Ich bin hin- und hergerissen.
Tatsächlich befinde ich mich irgendwo in der Mitte zwischen Bewunderung für ein Buch, dass in aller epischen Breite völlig verschiedene Geschichten erzählt, deren Gemeinsamkeit zunächst nur die Insel Tristan da Cunha ist, und völligem Unverständnis den positiven und begeisterten Kritiken gegenüber.
Aber der Reihe nach:
In insgesamt 4 Handlungssträngen, deren erster eine Art Rahmenhandlung darstellt (Noomi Moorholt eine Wissenschaftlerin in der Antarktis findet eine Kiste mit Büchern und Aufzeichnungen, deren drei den Rest des Buches darstellen), erzählt der Autor in epischer Breite zum Einen die Geschichte der Insel selbst, zum Anderen schildert er die Lebensgeschichten von Menschen, deren Leben eng mit der Insel verknüpft ist.
Allen Geschichten gemein ist die Suche nach Liebe, die vor dem Bild der fernen und einsamen Insel als eine tiefe Sehnsucht geschildert wird. Da ist zum Einen Christian Reval, ein Landvermesser, den mit Tristan eine alte, tiefempfundene Liebe verbindet, die ihm zum Verhängnis wir, wir begegnen Edwin Heron Dodgson, der sich als Priester auf der Insel in eine tragische Liebschaft verstrickt sowie letztendlich Mark Thompson, der anhand seiner Briefmarkensammlung, die Geschichte der Insel wie auch seiner gescheiterten Liebesbeziehung schildert. Eingerahmt werden diese Geschichten durch Noomis Aufenthalt in der Antarktis, die ihrerseits Mailkontakt zu dem Brasilianer Rui aufnimmt, der gerade ein Buch über Tristan schreibt.
Das bestimmende Thema von (unerfüllter) Sehnsucht, Einsamkeit, Liebe, die hierfür verwendeten Anspielungen auf das Tristan-und-Isolde Thema (so können alle Hauptcharaktere in diesen Kontext passen) ist ein sehr interessantes und ist es durchaus wert ein dickes Buch zu schreiben und zu lesen. Dies dann alles noch vor dem Hintergrund einer der entlegensten Plätze dieser Erde, gespickt mit Informationen zu Geschichte und allen möglichen Wissensgebieten, und dann noch aus den verschiedenen Blickwinkeln der Hauptpersonen sollte eigentlich 5 Punkte wert sein.
Sollte: und genau da liegt für mich der Haken: es hat mich einfach nicht mitgerissen!
Ich habe die ganze Zeit auf den Moment gewartet, mit dem die Lust aufs weiterlesen richtig aufkommt, dass man in die Geschichte(n) hineingezogen wird, dass man betroffen ist ob der Schroffheit der Insel, der Liebe, der Einsamkeit, die doch gleichzeiteig auch so schön und bittersüß sein können.
Leider habe ich bis zum Ende warten müssen, leider vergebens. Irgendwie erscheint mir persönlich der Roman als literarisch zu überfrachtet, so dass die Geschichte auf der Strecke bleibt, die Story fließt nicht sondern wabert nur an einem vorüber, wie der Nebel der immer wieder über die Insel zieht. Das erzeugt zwar einerseits eine tolle Stimmung von Tristesse und Einsamkeit, macht aber das lesen und mitgehen sehr schwierig.
Deswegen nur 2,5 Punkte, ein Mittelwert aus 5 Sternen für die tolle Idee und den Reichtum an Wissen, der in diesem Buch steckt, und 1 Stern wegen der Umsetzung, die mir auf diese Art leider nichts gegeben hat.