5 junge Literaten versuchen, ein Bild der Gesellschaft zu skizzieren. In drei Tagen.
Ein interessantes Projekt, das man öfter wiederholt sehen möchte. Schließlich sind seit Veröffentlichung des Buches 6 Jahre vergangen.
Entsprechend suhlt man sich in Fin-de-siècle-Dekadenz: Man trägt Boss, raucht Sweet Afton und belächelt „den Golffahrer". Kurz: Man ist Elite und verabscheut den Mainstream, der Kruder&Dorfmeister hört und Pulp-Fiction-Szenen imitiert.
Das ist eine Weile amüsant, allerdings auch unproduktiv, denn seitenlang werden No-go-Listen erstellt, ohne dass sich die fünf zu einer eigenen Ästhetik durchringen. Anhand vom Konsum wird die Welt gedeutet. Das mag der richtige Weg sein, hier bleibt das Bild allerdings ein bruchstückhaftes.
Immerhin wird konstatiert, dass nichts unser Leben stärker prägt als die Medien und dass wir in einer Zeit eines „kollektivierten Individualismus" (v. Schönburg) leben.
Christian Kracht sagt: „Das Problem ist der Konsens." Die Popautoren wollen individuell sein und sehen „den Pop" als einen Diskurs, ein Prinzip des Ausschließens. Sie einigen sich damit auf ein Programm, dass sie laut von Barre gar nicht haben („Aber sie hatten ein Programm. Wir haben keines, hoffe ich."). So können sie gegen alles und jeden sein, ohne Farbe bekennen zu müssen. Das finde ich dann doch etwas unproduktiv.
Das Buch kann man als einen Versuch sehen, eine eloquente Plauderrunde des 19. Jahrhunderts ins Heute zu transferrieren. Was bleibt, sind von Selbstverliebtheit durchtränkte Statements und eine Erweiterung des popkulturellen Hintergrunds des Lesers, wenn man all den Spuren nachgeht, die im Laufe der Gespräche gelegt werden.
Für Schönburg ist das Fazit der Runde: „Rock ist die Antwort und Rock ist das Christentum und all you nee dis love." (Man versucht, den Begriff Pop abzustreifen, schließlich kommt er von populus - das Volk).
Für mich ist das Fazit: Ein weiterer Versuch, mit beredtem Nichts-sagen Geld zu verdienen.