Aus der Amazon.de-Redaktion
Das Prinzip, Tragisches knallhart komisch zu servieren, funktionierte schon im ersten Band. Trotzdem lastete man Krass! damals den Vorwurf der Pädophilie, sowie der allzu drastischen Darstellung homosexueller Praktiken an. Doch auch jetzt denkt Burroughs nicht im Traum daran, den Dämon Alkohol bierernst (man verzeihe!) zu verteufeln. Dass Augusten im Vollsuff spätnachts einen Werbekunden anrief, um ihm lallend Telefonsex anzubieten, verbuchte die Agenturchefin noch als peinlichen Ausrutscher. Als er jedoch eine wichtige Präsentation im Bett delirierend verpennte, war klar: Alkoholentzug oder Job. Willkommen also im Proud Institute, DER therapeutischen Topadresse für schwule Alkoholiker. Augusten will doch clean werden -- oder?
Die versprochene Spitzenklinik, Zufluchtsstätte gebeutelter Stars, entpuppt sich als bessere Baracke. Augusten der coole Medienprofi, fühlt sich in einen grausigen Sketch aus Saturday Night Live versetzt. Aschfahle Wracks scharen sich um ihn. Der sexsüchtige Kavi, Augustens Pate während des Entzugs, scheint an dem Neuankömmling mehr als Gefallen gefunden zu haben. Und überall verständnisvoll flötende Therapeuten, deren Psychoschnack einen in den Wahnsinn treibt. Das Kuckucksnest lässt grüßen. Und weit und breit kein Scotch.
Nach einem Monat ist der Spuk vorüber. Augustens neues Leben beginnt. Doch als erstes ausgerechnet eine Werbeaktion für eiskaltes würziges Bier? Augusten merkt, nun fangen die Probleme erst richtig an. --Ravi Unger -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Kurzbeschreibung
Über den Autor
Auszug aus Trocken! von Augusten Burroughs, Volker Oldenburg. Copyright © 2005. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Just do it
Wenn man in der Werbung arbeitet, bekommt man manchmal Produkte auf den Tisch, die der letzte Mist sind, und trotzdem muss man so tun, als wären sie absolut top und für die Verbesserung der Lebensqualität unentbehrlich. Einmal musste ich zum Beispiel eine Kampagne für eine Pflegespülung entwickeln. Die Strategie lautete: Bringt fühlbare Geschmeidigkeit und sichtbares Volumen. Es gab da nur ein Problem die Spülung war beschissen. Sie verklebte die Haare, und die Probandinnen in den Fokusgruppen fanden sie grauenhaft. Außerdem stank sie. Statt frisch gespült roch das Haar nach Kaugummi und Desinfektionsmittel. Aber natürlich musste ich den Leuten irgendwie weismachen, das Stinkezeug wäre die beste Haarspülung, die je kreiert wurde. Ich musste ihr ein Image verleihen, das schön und sexy war. Für jeden erschwinglich und doch exklusiv.
Die Werbung lässt alles besser aussehen, als es in Wirklichkeit ist. Deshalb habe ich in der Werbung eine so tolle Karriere hingelegt. In dieser Branche dreht sich alles darum, in den Menschen falsche Erwartungen zu wecken. Nur wenige können das so gut wie ich, denn ich wende die Grundprinzipien der Werbung schon lange auf mein Leben an.
Als ich dreizehn war, schob mich meine verrückte Mutter an ihren geisteskranken Psychiater ab, der mich adoptierte. Mein Leben dort war geprägt von unbeschreiblicher Verwahrlosung, Pädophilen, Schule schwänzen und Tabletten. Als ich dieser Hölle schließlich entkam, stellte ich mich bei diversen Werbeagenturen als jugendlicher, leicht exzentrischer Autodidakt voller Leidenschaft vor, der vor Ideen nur so übersprudelte. Ich verschwieg, dass ich nicht richtig schreiben konnte und Schwänze geblasen hatte, seit ich dreizehn war.
Es gibt nicht viele Neunzehnjährige, die in der Werbebranche Fuß fassen, obwohl sie nur einen Grundschulabschluss und null Vitamin B haben. Nicht jeder kann einfach so von der Straße hereinspazieren, Texter werden, an einem protzigen, schwarzen Konferenztisch hocken und Sprüche loslassen wie: Vielleicht kriegen wir Molly Ringwald als Sprecherin, oder: Das wird absolut hip und MTV-mässig. Aber mit neunzehn wollte ich genau das. Und genau das bekam ich, was mir das Gefühl bescherte, mit meinen Geistesgaben könnte ich die Welt beherrschen. Ich mochte mein Glück kaum fassen, als ich mit neunzehn Juniortexter für den Etat des Verbands der amerikanischen Kartoffelbauern wurde. Für siebzehntausend Dollar Jahresgehalt, was verglichen mit den neuntausend, die ich zwei Jahre zuvor als Kellner in einem Grill-Restaurant verdient hatte, ein Vermögen war.
Das ist das Tolle an der Werbung. Werber interessiert es nicht, wo du herkommst und wer deine Eltern sind. Es spielt keine Rolle. Du könntest unter deinem Küchenfußboden skelettierte Mädchenleichen lagern; solange dir ein besserer Werbespot für Chuck-Wagon-Campingzubehör einfällt, gehörst du dazu.
Jetzt bin ich vierundzwanzig und bemühe mich, nicht über meine Vergangenheit nachzudenken. Ich will nur an meinen Job und an meine Zukunft denken. Zumal in der Werbung gilt, dass du nur so gut bist wie deine letzte Kampagne. Diese Devise des dynamischen Vorwärtsdrangs findet sich in vielen Slogans wieder.
Think different (Apple, Chiat/Day.)
Just do it (Nike, Wieden and Kennedy.)
Verdammt, irgendwas stimmt nicht. (Ich morgens um halb fünf zu meinem Badezimmerspiegel,
wenn ich sternhagelvoll bin.)
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.