den Rachen und polierten ihre spitzen Zähne dann von Hand. Spartaner führten ihr soldatisches Können vor, Zauberer beschworen die Geister, Orakel gaben Prophezeiungen ab. Im ägyptischen Assuan veranstalteten aufgeweckte Fischer schon damals Niltouren für Touristen - vorausgesetzt, die Bezahlung stimmte.
Und auch die negativen Erfahrungen vieler antiker Reisender klingen in den folgenden Jahrhunderten immer wieder an - besonders der Kommentar eines römischen Touristen über die Bewohner von Alexandria: Unus illis deus nummus est. »Sie beten dort nur einen Gott an - das Geld!«
Und genau wie heute waren die Anstrengungen der Reise in dem Moment vergessen, in dem die glücklichen Reisenden wieder zu Hause anlangten. Sie prahlten dann auf Banketten mit ihren Trips, zeigten ihre Kunstwerke und Souvenirs und regten so noch mehr neugierige Touristen an, eine Welt voller Magie und Mythen zu erkunden.

Auch ich hatte meine eigenen dunklen Gründe, mich von diesem antiken Reisefieber anstecken zu lassen. Als ich an jenem Abend mit der U-Bahn wieder in die Stadt fuhr, trug ich eine moderne Fassung der Weltkarte des Agrippa bei mir, mit einer dünnen roten Linie von Rom bis zur ägyptischen Grenze.
Es war an der Zeit, einer großen Tradition neues Leben einzuhauchen.
Ausblick: Das McDonald's-Pompeji

Scusi -«, fragte meine Freundin Lesley jeden, der zuhören wollte, »wo sind die Penisse?« In vielen Situationen eine berechtigte Frage, ganz ohne Zweifel, und hier in den Seitenstraßen von Pompeji klang in jeder Sprache ein dringlicher Unterton mit:
»Los penes?« »Die Pimmel?« »Les baionettes?«
Bald suchten dutzende von uns die Wände nach antiken Einritzungen männlicher Genitalien ab, die einst betrunkenen Seeleuten den Weg in die Bordelle des Ortes gewiesen hatten. Das ist heute ein typisches Ritual für die Besucher dieser sagenhaften römischen Hafenstadt, die 79 n. Chr. unter Vulkanasche begraben wurde, und auch ich konnte mich ihm nicht entziehen. Ganz benommen von der Sommerhitze hatten Les und ich schon die berühmten Gipsausgüsse von Pompejianern betrachtet, deren ungläubige Überraschung und Todeskämpfe man noch heute erkennen kann. Wir waren die von Wagenrädern zerfurchten breiten Straßen entlanggewandert und hatten die mit Fresken geschmückten Villen von unersättlichen Millionären bewundert. Jetzt folgten wir der phallischen Spur in ein dunkles, schmales »Haus der Wölfinnen«, wo über jedem schmalen Separee noch immer ein grobes Gemälde zu erkennen ist, das für das Repertoire der Prostituierten wirbt.
»Sessanta-nove«, erklärte der alte italienische Wächter fröhlich. »Verstehen Sie? Neunundsechzig!«
Die heidnischen Geister lieferten wirklich eine gute Show, aber irgendwie konnte ich den antiken Zauber, so anschaulich das alles auch wirkte, nur schwer fassen.
Pompeji, das muss kaum noch gesagt werden, ist heute das erste Ziel für jeden, der auch nur oberflächlich daran interessiert ist, mit den Menschen der Antike in Kontakt zu treten - weshalb ich für einen Tagesausflug dorthin kam, sobald wir in Italien waren. Im Jahr 1748 hatte die Entdeckung des Ortes unser ganzes Verhältnis zur antiken Welt im Handstreich geändert. Vor Beginn der Ausgrabungen waren die Wissenschaftler nur an Roms Helden in der weißen Toga interessiert gewesen - an all jenen Generälen, Senatoren und Dichtern, deren Büsten in den Museen verstaubten. Doch als Pompeji freigelegt wurde, kamen die alltäglichen menschlichen Einzelheiten in den Blick: ihre Küche, ihre Wohnungsausstattung, Frisuren, Parfüm, Winzerei, Zahnbehandlung, Sexleben (auch und besonders das Letztere - ein nie versiegender Quell menschlicher Empathie). -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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