Das Buch von Martin Grzimek wurde auf Deutschlandradio als "Tristan für das 21. Jahrhundert" gepriesen, der Klappentext spricht davon, dass "ein ganzes Zeitalter in all seiner Magie und Farbenpracht lebendig" würde. Dem positiven Urteil kann ich mich nicht so recht anschließen. Zwar leuchtet der Roman sehr dicht und mit psychologischem Feingefühl die Beziehungen und Konflikte zwischen den Protagonisten aus. Auch auf die klassischen Helden-Stereotype wird weitestgehend verzichtet, dies ist zweifelsohne das Besondere an dieser Neuinterpretation des Tristan.
Aber in historischer Hinsicht ist Grzimeks Buch wenig überzeugend. Formal orientiert sich der Autor an mittelalterlicher Erzählweise und in der Verwendung von scheinbar zeitgemäßen Fremdworten am Historienroman a la Umberto Eco, aber inhaltlich ist da wenig stimmig. Man muss nicht Mediavistik studiert haben, um zu wissen, dass es im Mittelalter in Europa keinen Mais gab, und dass zur Zeit der Kreuzzüge keine Sachsen mehr in England einfielen.
Der Autor setzt eine durchaus vielschichtige und spannende Handlung in seine Vorstellung vom Mittelalter, die insgesamt auf recht oberflächlichen Klischees beruht, und den tatsächlichen Gegebenheiten der Zeit nicht gerecht wird. Und das finde ich schade.