Buch der 1000 Bücher
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Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Triptychon
OT Triptyche OA 1973 DE 1986Form Roman Epoche Gegenwart
Radikal und konsequent entwickelt Claude Simon als herausragender Vertreter der literarischen Bewegung des Nouveau Roman in Triptychon seinen eigenwilligen Romanstil weiter. Er verzichtet auf eine fortlaufende Handlung, auf ein zentrales Thema sowie auf Protagonisten mit Namen und Schicksalen. Drei verschiedene Szenerien, die banale Alltagsszenen beschreiben und durch eine subtile Montagetechnik überblendet werden, konstituieren den Roman. Deutlicher als in früheren Werken zeigt sich hier die künstlerische Entwicklung Simons von einem Nachfolger der Autoren William R Faulkner und Marcel R Proust zu einem radikalen Sucher neuer Formen, der die konventionelle Erzählweise hinter sich lässt.
Enstehung: Simon ließ sich zu seinem Romanprojekt durch ein Triptychon des Malers Francis Bacon (190992) anregen. Der Titel verdeutlicht den dreigeteilten Charakter des Romans, dessen Einzelteile wie bei der Gemäldeform aufeinander verweisen und so ein zusammenhängendes Ganzes bilden.
Inhalt: Wie bei einem Puzzle ist der Leser gefordert, die verschiedenen Teile des Romans selbst zusammenzusetzen. Erst allmählich kristallisieren sich drei Geschehensabläufe heraus, die in etwa 60 bis 70 verschieden lange Einzelteile aufgeteilt sind und nicht chronologisch erzählt werden. Sie spielen an verschiedenen Schauplätzen und handeln von unterschiedlichen Personen. Irgendwo auf dem Lande trifft sich ein junges Paar in einer Scheune und wird von Halbwüchsigen beim Geschlechtsverkehr beobachtet. Ein kleines Mädchen, von der Frau in der Scheune unbeaufsichtigt, ertrinkt in einem Fluss. In einer nordfranzösischen Industriestadt wird eine Hochzeit gefeiert. Der angetrunkende Bräutigam verlässt mit seinen Freunden das Fest, besucht eine Kneipe und bändelt mit der Kellnerin an, in der er eine frühere Freundin erkennt. Er wird von einem Rivalen zusammengeschlagen und findet schließlich zurück in das Hotelzimmer, wo die Braut bereits auf ihn wartet. In einem Luxushotel an der Côte dAzur gibt sich eine Frau einem Geschäftsmann hin und erwartet als Gegenleistung, dass er sich für ihren Sohn verwendet, der offensichtlich wegen Drogengeschäften in Schwierigkeiten geraten ist.
Alle drei Bilder, die sowohl nebeneinander stehen, als auch kunstvoll in- und übereinander geblendet werden, münden in die Beschreibung des Koitus. Keine der Personen trägt einen Namen, über die Art der Beziehungen kann der Leser nur Mutmaßungen anstellen. Die minutiösen Beschreibungen verschiedener Szenen und Gegenstände wirken wie Nahaufnahmen eines Films. Perspektiven und Stimmungen verdrängen die Aktion. Nicht die Geschehnisse stehen im Vordergrund, sondern die Form, die Beziehungen der Wörter und Wendungen über die drei Szenerien hinweg. Teile des Geschehens wiederholen sich zudem auf Abbildungen und Zweitbildern, einem Zirkusplakat, einem Kupferstich, einem Film, einer Ansichtskarte, einer Fotografie, einem Kinoplakat. Die am Anfang des Romans beschriebene ländliche Szenerie stellt sich schließlich als ein Puzzle heraus, das gerade fertig gestellt von einer Filmfigur am Ende des Romans vom Tisch gefegt wird.
Die Sehweise und Darstellungstechnik von Simon erinnern stark an die Malerei, der er stets nahe stand. Seine Bücher solle man so der Autor wie ein abstraktes Gemälde auf sich wirken lassen. Sie wollen nichts belegen, sondern die Welt im Schreiben erschaffen.
Wirkung: Die Schwedische Akademie würdigte diese Beschreibung der conditio humana unserer Zeit, als sie dem Romancier 1985 den Nobelpreis verlieh. Sein Werk, das als schwer zugänglich gilt, wurde von der Kritik durchweg enthusiastisch gelobt. Erst nach der Verleihung des Nobelpreises wurden Simons z. T. vergriffene Bücher neu aufgelegt und in viele Sprachen übersetzt. S. Na.
Kurzbeschreibung
Wie bei einem Puzzle ist der Leser gefordert, die verschiedenen Teile desRomans selbst zusammenzusetzen. Erst allmählich kristallisieren sich drei Geschehensabläufe heraus, die in etwa 60 bis 70 verschieden lange Einzelteile aufgeteilt sind und nicht chronologisch erzählt werden. Sie spielen an verschiedenen Schauplätzen und handeln von unterschiedlichen Personen. Irgendwo auf dem Lande trifft sich ein junges Paar in einer Scheune und wird von Halbwüchsigen beim Geschlechtsverkehr beobachtet. Ein kleines Mädchen, von der Frau in der Scheune unbeaufsichtigt, ertrinkt in einem Fluss. In einer nordfranzösischen Industriestadt wird eine Hochzeit gefeiert. Der angetrunkende Bräutigam verlässt mit seinen Freunden das Fest, besucht eine Kneipe und bändelt mit der Kellnerin an, in der er eine frühere Freundin erkennt. Er wird von einem Rivalen zusammengeschlagen und findet schliesslich zurück in das Hotelzimmer, wo die Braut bereits auf ihn wartet. In einem Luxushotel an der Côte d'Azur gibt sich eine Frau einem Geschäftsmann hin und erwartet als Gegenleistung, dass er sich für ihren Sohn verwendet, der offensichtlich wegen Drogengeschäften in Schwierigkeiten geraten ist. Alle drei Bilder, die sowohl nebeneinander stehen, als auch kunstvoll in- und übereinander geblendet werden, münden in die Beschreibung des Koitus. Keine der Personen trägt einen Namen, über die Art der Beziehungen kann der Leser nur Mutmassungen anstellen. Die minutiösen Beschreibungen verschiedener Szenen und Gegenstände wirken wie Nahaufnahmen eines Films. Perspektiven und Stimmungen verdrängen die Aktion. Nicht die Geschehnisse stehen im Vordergrund, sondern die Form, die Beziehungen der Wörter und Wendungen über die drei Szenerien hinweg. Teile des Geschehens wiederholen sich zudem auf Abbildungen und Zweitbildern, einem Zirkusplakat, einem Kupferstich, einem Film, einer Ansichtskarte, einer Fotografie, einem Kinoplakat. Die am Anfang des Romans beschriebene ländliche Szenerie stellt sich schliesslich als ein Puzzle heraus, das - gerade fertig gestellt - von einer Filmfigur am Ende des Romans vom Tisch gefegt wird. Die Sehweise und Darstellungstechnik von Simon erinnern stark an die Malerei, der er stets nahe stand. Seine Bücher solle man - so der Autor - wie ein abstraktes Gemälde auf sich wirken lassen. Sie wollen nichts belegen, sondern die Welt im Schreiben erschaffen.