Deutscher Titel: Triumph des Geistes. Originaltitel: Triumph of the Spirit
Produktionsland: USA. Premiere: 1989
Mit: Willem Dafoe, Edward James Olmos, Robert Loggia, Hartmut Becker, Wendy Gazelle, Kelly Wolf, Costas Mandylor, Kario Salem u. A.
Regie: Robert M. Young. Musik: Cliff Eidelman
Genre: Biographie > Historienfilm > Boxerfilm
Der Titel "Triumph des Geistes" stellt sich absichtlich in den Gegensatz zum nationasozialistischen Slogan "Triumph des Willens", der durch die ästhetisierten Propagandafilme Leni Riefenstahls auf die Spitze getrieben wurde. Denn Geist und Wille ist keineswegs ein und das Selbe. Der herren- und herrschsüchtige Wille der Nationalsozialisten vermochte den Geist der Niedergebeugten nicht zu brechen, weil Geist weit über den Willen allein steht. Es handelt sich jedoch bei diesem Film um einen körperlich bezogenen, da der griechische, jüdische Boxer und Balkanmeister im Mittelgewicht Salamo Arouch (1923 - 2009) all seine körperlichen Kräfte einsetzen musste, um das KZ Auschwitz zu überleben. Er wurde als Boxer missbraucht, um in blutigen, brutalen Faustkämpfen die deutschen Bewacher zu vergnügen. Von daher besitzt die Titulierung des Filmes in sich einen metaphorischen Sinn: obwohl der Boxer körperlich um sein Leben kämpfen muß, so triumphiert er nicht als Schläger, sondern geistiges Individuum, das sich bis zum Letzten seine intellektuelle Würde bewahrt hat. Der Mann ist im Gegensatz zu den deutschen Schergen nicht getrieben von niederen Instinkten des Herrentums und Herdentriebs, sondern dem inneren Vollbesitz seiner selbst. Und diese innere Würde bewahrt sich der zum Prügeln des Nächsten gezwungene Salamo bis zum siegreichen Schluß.
All das zeigt der Film auf eine meisterliche, erschütternde Weise.
Er beschränkt sich aber keineswegs auf die Heldenfigur alleine, sondern behandelt mehrere Charaktere sehr ausdrucksstark und zeigt die unmenschlichen Arbeits- und Lebensbedingungen der Gefangenen äußerst bestürzend. Der Vater von Salamo (Robert Loggia) erfährt im Film eine bewegende Charakterisierung, die umso berührender ist, je näher sich mit der Befreiung auch der Tod heranschleicht. Die Deutschen ermordeten ja mit dem Vordringen der Alliierten verstärkt die Gefangenen, was das Leiden unendlich steigerte.
Der markante Schauspieler Edward James Olmos spielt eine weitere tragende Gefangenen-Rolle eines Kapo. Überhaupt werden die Unterschiede in der Rangordnung innerhalb der Gefangenen sehr transparent aufgezeigt. Es gibt brutale Schinder und Totschläger unter den gefangenen KZ-Kapos, die aufgrund des deutschen Leistungsdrucks darauf getrimmt sind, die schwachen und ausgemergelten Gefangenen zugrundezurichten. Während einer solchen Auseinandersetzung erweist sich jedoch Salamo als geübter Boxer, als der Stärkere. Er bewältigt in einem Zweikampf den aggressiven Kapo. Als der deutsche Major Rauscher (Hartmut Becker) beobachtet, welche boxerischen Qualitäten in Salamo stecken, setzt er diesen ein in grausamen Boxkämpfen, die dem Verlierer den Tod und dem Major Wetteinnahmen bringen. Salamo wird für seine Siege mit Brot und leichten Vergünstigungen belohnt, welche seine Überlebenschancen immens verbessern. Er konsumiert aber das Brot nicht für sich alleine, sondern teilt es mit seinen Nächsten.
Willem Dafoe spielt den mutigen Boxer meisterlich und man darf behaupten, dass es eine seiner besten Vorstellungen ist. Er verleiht der historischen Figur eine tiefe, wortlose Menschlichkeit und vermittelt für den Zuschauer authentisches Mitgefühl von Anfang bis zum befreienden Ende.
Weiters werden in dem Film Rivalitäten und auch unlautere Verhaltensweisen der Gefangenen, auch der weiblichen, aufgezeigt, wenn sich eine Person mittels Tricks Erleichterungen zu erschwindeln versucht, sogar auf Kosten der übrigen Gefangenen. Es ist wahrlich bewegend, diese Gesten mitzuverfolgen, weil dadurch das echte Menschliche organisch evident gemacht wird.
Die Musik von Cliff Eidelman ist vortrefflich mit jüdisch-griechisch-folkloristischen Klangmustern voller Emotion und Wucht in vielseitigen impulsiven oder verlangsamten Melodieströmungen.
Die Boxkämpfe sind sehr realistisch choreographiert. Willem Dafoe als Boxer wirkt sehr authentisch und sein Bewegungs- und Kampfstil ist stark in Szene gesetzt. Dennoch bilden die Boxszenen nur einen relativ kleinen Teil des ganzen Geschehens. Im Vordergrund stehen nicht die Kämpfe, sondern die schweren und tragischen Lebensumstände der Gefangenen.
Ein meisterlicher, starker Film voller Emotion und Leidenschaft!
Einer der besten und erschütterndsten Konzentrazionslager-Filme