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Troja.
 
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Troja. [Taschenbuch]

Gisbert Haefs
3.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (34 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

In Troja war alles ganz anders. Wer bisher glaubte, der Trojanische Krieg, der mit der Zerstörung der Stadt durch listige Griechen einherging, sei wegen des Raubs der schönen Helena ausgebrochen, der irrt gewaltig. Helena war allenfalls schmückendes Beiwerk und letzter Anstoß in einem Konflikt, in dem wirtschaftliche Machtinteressen die Hauptrolle spielten. So jedenfalls erzählt Gisbert Haefs die Story, die Teil des griechischen Mythos ist. Anhand des assyrischen Händlers Awil-Ninurta und einer ganzen Riege erstklassig schillernder Figuren schildert er die Geschichte vom Fall der Stadt. Selbst wenn es so nicht gewesen sein sollte, so ist es doch auf faszinierende Art farbenprächtig geschildert und glaubhaft erfunden. Und eine anschauliche Portion Geschichte bekommt man in Troja so oder so serviert.

Als "fahrender Chansonnier und Komponist" hatte Gisbert Haefs, Bonner Autor und preisgekrönter Übersetzer der Werke etwa von Ambrose Bierce oder Jorge Luis Borges, selbst eine kleine Odyssee hinter sich, bevor er mit Romanen wie Hannibal, Alexander, Alexander in Asien oder Roma im historischen Roman seine eigentliche schriftstellerische Heimat fand. Troja ist eines dieser wundervoll lebendigen Bücher, die die Antike entstauben helfen und zu neuem Leben erwecken. Nicht nur Geschichtslehrern, sondern auch Geschichtsbegeisterten und Fans von spannender Lektüre unbedingt empfohlen. --Stefan Kellerer -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Kurzbeschreibung

Ein spannender historischer Roman, der den Mythos um den Untergang der Stadt Troja neu erzählt. Nicht der Raub der schönen Helena aus Sparta löste den unerbittlichen Krieg aus, sondern Gier nach Macht und wirtschaftliche Interessen waren die treibenden Kräfte. Haefs schildert den tragischen Untergang einer Hochkultur und entwirft ein farbenprächtiges Panorama der späten Bronzezeit.

Über den Autor

Gisbert Haefs, geboren 1950 in Wachtendonk am Niederrhein, Studium der Anglistik und Hispanistik. Heute lebt und schreibt er in Bonn, als Übersetzer und Herausgeber u. a. zuständig für die neuen Werkausgaben von Ambrose Bierce, Rudyard Kipling und Jorge Luis Borges. Er ist bekannt geworden durch Kriminalromane sowie auch durch seine farbenprächtigen historischen Romane.

Auszug aus Troja von Gisbert Haefs. Copyright © 2004. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Die beiden Männer, die den Krieg entscheiden sollten, der ihretwegen ausgebrochen war. Parisiti, den die Achaier Paris oder Alexandros nannten, sprang von einem der leichten trojanischen Wagen. Er stand ein paar Atemzüge lang still da, blickte die eigenen Reihen hinauf und hinab, wandte sich dann dem Heer der Gegner zu. Das Reden, das Gemurmel, die Rufe, alles erstarb; beklemmendes Schweigen zog über das Feld; eine andere Art Nebel, wie Ninurta fand. Keinerlei Begeisterung bei den Trojanern.
Er musterte den Trojaner, aus der Ferne, und erinnerte sich an Ugarit, an Kerets Gemach, an den schnellen Griff nach Parisitis Handgelenk. Der Königssohn schien unverändert - aus der Entfernung. Groß, kräftig, eher schlank; Ninurta war bereit, einiges darauf zu wetten, daß die Nächte mit Helena Falten in Gesichts- und sonstige Haut gegraben hatten. Paris war kein mächtiger, wuchtiger Riese - kein Aias oder Achilleus oder Hektor; vom Körperbau hatte er mehr mit Leuten wie Agamemnon oder Odysseus gemein. Jetzt wandte er sich dem Wagenkorb zu; ein Helfer reichte ihm Beinschienen.
Menelaos. Ihn hatte Ninurta noch nie aus der Nähe gesehen. Der Spartaner glich dem Trojaner: groß, stark, aber nicht massig. Über die weitergehenden Ähnlichkeiten mochte sich Helena äußern...
Das Grinsen verfiel, als Ninurta den Blick hob. Da stand sie, auf einer kleinen Anhöhe, nicht weit hinter den ersten Reihen der Trojaner. Sie sprach mit einem Mann, der den Helm in den Nacken geschoben hatte und sich nun lächelnd abwandte.
Pandaros: ein gerühmter Bogenschütze; aber davon hatten die Trojaner reichlich.
"Was machen eure Lehrlinge? Können sie inzwischen mit dem Bogen umgehen?"
Khanussu wackelte mit dem Kopf. "Geht so. Ah, jetzt kann's nicht mehr lange dauern."
Menelaos hatte die Beinschienen befestigt; jemand reichte ihm den Brustpanzer. Paris schien schon bereit; er zerrte am Gürtel, an dem ein langes Schwert hing, und nahm dann einen Speer vom Wagen.
"Ich muß näher ran", knurrte Ninurta. "Das will ich genauer sehen. Tsanghar, du bleibst hier, hörst du?"
Der Kashkäer nickte. "Keine zwanzig Löwen bringen mich näher dahin. Aber ist es klug, Herr?"
"Nicht Herr und nicht klug. Bis gleich."
Ninurta lief den kleinen Hügel hinab. Khanussu, der eben mit einem seiner Männer geredet hatte, wandte sich um und rief: "Ninurta - Herr - Assyrer, bleib hier! Es ist..."
Aber nun begann das Geschrei; Ninurta hörte nicht, was der Shardanier noch sagte. Er drängte sich durch die Reihen der Achaier, dorthin, wo er zuletzt Odysseus gesehen hatte. Hin und wieder erhaschte er durch Lücken, die sich auftaten und schlössen, einen Blick auf den Kampfplatz, wo Menelaos und Paris einander bedrohten und mit den Waffen fuchtelten.
Endlich erreichte er den Ithaker und berührte ihn am Arm. Odysseus fuhr herum, die Hand am Schwertgriff - am Griff des langen feinen Stahlschwertes.
"Ninurta!" Einen Augenblick lang bildete sich der Assyrer ein, Besorgnis oder gar Angst im Gesicht des Achaiers zu lesen. "Was machst du hier? Du solltest nicht hier sein. Es wird gefährlich..."
Paris schleuderte seinen Speer. Menelaos riß den Schild hoch. Stöhnen und Geschrei übertönten jedes Kampfgeräusch; dennoch bildete Ninurta sich ein, das dumpfe Krachen zu hören, mit dem der Speer in die Schichten aus Leder und Bronze fuhr.
Menelaos warf. Auch Paris fing den Speer mit dem Schild, aber er strauchelte beinahe - die ganze Wut des ersten Gemahls von Helena mußte in dem Wurf gesteckt haben. Menelaos stolperte, fiel vom eigenen Schwung fast vornüber, blieb auf den Beinen, riß das Schwert heraus und stürzte sich auf den Trojaner, der nicht schnell genug den Schild wegwerfen und die eigene Waffe ziehen konnte. Ein furchtbarer Hieb traf den Helm, von oben, rutschte ab, endete auf der Schulter; Paris ging in die Knie. Menelaos ließ das Schwert fallen, packte den Helm des Gegners und begann, an Helm und Kopf zu zerren und zu drehen. Paris wand sich wie eine Schlange, aber es konnte nur wenige Atemzüge dauern, bis entweder der Helmgurt ihn erwürgte oder Menelaos ihm das Genick brach.
Aber es geschah etwas anderes, die dritte Möglichkeit, an die Ninurta nicht gedacht hatte: Der Gurt riß, Menelaos hielt den Helm in der Armbeuge und stolperte, als Gewicht und Widerstand plötzlich fehlten. Paris kam auf die Beine, sprang zum Schwert, das bei seinen Windungen aus der Scheide gerutscht war, packte es, drehte sich blitzschnell und stürmte mit vorgereckter Klinge auf den Spartaner los.
Zwei Pfeile. Der eine, wenn Ninurta sich nicht irrte, von einem der berittenen Skythen: ein schwarzer Strich des Todes, der (jähe Stille ringsum) mit dumpfem Schlag in Parisitis Panzer fuhr, über der rechten Brust. Der zweite Pfeil kam von Pandaros, drang in die Gürtelschnalle des Menelaos, blieb stecken. Beide Kämpfer taumelten.
Diomedes, auf seinem Wagen, reckte den Arm; in der Hand hielt er einen Speer. "Verrat!" brüllte er; die dicke Stimme raste wie eine Bö über den Kampfplatz. "Sie schänden die Götter! Tötet sie - alle!"
Die berittenen Skythen und etliche andere Bogenschützen in den achaischen Reihen handelten so schnell, daß Ninurta keinen Atemzug lang an Überraschung und blindes Befolgen von Diomedes' Befehl glauben mochte. Und während die Pfeile in der Luft hingen, langsam, wie erstarrt, als ob die Augen des Assyrers einen gedehnten Ausschnitt der Vorgänge sähen, krochen auf der anderen Seite fünfmal so viele Pfeile von trojanischen und lykischen und phrygischen Sehnen, mühten sich hangaufwärts in die steile Luft. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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