Die Sage von Tristan und Isolde stammt aus dem frühen Mittelalter und dieser tragisch-schöne Stoff hat seither Dichter, Komponisten und nicht zuletzt auch Filmemacher beflügelt und immer wieder neue Variationen hervorgebracht. Diese deutsch-britische Ridley-Scott-Produktion unter der Regie von Kevin Reynolds ist beileibe nicht die erste Verfilmung des Schicksals der berühmten Liebenden, aber sie ist eine beeindruckende und unkonventionelle Neubearbeitung des alten Stoffes mit einer so geballten Ladung an Action, dass man die altertümliche Geschichte darin kaum noch wieder erkennen kann.
Die Stämme Britanniens werden nach dem Abzug der Römer vom irischen König Donnchadh (David Patrick O Hara) beherrscht und ausgebeutet. Tristans Eltern sterben bei einem irischen Überfall und der Junge wird von Lord Marke von Cornwall (Rufus Sewell) wie ein Sohn geliebt und von ihm zu einem unbezwinglichen Ritter erzogen. Marke wehrt sich schließlich gegen die irischen Überfälle und bei so einem Kampf wird Tristan (James Franco) schwer verwundet. An der Küste Irlands wird er von Donnchadhs heilkundiger Tochter Isolde (Sophia Myles) gefunden und heimlich gesund gepflegt. Beide verlieben sich unsterblich ineinander, wobei Tristan die wahre Identität von Isolde nicht kennt. Tristan muss fliehen und die Wege der Liebenden trennen sich. Aber bald schon gibt es ein Wiedersehen, das allerdings nicht sehr glücklich ist, denn Tristan reist nach Irland um für Marke um die Hand der Königstochter zu kämpfen. Erst als er nach herrlich-schrecklichen Zweikämpfen gesiegt hat, lüftet die Prinzessin ihren Schleier und Tristan erkennt seine Geliebte wieder. Obwohl er Isolde unverbrüchlich liebt, ist Tristan seinem Freund und Lord Marke treu und bringt Isolde als Braut nach Cornwall wo sie Marke heiratet. Doch schon bald wird die Liebe der beiden übermächtig und Freundschaft und Treueschwüre sind vergessen. Ohne zu ahnen, dass sie den Frieden und die Sicherheit ihres Volkes gefährden, treffen sich die Liebenden heimlich. Aber Neid und Verrat lauert an allen Ecken...
Gute und schlechte Seiten:
Wenn ich entscheiden müsste, was mir an diesem Film besser gefallen hat, die wundervollen Landschaftaufnahmen von Irland oder die historisch absolut stimmigen Kulissen einer post-römischen Festungsanlage in Cornwall oder etwa die hervorragenden, nervenaufreibenden und perfekt choreographierten Kampfszenen, ich könnte mich nicht festlegen.
All das ist ausgezeichnet gelungen und verdient uneingeschränktes Lob. Ganz besonders lobend hervorheben möchte ich auch die Kameraführung und die dunkle Bilderwelt in diesem Film. Ob nun Landschaft oder Kostüme, alles hat eine düstere, monochrome Patina, die diesem Film einen wunderbaren, sehr authentischen mittelalterlichen Touch gibt. Insgesamt bekommt man hier einen absolut berauschenden optischen Input, der über so manche Logikschwäche im Drehbuch und über viele dümmliche Dialoge hinwegtrösten kann.
Und da bin ich schon bei meiner Kritik. An Oberflächlichkeiten und Logikschwächen mangelt es wahrhaft nicht in diesem Film.
Am meisten habe ich mich allerdings über die eher blutleer vermittelte Liebesgeschichte geärgert. Stellenweise hatte ich wirklich das Gefühl, Tristan und Isolde wären zwei alberne, hormonübersättigte Pubertierende bei ihren ersten sexuellen Experimenten. James Franco hat mich zwar als Schwert schwingender Ritter rundweg überzeugt, aber als unselig liebender Tristan ist er ebenso wie die schöne Sophia Myles als Isolde traurig gescheitert. Die Verzweiflung der beiden, ihr Liebesleid und die Tragik ihrer Situation kamen bei mir nicht glaubwürdig und bestenfalls halbherzig an.
Fazit:
Dieser monumentale Film hat es nicht ganz bis zum Meisterwerk geschafft obwohl die Vorzeichen dafür optimal standen. Er ist absolut spannend und ergreifend, auch wenn einen der Liebeskummer weitaus weniger berührt als der verzweifelte Heldenmut der britischen Ritter.
Ridley Scott hat hier etwas wirklich Sehenswertes produziert, allerdings hat er das tragische Potential der Geschichte zum Großteil verschenkt.