Haefs Roman Troja ist nach dem Erfolg des Petersen-Films in großer Auflage wieder in die Buchläden geschoben worden, da der Verlag ohne Zweifel auf ein hübsches Mitnahmegeschäft hoffte. Die Filmfans, die ein Buch zum Film suchten, dürften arg enttäuscht worden sein, hat doch Haefs sperriger und anfänglich auch schwer lesbarer Troja-Roman wenig gemein mit der bekannten Heldensaga um Männer mit Helmen und kurzen Röcken.
Haefs spannender Ansatz ist es, die bekannte Geschichte des Kampfes um Troja aus dem Blickwinkel eine Gruppe von Händlern zu erzählen, die in dem Konflikt eigentlich neutral sind und das ganze Kriegsgeschehen nur als Störung ihrer Handelsaktivitäten empfinden. Entsprechend wenig glauben sie auch an das Motiv der verletzten Ehre wegen des Raubes der Helena. Sie shen vielmehr die klaren wirtschaftlichen Interesse der kriegführenden Parteien im Vordergrund. Moralisch hochstehende Motive sind vorgeschobene Gründe für dumme Soldaten, die von ihren gierigen Fürsten als Schlachtvieh in einen Eroberungskrieg geschickt werden.
Mit dieser Sichtweise dürfte der Autor der historischen Wirklichkeit doch näher kommen als jedes Heldenepos und ist zudem angesichts ähnlicher Geschehnisse in der Jetztzeit erschreckend aktuell.
Es ist unbestritten eine Fähigkeit Haefs, historische Stoffe zum Leben zu erwecken. Seine Akteure sind die "normalen" Menschen der zeitepoche, die historische Ereignisse meisst eher als Opfer von Krieg und Gewalt miterleben. Ausdrucksstarke Sprache und historische Genauigkeit sind große Stärken aller Romane von Haefs.
Zu kritisieren ist der Aufbau des Romans. Der ständige Wechsel von Handlungsebenen unterbricht immer wieder den Erzählfluß und macht es schwierig, dem Geschehen zu folgen. Hinzu kommt dass der Autor nicht die herkömmlichen Bezeichnungen für Orte und Länder oder die bekannten Namen für die handelnden Personen verwendet. So werden denn aus Troja plötzlich Wilusa und aus Ajax wird Aias. Um das noch zu toppen verändern sich die Bezeichnungen dann je nach Person, die sie benutuzt, denn Ägypter nennen Troja halt anders als Griechen. Schön, dass Haefs so viel über die Zeit weiss und historisch korrekt ist, aber hier wäre weniger mehr gewesen.
So ist eher verwirrend für den Leser, der vor allem am Anfang des Buches dadurch leicht den Überblick verliert. deswegen 1 Stern Abzug.
Irgendwie hat der Auto dass dann sebst gemerkt, dann nach dem ersten Drittel des Buches lässt er den Unsinn sein und ab da wird das Buch auch richtig lesenswert.
Fazit : Prima historischer Roman, der einen interessanten neuen Blickwinkel auf eine vermeintlich bekannte Geschichte wirft.
Wer die ersten 100 Seiten übersteht wird durch großes und intelligentes Lesvergnügen belohnt.