Augusten ist jung, erfolgreich, schwul. Er lebt in New York, hat seine krasse Jugend hinter sich gelassen und beweist, dass er seinen kleinen amerikanischen Traum verwirklicht hat. Wenn da nicht der Alkohol wäre. Abends trifft er sich mit einem Saufkumpan. Freundschaften schließt man in der Bar, und sie dauern bis zum Filmriss.
Und dann muss Augusten in die Entzugsklinik. Das heißt für ihn: Leben in einem Panoptikum, in das der exzentrische Werber bestens hineinpasst. Doch so cool er sich auch geben mag: Irgendwann muss Augusten erkennen, dass er Alkoholiker ist. Trocken zu werden, stellt er fest, ist alles andere als leicht. Vor allem, wenn man einen missgünstigen Chef hat, für Bier werben soll, beim HIV-positiven Mann, der ihn liebt, AIDS ausbricht und ein labiler anderer Ex-Alkoholiker in sein Leben tritt. Harte Bewährungsproben also, bei denen nicht klar ist, ob Augusten sie bestehen wird.
Ich fand "Krass!" bereits großartig, und "Trocken!" toppt es noch. Doch während Burroughs' Debüt einen Tränen lachen lässt, rührt die Fortsetzung eher zu solchen. Bei "Krass!" dachte ich am Ende: Meine Güte, was für ein armes Schwein - und lachte. "Trocken!" zeigt zwar auch einen distanzierten und komischen Blick auf das Geschehen, aber es ist ein wesentlich intensiveres Leseerlebnis, das mitunter einen dicken Kloß im Hals hervorruft. Entgegen der Klappentext-Meinung ist das keine "hippe" Geschichte. Sie ist schmerzhaft. Schmerzhaft ehrlich. Und man darf sehr gespannt sein, was Augusten Burroughs noch zu Papier bringen wird.