Wer einstmals davon träumte, eines Tages selbst noch die Wahrheit über Ilias und Odyssee herauszufinden, und dazu noch den Nachweis zu erbringen, dass all das wirklich geschehen sei, und Völkerfürst Agamemnon und sein Held Achill, der Spartaner Menelaos,der Lüstling Paris und sein tapferer Bruder Hektor, der König Priamos und die schöne Helena einst mit ihren Seelen, so rein wie die epische Dichtung Homers, den heutigen Ruinen fröhliches Leben unter der sich anbahnenden Tragik der unabwendlichen, durch göttliche Vorsehung festgeschriebenen Ereignisse verliehen, jene werden mit diesem knochentrockenen Büchlein aus der Feder Hertels keine grosse Freude haben.
Es ist ein Archäologiebuch, voll mit entsprechenden Befunden, und zudem mit Karten und Bildern versehen.
Vielfach wird Hertel unterstellt, dass er dem Leser den konträren Standpunkt, der vom Kreis um den Baseler Joachim Latacz vertreten wird, vorenthält, ich würde allein sagen, dass Hertel sehr vorsichtig ist, in allem was er als gesichert annimmt.
Und diese Perspektive eines nüchternen Fachmanns, der in der sengendsten Hitze seiner Ausgrabung niemals den Verstand verliert ist für die Wissenschaft durchaus eine wertvolle. Jene des konträren Impulsgebers Latacz ist eine ebenso wertvolle, und es ist sicherlich abzuwarten, was sich aus dem Spannungsfeld der beiden Sichtweisen heraus noch ergeben wird.
Was diesem Büchlein mehr anzulasten ist ist, dass es eigentlich nicht sehr gut in diese Reihe passt. Für den Nicht-Archäologen(und dazu zähle ich mich)sind seine Ausführungen mitunter einschläfernd, mitunter zum Verzweifeln. Dazwischen liegen Bereiche die man lesen kann.
Gesamtfazit damit: Sehr korrektes, vorsichtiges, Buch über einen alten Streitpunkt. Für den Fachmann sicherlich ein Muss, für den Laien, so er 'sein' Troja nicht völlig der archäologischen Dekonstruktion anheimgeben möchte, eher verzichtbar.