"Trix Solier: Zauberlehrling voller Fehl und Adel" ist für mich persönlich eine Geschichte, die man mehr als einmal lesen muss. Mit viel Liebe zum Detail, zur Literatur und dem Leben an sich hat Lukianenko eine Welt erschaffen, die sich auf den ersten Blick sehr von unserer unterscheidet, auf den zweiten Blick aber doch so einige Gemeinsamkeiten aufweisen kann.
Anfangs liest sich die Geschichte eher wie ein Märchen, doch schnell stellt man fest, dass man hier viel mehr geboten bekommt. Neben Lukianenkos feinem Humor, der einen immer wieder zum Grinsen bringt, begeistert mich vor allem seine Karikatur unserer Gesellschaft, die ihm in bester Pratchett-Manier gelungen ist.
Mal versteckt, mal offen, nimmt er die Menschheit, ihre Eigenarten und ihre Geschichte auf die Schippe. Mit einfachen, aber wohlgewählten Worten erklärt er uns die Magie, wie Fast Food das Leben aller Menschen verändern kann oder welchen Vorteil vorgefertigte Kleidung hat. Durch diese ironischen Passagen werden besonders erwachsene Leser ihre Freunde an der Lektüre haben. Jüngere Leser werden vielleicht nicht jeden Verweis entdecken und verstehen können, der Handlung kann man jedoch grundsätzlich gut folgen.
Hauptsächlich lebt die Geschichte natürlich von ihren Charakteren. Trix Solier schließt man sofort ins Herz, auch wenn er am Anfang eher ein verhätschelter Prinz als ein tapferer Abenteurer ist. Doch Trix wächst mit seinen Aufgaben und entwickelt sich zu einem liebenswürdigen jungen Herrn, der Verantwortung übernehmen kann. Seine Wegbegleiter konnten mich allerdings genauso begeistern. Paclus, der Ritter mit Zwergenblut und Radion Sauerampfer sind Trix' väterliche Freunde, die sich bisweilen jedoch eher wie Gleichaltrige benehmen. Die rauschkrautsüchtige Blumenfee Annette, die Trix sich mehr oder weniger aus Versehen als Gefährtin herbeizaubert, sorgt mit ihrer theatralischen Art immer wieder für heitere Augenblicke, ebenso wie der altkluge Hallenberry oder der freche Ian. Hier tummeln sich neben Zauberern und Rittern auch Schauspieler, Könige, Feen, Zwerge und sogar Untote, die alle immer wieder für Überraschungen und so für eine kurzweilige Handlung sorgen. Zusammen mit ihnen begleitet man Trix gerne auf seiner Suche nach Wahrheit, Wissen, Gerechtigkeit und letztendlich sich selbst.
Auf jeder Seite, in jeder Zeile spürt man Sergej Lukianenkos Freude am Erzählen und Fabulieren, seine Liebe zum geschrieben Wort. So ungern ich mich selbst zu einer Lektüre nötigen lasse, dieses Werk kann ich nur jedem ans Herz legen, der liebevoll ausgearbeitete Geschichten liebt. Dabei ist das Alter des Lesers oder der Leserin vollkommen unerheblich.
Dieser fantastische Mix aus Märchen, Abenteuer, Humor und Magie hat mich absolut begeistert und ich freue mich jetzt schon auf Trix' nächstes Abenteuer.