Die Fernsehproduktion von Tristan und Isolde habe ich mir zunächst angesehen um meine Bildung um dieses klassische Drama zu bereichern. Wie oft im deutschen Film ist bei der Vertonung wenig auf Atmosphäre geachtet worden, Ralf Bauer wirkt wie ein gelangweilter Student, während er den feigen Morold zu einem Zweikampf um Leben und Tod herausfordert und sich dabei gleich als Neffe Markes zu erkennen gibt. Schon während man sich den Film ansieht fallen einem einige Ungereimtheiten auf. Tristan erkrankt nach seinem Kampf mit Morold, welcher sein Schwert vergiftet hat. Kein Arzt kann ihm helfen, bis die Herren von Cornwall auf die Idee kommen ihn in einem kleinen Kahn den Strömungen des Meeres zu übergeben. Dieser romantische Gedanke an das Gottesurteil mag noch irgendwie authentisch wirken, das haben sich wohl auch die Drehbuchautoren gedacht oder vielleicht bei Wagner oder einer anderen Nacherzählung abgekupfert (die kenne ich nicht), aber irgendwie stimmte das nachdenklich. Dies allein hätte mich noch nicht bewegt das Buch in Prosafassung zu lesen, doch damit sind die kreativen Geister erst in Wallung geraten. Tristan wird an Land gespühlt und von Isolde geheilt, soviel kann man auch der hervorragenden Vorlage entnehmen. Schließlich kehrt er heim, nachdem er sich in sie verliebt hat, wo die machthungrigen Barone aus Markes Gefolgschaft auf ihn lauern. Und da ist er, der doofe Tristan: ihm kommt der geniale Gedanke einfach seinen Onkel mit seiner geliebten Isolde zu verheiraten und selbst nach Irland zu gehen um dort als Brautwerber aufzutauchen. Ist das nicht selbstlos.......Häää?
Romantisch ist das nicht, sondern unglaublich dämlich. Dies führte schließlich zum Kauf des Buches, welches sich in diesem Punkt auch als viel geradliniger entpuppt: die Barone schlagen Isolde vor um nach Morolds Tod den Frieden zu sichern, Marke stimmt zu, da er Tristan als Thronfolger will und nicht glaubt, dass ihr Vater zustimmt und Tristan wird als Brautwerber von den Baronen vorgeschlagen, da sie ihn schnellstens loswerden möchten.
Das Buch kann ich nur empfehlen, es ist schnell gelesen und in seiner Prosafassung (de Bruyn) auch unterhaltsam geschrieben. Wer den doofen Tristan in schicksalhafter Mission erblicken will, dem kann man zu diesem Film nur raten.
Fazit: Film schlecht, Buch gut. Gottfried von Straßburg muss es nicht sein, de Bruyn hat die Geschichte den Lesegewohnheiten unserer Zeit angepasst.