Buch der 1000 Bücher
Copyright: Aus
Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Tristan
EZ um 1210 OA 1821 DE 1844Form Reimpaarepos Epoche Mittelalter
Gottfried von Straßburgs 19 000 Verse umfassendes, aus unbekannten Gründen unvollendet gebliebenes Epos gilt als ein Höhepunkt der deutschen höfischen Literatur des Mittelalters.
Entstehung: Der Stoff des Tristan entstand wahrscheinlich zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert bei der keltischen Urbevölkerung Schottlands und gelangte von dort in die Bre-tagne. Eine hypothetische französische »Urfassung« wird für die Mitte des 12. Jahrhunderts angenommen. Anhand von erhaltenen Texten ist der Stoff in Frankreich nach der Jahrhundertmitte nachweisbar; eine erste deutsche Fassung stammt von Eilhart von Oberg. Gottfried stützt sich nach eigener Aussage auf die französische Bearbeitung des Thomas d'Angleterre. Im Mittelalter wurde das Verhalten der Ehebrecher Tristan und Isolde entsprechend der offiziellen Moral oft negativ bewertet; Gottfried dagegen feiert diese Liebe und konstruiert damit sozusagen einen Bereich eigenen Rechts.
Inhalt: Der früh verwaiste Tristan wird mit 14 Jahren nach England entführt. Seine höfische Art bringt ihn in Kontakt zu König Marke, der ihn, als er erkennt, dass Tristan der Sohn seiner Schwester ist, zum Erben seiner Herrschaft machen will. In einem Kampf gegen Morolt, der für den irischen König Tribut eintreiben will, siegt Tristan, wird aber schwer verwundet. Da die irische Königin, Morolts Schwester, für ihre Heilkünste berühmt ist, macht Tristan sich verkleidet nach Irland auf. Seine musikalischen Künste verschaffen ihm Zugang zum Königshof; die Königin heilt ihn und er gibt der Königstochter Isolde Musikunterricht. Nach England zurückgekehrt, übernimmt er den Auftrag, für Marke um Isolde zu werben. Erneut inkognito befreit er Irland von einem Drachen und erhält zum Dank Isolde zugesprochen; er bleibt jedoch seinem Auftrag treu und man gibt ihm Isolde für Marke mit. Auf der Überfahrt nach England nehmen Tristan und Isolde aus Versehen einen Liebestrank zu sich, der eigentlich für das künftige Ehepaar bestimmt war, aber auch bei den beiden seine Wirkung tut. Isoldes Dienerin muss in der Hochzeitsnacht deren Rolle übernehmen, um Marke über den Verlust von Isoldes Jungfernschaft zu täuschen. In der Folgezeit gelingt es Tristan und Isolde, unbeobachtete Treffen zu arrangieren, auch dann noch, als Marke und der Hof schon misstrauisch geworden sind. Marke sucht schließlich Gewissheit, indem er Isolde einem Gottesurteil unterwirft, das diese aber dank eines geschickten Schwurs unbeschadet übersteht. Schließlich werden sie und Tristan vom Hof verbannt. In der aus heidnischer Zeit stammenden »Minnegrotte« führen Sie ein glückliches Leben und verbringen ihre Zeit mit Liebe, Gesprächen und Musizieren. Ein Jäger entdeckt sie und führt Marke zu der Grotte; Tristan, der Marke bemerkt, legt ein Schwert zwischen sich und Isolde als betrügerisches Symbol dafür, dass er Distanz zu Isolde hält. Marke, erneut getäuscht, lässt die beiden wieder an den Hof zurückkehren. Eines Tages überrascht er sie aber eng umschlungen auf einem Bett schlafend. Tristan flieht in das Herzogtum Arundel und verliebt sich in die Herzogstochter, die ebenfalls Isolde heißt. Mit einer Darstellung von Tristans Schwanken zwischen Treue und neuer Liebe endet Gottfrieds Text.
Zwei Fortsetzungen des 13. Jahrhunderts präsentieren einen anderen Ausgang: In der einen Fassung sterben Tristan und Isolde, in der zweiten führen sie ein Leben in Trennung.
Wirkung: Von Gottfrieds Tristan sind heute noch elf vollständige und 16 fragmentarische Handschriften erhalten, was als Indikator für eine recht breite Rezeption gilt. Ohne Zweifel beeindruckt haben sich die Zeitgenossen und Nachfahren von Gottfrieds Stil und Sprachkunst gezeigt. Konrad von Würzburg ( 1287) und Rudolf von Ems ( vor 1254) nennen ihn explizit als ihr Vorbild und beide sind bemüht, seinen Stil nachzuahmen; Konrad von Würzburg (zw. 1220 und 12301287) bezieht aus der Unbedingtheit der Tristan-Liebe den Maßstab für die ideale Minne, die er selbst in seiner Verserzählung Das Herzmäre feiert. Gottfrieds Name blieb das ganze Mittelalter hindurch bekannt, aber der Tristan erfuhr insgesamt ein zwischen moralischer Verdammung und sprachästhetischer Anerkennung gespaltenes Urteil. Seit der Wiederentdeckung des Originaltexts im 18. Jahrhundert haben sich Autoren um Neugestaltungen und Nachdichtungen in Vers und Prosa bemüht. Ein eigenes Kapitel der Rezeption stellt die Oper Tristan und Isolde (UA 1865) von Richard Wagner (181383) dar. R. B.
Kurzbeschreibung
Der früh verwaiste Tristan wird mit 14 Jahren nach England entführt. Seine höfische Art bringt ihn in Kontakt zu König Marke, der ihn, als er erkennt, dass Tristan der Sohn seiner Schwester ist, zum Erben seiner Herrschaft machen will. In einem Kampf gegen Morolt, der für den irischen König Tribut eintreiben will, siegt Tristan, wird aber schwer verwundet. Da die irische Königin, Morolts Schwester, für ihre Heilkünste berühmt ist, macht Tristan sich verkleidet nach Irland auf. Seine musikalischen Künste verschaffen ihm Zugang zum Königshof; die Königin heilt ihn und er gibt der Königstochter Isolde Musikunterricht. Nach England zurückgekehrt, übernimmt er den Auftrag, für Marke um Isolde zu werben. Erneut inkognito befreit er Irland von einem Drachen und erhält zum Dank Isolde zugesprochen; er bleibt jedoch seinem Auftrag treu und man gibt ihm Isolde für Marke mit. Auf der Überfahrt nach England nehmen Tristan und Isolde aus Versehen einen Liebestrank zu sich, der eigentlich für das künftige Ehepaar bestimmt war, aber auch bei den beiden seine Wirkung tut. Isoldes Dienerin muss in der Hochzeitsnacht deren Rolle übernehmen, um Marke über den Verlust von Isoldes Jungfernschaft zu täuschen. In der Folgezeit gelingt es Tristan und Isolde, unbeobachtete Treffen zu arrangieren, auch dann noch, als Marke und der Hof schon misstrauisch geworden sind. Marke sucht schliesslich Gewissheit, indem er Isolde einem Gottesurteil unterwirft, das diese aber dank eines geschickten Schwurs unbeschadet übersteht. Schliesslich werden sie und Tristan vom Hof verbannt. In der aus heidnischer Zeit stammenden >>Minnegrotte<< führen Sie ein glückliches Leben und verbringen ihre Zeit mit Liebe, Gesprächen und Musizieren. Ein Jäger entdeckt sie und führt Marke zu der Grotte; Tristan, der Marke bemerkt, legt ein Schwert zwischen sich und Isolde als betrügerisches Symbol dafür, dass er Distanz zu Isolde hält. Marke, erneut getäuscht, lässt die beiden wieder an den Hof zurückkehren. Eines Tages überrascht er sie aber eng umschlungen auf einem Bett schlafend. Tristan flieht in das Herzogtum Arundel und verliebt sich in die Herzogstochter, die ebenfalls Isolde heisst. Mit einer Darstellung von Tristans Schwanken zwischen Treue und neuer Liebe endet Gottfrieds Text. Zwei Fortsetzungen des 13. Jahrhunderts präsentieren einen anderen Ausgang: In der einen Fassung sterben Tristan und Isolde, in der zweiten führen sie ein Leben in Trennung.