Aus der Amazon.de-Redaktion
Der trojanische Prinz Paris (Orlando Bloom) raubt die schöne Helena (Diane Kruger), was deren Gatte Melenaos (Brian Cox) und sein Bruder Agamemnon (Brendan Gleeson) nicht so schön finden. Sie versammeln eine gewaltige Armee, deren Star der tapfere Achill (Brad Pitt) ist, und belagern die Stadt, deren Mauern von Apoll gesegnet wurden und somit unzerstörbar sind.
Hollywood-Star und "sexiest man alive" Brad Pitt dreht immer mal wieder Filme, in denen er seinen gelungenen Körper seinen weiblichen Fans präsentieren darf. Mit Troja legt er einen der besseren Streifen aus dieser Kategorie vor. Das Epos lebt hauptsächlich von seiner und Eric Banas Ausstrahlung, der Achills Widersacher Hektor spielt. Während die meisten anderen ihrer Kollegen gegen die aufwändig inszenierten Bilder und Special Effects hoffnungslos unterliegen (einzig wirklich erwähnenswerte Ausnahme ist hier Priamos-Darsteller Peter O'Toole), können Pitt und Bana dem opulent ausgestatteten Drama ihren Stempel aufdrücken. An ihnen liegt es sicher nicht, dass trotz aller Bildgewalt ein etwas schaler Beigeschmack nach dem Filmgenuss bleibt.
Diesen Beigeschmack kann man wohl, wie eingangs dezent angedeutet, vor allem Regisseur Petersen (ja, genau der Petersen von Das Boot) und Drehbuchautor Benioff anlasten. Wenn man nämlich schon recht großzügig mit der dichterischen Vorlage umgeht, dann hätte man sicherlich auch gleich ein besseres Drehbuch schreiben können. So bleibt es flach und drückt sich irgendwie vor einer Aussage, wodurch schöne Bilder, schöne Männer, schöne Effekte und schöne Kamerafahrten das Manko herausreißen müssen. Dass sie dies können, spricht dann wieder für Petersen. --Mike Hillenbrand
Movieman.de
Moviemans Kommentar zur DVD: Technisch sehr hochwertig, aber Extraseitig gibt man sich zu sparsam. Hier scheint man für eine Collectors Edition gespart zu haben.
Bild: Alle Bildwerte liegen auf sehr hohem Niveau. Die Farbsättigung ist in den Tageslichtsets außerordentlich gut getroffen und auch im Dunkel und Innenszenen ist, dank großartiger Setausleuchtung, stets eine sehr gute Farbdarstellung gewährleistet. Die Schärfe ist vor allem in den CGI-Szenen außerordentlich hoch und doch erkennt man fast nie Übergänge zwischen Realfilm und den eingefügten digitalen Elementen. Wenn die Armada sich auf das Land zubewegt, wirkt dies alles sehr echt und außerordentlich tiefenscharf. Einzig beim Bildrauschen patzt das Encoding und schafft es bei topaktuellen Material, in Himmeln leichtes Grieseln einzuschleusen.
Ton: James Horners in der Mittagspause entstandene Soundtrack ergießt sich mit großer Macht in den Hörraum und nutzt dabei ein großes Mass an der möglichen Dynamik. Dabei entsteht ein Volumenunterschied zum eigentlichen Filmton, der ein wenig Mühe hat, ähnlichen Druck aufzubauen. Eine leichte Überpräsenz der vorderen Kanäle tut zwar in Dialogszenen gut, weil es die Konzentration auf den Bildschirm lenkt, aber in den dialogarmen Kampfszenen gibt man dies üblicherweise auf und gibt den Surroundkanälen und dem LFE-Kanal etwas mehr Dampf. Der Raumeindruck ist daher "nur" gut. Die deutsche Tonspur ist sprachseitig sehr klar und von immensem Grundton, der nahezu jede Facette des menschlichen Stimmvolumens herüberbringt. Brad Pitts neue Synchronstimme (Martin Kessler) ist eine krasse Fehlentscheidung. Verständlich, das man beim "größten Krieger aller Zeiten" nicht auf Tobias Meisters sanfte Stimme zurückgreifen wollte, aber "Nicolas Cage"Stimme ist viel zu bekannt dafür. Ständig hat man Cage´s Bild im Kopf, während Pitt spricht. Die englische Originaltonspur ist in Effekten und Stimmkraft ein wenig zahmer, als das deutsche Synchronpendant.
Extras: 3 Featurettes werden mitgeliefert, wobei "Im Eifer des Gefechts" (17 Min) ein wirklich nervtötendes Blabla von Cast & Crew ist, die nur die üblichen Platitüden zustande bringt, wie "Das war echt hart" und "Wolfgang Petersen ist ein Genie". Das 14-minütige "Von Ruinen zur Realität gibt ein wenig Aufschluss über die Geschichte, die hier verfilmt wurde. Die 11 Minuten zu den Spezaileffekten ist dann sogar als interessant zu bezeichnen, weil hier sogar detailtief über die meist am Computer entstandenen Effekte berichtet wird. In der Galerie der Götter erfährt man dann ein paar Basisdaten über die Götter der Antike. Leider läßt sich zwischen der deutschen und englischen Tonspur nicht per Audiotaste wechseln, sondern man muss den nervigen Umweg über das Hauptmenü wählen. Komfort kann hier nicht der Vater des Gedanken gewesen sein. Auch ist die Musikunterlegung der Bonusdisc alles andere als harmonisch und wechselt spontan zwischen mehreren Elementen aus Horners Score. --movieman.de
VideoMarkt
Video.de
Blickpunkt: Film
Man merkt diesem Ausstattungs-Riesen die Bemühungen an, während der Herrschaft der Bilder auch das Wort zu pflegen. Manche Konfrontation findet im Dialog ein bissiges Vorspiel ('50.000 Mann sehe ich hier, die für die Gier eines Einzigen kämpfen sollen') oder eine besinnliche Reflexion. Exemplarisch präsentiert in einer der packendsten Szenen, in der Peter O'Toole mit verbaler und emotionaler Kraft Respekt für seinen gefallenen Sohn erbittet und nicht nur Achilles, sondern auch Brad Pitt in Verlegenheit bringt. O'Toole und die anderen Charakterköpfe der englischen, schottischen und irischen Theaterszene (Brian Cox, Sean Bean, Brendan Gleeson) sind spielsichere Intensitätsgaranten wie auch der australische Exportschlager Eric Bana ('Hulk') als trojanischer Königssohn Hektor. Pitt dagegen überzeugt vor allem als körperliches Gesamtkunstwerk, als Harmonie von Genetik und Athletik. Obwohl unglückliche visuelle Zitate aus den 'Legenden der Leidenschaft' Pitt als gelangweilt-gequältes Pin-up präsentieren, akzeptiert man ihn schließlich als Achilles, toleriert das Konzept, die Eitelkeit des Halbgotts auch in seiner Inszenierung zu spiegeln.
Das Drehbuch von David Benioff ('25 Stunden') vermischt furchtlos Motive aus 'Ilias', 'Odyssee' und Hollywood, erspart dem kriegsmüden Amerikaner einen endlosen Belagerungskrieg und reduziert zehn Jahre auf wenige Tage. Die Götter, die bei Homer die Menschen wie Marionetten steuern, sind Bestandteile der Dialoge, im Unterschied aber etwa zum 'Kampf der Titanen' nicht präsent in den Bildern. Wie einst 'Karate Kid' mit seinem Flamingo-Tritt bekommt auch Achilles als tänzelnder Antik-Ali eine eigene Kampftechnik - eine hoch eingesprungene Attacke mit halber Drehung in die ungeschützte Flanke des Gegners. So cool wird das Idol der Griechen eingeführt, liefert sich fortan als rebellischer Individualist mit dem griechischen Heerführer Agamemnon (Brian Cox) giftige Auseinandersetzungen, die schließlich im akuten Einsatzfall in passivem Schmollen gipfeln. Zu diesem Zeitpunkt hat Paris Helena bereits nach Troja entführt, damit Agamemnon die Chance gegeben, seiner Kriegslust einen Grund zu geben. Das Auftauchen der griechischen Armada könnte man sich dramatischer vorstellen (Vorbild: das Signalfeuer in der 'Ring'-Trilogie), doch Achilles' Strandeinnahme, sein Omaha-Beach, zeigt den Einzelkämpfer in Actionperfektion.
Zu Recht selbstbewusst stellt Petersen den Umfang seines Epos' aus. So fliegt man mit der Kamera eindrucksvoll über das Landungspanorama, sieht ein Heer von 50.000 Griechen sich mit 25.000 Trojanern messen, wird aber auch von Zweikämpfen mitgerissen, die im Duell zwischen Achilles und Hektor ihren Höhepunkt finden. Im Krieg ist 'Troja' überzeugender als in der Liebe. Die Beziehung zwischen Paris und Helena krankt stoffimmanent daran, dass man dem Schön- und Feigling den Blitztod wünscht. Auch die Affäre zwischen Achilles und Briseis, die hier zur Cousine Hektors befördert wird, entwickelt sich überstürzt und wird auch nicht abgelöst von seiner Betörung durch Amazonenkönigin Penthesilea, weil es Frauen, die in den Krieg ziehen, im Hollywood-Troja nicht gibt. Ein Verlust für Petersens trotz mancher Abstriche sehr wohl spektakulären Film ist das aber nicht, weil die größten Gefühle unter Männern ausgetauscht werden. Hier gibt es Hass, hier gibt es Liebe, hier brennen die Helden - im Leben wie auch im Tod. kob.