Mstislav Rostropowitsch beschrieb die hier zu hörende Aufnahme von Beethovens Tripelkonzert aus dem Jahr 1969 in seinen Memoiren mit folgendem Bonmot:
"Ich habe versucht, Beethoven zu spielen. David (Oistrach) hat geglaubt, er spielt Beethoven. Svjatoslav (Richter) spielte wie immer nur sich selbst und Karajan glaubte, er ist Beethoven."
Eine schöne Annekdote mit einem wahren Kern: So feierlich, so voll und weich im Klang wie von diesen vier Superstars der klassischen Musik und den süffig spielenden Berliner Philharmonikern habe ich Beethovens Version der klassischen sinfonia concertante nie gehört. Das macht natürlich Spaß, insbesonders wenn sich ein Virtuose wie Richter an dem relativ leichten Klavierpart ababeitet, der für den Widmungsträger, Beethovens damals 16-jährigen Klavierschüler Erzherzog Rudolf von Österreich komponiert war.
Ich vermisse allerdings etwas die Verspieltheit des relativ frühen Beethoven, die rhythmische Stringenz, auch die Aggressivität. Tatsächlich hat dieses großbögige Musizieren teilweise mehr von Tschaikowski als von Wiener Klassik.
Im gleichen Jahr entstand - ebenfalls mit Oistrach und Rostropowitsch, begleitet diesmal vom Cleveland Orchestra unter George Szell - auch die Aufnahme des Brahms-Doppelkonzerts op. 102. Das ziemlich schroffe Spätwerks hatte Brahms als Versöhnungsgeste für seinen langjährigen Freund, den großen Geiger Joseph Joachim komponiert. Es lebt deshalb vor allem vom Zwiegespräch zwischen den Soloinstrumenten, wobei sich Brahms selbst als Cello charakterisiert hatte.
Die Aufnahme ist im Verhältnis der Soloinstrumente etwas unausgewogen - das Cello dominiert sehr - und Oistrach spielt nicht mehr mit der Leichtigkeit, Eleganz und Intonationssicherheit seiner früheren Aufnahme mit Pierre Fournier (1956). Das fällt besonders im recht langsam gespielten dritten Satz auf, der auch mit zuviel Bedeutungsschwere aufgeladen ist.
Wem es vor allem um das Brahms-Konzert geht, sollte deshalb lieber zu der sehr schönen, von Alceo Galliera geleiteten
älteren Aufnahme mit Oistrach und Fournier greifen.