Die hilfreichsten Kundenrezensionen
5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Hochhäuser mit anderen Augen sehen, 28. Dezember 2011
Rezension bezieht sich auf: Triumph of the City (Kindle Edition)
"Triumph of the City" ist für Laien geeignet, wirtschaftswissenschaftliche Kenntnisse sind nicht erforderlich. Das Buch ist außerdem sehr gut lesbar und nicht zu kurz oder zu lang. Wenn man sich näher mit einzelnen Aspekten befassen möchte, kann man die vielen Literaturangaben hinten im Buch nutzen. Nun zum Inhalt: Glaeser präsentiert eine Reihe von Argumenten, die ich wichtig und plausibel finde. Der herausragende Punkt ist, dass Städte Menschen näher zusammen bringen und damit eine wertvolle Quelle von Innovationen sind. Ein anderer wichtiger Punkt ist, dass dichte Besiedlung und insbesondere Hochhäuser weniger umweltbelastend sind, weil die Bewohner kürzere Strecken fahren und häufiger öffentliche Verkehrsmittel benutzen. Glaeser beschreibt Aufstiege und Niedergänge mehrerer Städte. Er ist der Auffassung, dass Politiker über Erfolg und Misserfolg nicht bestimmen, aber dennoch das Schicksal von Städten beeinflussen können. Aus der Diskussion ergibt sich, dass Menschen, nicht Gebäude, das entscheidende städtische Element sind. Städte sind erfolgreicher, wenn sie es schaffen, gebildete und kreative Leute anzulocken und ihre Interaktionen zu erleichtern. Die meisten wirtschaftlichen und künstlerischen Innovationen entstehen durch persönliche Kontakte, moderne Kommunikationstechnologien ändern dies nicht. Doch als Detroit wirtschaftlich schwächelte, investierten Politiker in Infrastrukturprojekte, die letztlich nur wenige Menschen nutzten. Ähnlich fehlgeleitet erachtet Glaeser die politischen Anstrengungen, New Orleans nach Hurrikan Katrina wieder aufzubauen. Die investierten Summen hätten laut Glaeser bessere Verwendung gefunden, wenn sie den betroffenen Menschen direkt ausgezahlt worden wären. Glaesers politische Vorschläge, um Gebildete und Kreative (mit Kindern oder entsprechenden Plänen) anzuziehen, bestehen in einer Verbesserung der öffentlichen Schulbildung und mehr Wettbewerb zwischen Schulen, auch privaten. Zu guter Letzt sollten Politiker auch aufhören, städtisches Wachstum und Hochbauen einzuschränken. NIMBY (not-in-my-backyard), also das Zurückweisen von Bauprojekten im eigenen Viertel, würde einer Minderheit nützen, und dabei der Mehrheit schaden, insbesondere Armen. NIMBY ist auch nicht umweltfreundlich. Laut Glaeser sollten Menschen nicht gezwungen werden, wo sie sich niederlassen, dennoch reagieren Menschen auf Anreize, die durch die Politik beeinflusst werden. Millionen von Menschen sind in den letzten Jahrzehnten in den Sunbelt (die südlichsten Staaten der USA) gezogen. Für diese Entwicklung macht Glaeser die politischen Einschränkungen städtischen Wachstum an Ost- und Westküste verantwortlich. Diese seien der Grund, warum Immobilien sehr viel billiger in Texas als etwa an der kalifornischen Küste sind. Der Preisunterschied überwiegt die Nachteile des schwülen Klimas (und die höheren Elektrizitätskosten für Klimaanlagen, welche die Treibhausgasemissionen der bereits vielfahrenden Vorstadttexaner weiter in die Höhe treiben). Ein weiteres Politikversagen ist laut Glaeser die schlechte Qualität öffentlicher Schulen in den Innenstädten, weswegen reiche Eltern oft in die Vororte ziehen, wo sie mehr Auto fahren. Drittens seien Kraftstoffsteuern und Gebühren für Straßenbenutzung zu niedrig angesetzt, was Umwelt und Mitmenschen schadet. Entscheidender für die Zukunft der globalen Erwärmung als die US-Politik ist laut Glaeser jedoch die weitere urbane Entwicklung in China und Indien. Es ist fraglich, ob dort dem texanischen, autozentrierten Vorstadtmodell gefolgt wird, oder ob chinesische und indische Städte statt in die Breite in die Höhe wachsen und auf öffentlichen Verkehrsmitteln basieren werden. Als ich das Buch kaufte, habe ich eine Städtereise um den Globus erwartet. Mumbai, Paris und Singapur kommen an einigen Stellen im Buch vor, aber die Hauptaufmerksamkeit gilt US-amerikanischen Städten, allen voran New York City, Houston und Detroit. Dies nur als Hinweis. Insgesamt ein schönes Buch, dass die Bedeutung von Städten verdeutlicht und stets den Fokus auf das ihnen innewohnende menschliche Verhalten richtet. Hochhäuser sieht man danach mit anderen Augen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein
1 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Davon ist abzuraten oder mit Vorsicht zu genießen, ., 23. Mai 2011
Bei diesem Titel ist grundsätzlich maximale Vorsicht geboten, eine derartige einseitige unkritische, verherrlichende PR für die zerstörerischste "Erfndungen" der Menschhieit ist schon erstaunlich. Diese unsozialen, Müll erzeugenden Ressourcen und Menschen zersetzenden SuperCities, die Menschen von sämtlichen, natürlich angelegten Fähigkeiten entfremden, sind ein Negativ-Punkt dieser "Zivilisation", der nicht noch global untermauert und bejubelt, sondern als ensthaftes Problem angegangen werden müssten. Von der frühesten Besiedelung der großen Metropolen, die aufgrund der Landflucht aus damals mittellosen und vertriebenen Ureinwohner und einfachen Bauern bestand, die dort in der Stadt, da sie nichts mehr als ihren Körper besaßen, diesen als Arbeitskraft in entfremdender und entfremdeter Massenproduktion einbringen mussten, besteht bis heute eine ähnliche Verwertungspraxis fort, die in diesen Städten übergroß auf die Spitze getrieben wird, Menschen als Nutz-Vieh zu verwertetes "Human-Kapital" zu verbrauchen. Und so wachsen aktuell stetig expandierend, die Probleme dieser großen Städte mit ihrer fortgesetzten Akkumulationskraft exponentiell. Sie zersiedeln die Landschaften, schaffen Raum und wachsende Verteilungsprobleme und steigern entsprechende Umweltgefahren in ungeahnte Dimensionen. Großstädte sind zum verführerischen, werblich konformisierten, extrem "modern" geprägten Leitbild dieser "Big City- big lights"-UNKultur geworden, zu Wahrzeichen und Leuchttürmen wie Sinnbildern eines imperialistisch, dominanten Herrschaftsprojekts gewuchert, prägen als Leitbild diesen monopolistisch, auch darin verfestigten Verwertungs-Kapitalismus. Inzwischen ist die "Big City" der Schmelzpunkt und wichtigste Generator für den ungaublich zerstörerischen "Reichtum" und mehr als ambivalenten, industriellen "Fortschritt" geworden, der von den gewaltige auch in diesen Städten angesiedelte Unternehmen erzielt und bereitet wird.ein unermesslicher Gewinn wir derzielt aus der Wertschöpfung der Arbeit der darin in einem unglaublich vielschichtigen und inhumanen Räderwerk und wie im Kaninchenstall gefangen gehaltenen Menschen, unfreie zu gedungenen Zahnrädern verkommene, immer verstärkter an Verwertungsstrukturen extrem überangepasste Lohnsklaven. Damals wie heute, um so weiter brodelt das Bild der alles vernichtenden Megastadt, hier untypisch und monströs weich gezeichnet, ein Bild welches Fritz Lang schon in "Metropolis" früh und eindringlich, wie erschreckend kritisch warnend bebildert hatte.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein
|
|
|