Ich bin in dieses Buch schnell reingekommen und habe es für meine Verhältnisse ziemlich zügig ausgelesen. Zum einen ist es sicher keine schwer verdauliche Lektüre, zum andern war mir Georg, aus dessen Perspektive erzählt wird, recht schnell vertraut wie ein Bruder, glaubwürdig getroffen als einer:
- dem Musik einiges bedeutet, der aber nur Blockflöte und Luftgitarre beherrscht und im Umgang mit "echten" Musikern schnell seine Grenzen erkennen muss,
- der ein Germanistikstudium abgeschlossen hat aber im späteren Leben wenig daraus machen kann außer vielleicht ein paar mittelmäßige Gedichte und Gelegenheitstexte schreiben,
- der in kleinbürgerlichen Verhältnissen "in der Provinz" aufgewachsen ist und in der "großen Welt" erfährt, dass die, die dort einen Namen haben, in einer ganz anderen Liga spielen,
- der intellektuell durchaus einiges drauf hat und Situationen analysieren kann, dennoch immer wieder in gesellschaftliche Fettnäpfchen tritt oder von seinem Gefühlsleben einen Streich gespielt bekommt.
Wer mit einem so skizzierten Typ gewisse Schnittmengen aufweist, wird ihn gern mit einem lachenden und einem weinenden Auge durch die Story begleiten und dem wird es auch mehr oder weniger egal sein, ob der Maestro nun ein Unsymp oder Exzentriker ist, ob der Autor hier eigenes Erleben mit einem realen Komponisten aufarbeitet oder nicht und der wird auch gnädig darüber hinwegsehen, dass Treichel andere Chancen seines Plots eher verschenkt, z.B. eine schlüssigere Darstellung der Figuren im Gefolge des Maestro oder eine eindringlichere Schilderung der drei Schauplätze (Schottland, New York und Sizilien), deren Mehrzahl ansonsten gar nicht vonnöten gewesen wäre.