Interesselosigkeit an den Bildungsinhalten der gewöhnlichen Bildungsinstanz Schule und die Lust an den Düften und Geschmäcken einer üppigen Landküche bestimmen Denken und Lust des kleinen Nikolaus Pirment, der zur Zeit des 30jährigen Krieges in einer ärmlichen Familie groß wird. Schon mit jungen 5 Lebensjahren soll er in einer Klosterschule auf das Leben vorbereitet werden. Doch weniger das trockene Büffeln ebensolcher Lehrinhalte, sondern die durchs Klostergemäuer ziehenden Küchendüfte reizen den Buben.
Der offensichtlich begnadete Koch lernt schnell, sich dem gewöhnlichen Unterricht zu entziehen und seine Kenntnisse in der Kunst des Kochens zu mehren. Trickreich wird ihm allerdings doch noch das Lesen, Schreiben und Rechnen schmackhaft gemacht und so die idealen Grundlagen für einen Meisterkoch gelegt.
Doch bis er sich als solcher in einem grandiosen finalen Speise- und Genussfest unsterblich machen kann, muss er einen bei allen bauch-, herz- und kopfbezogener Sinnesfreuden durchzogenen doch auch beschwerlichen Weg beschreiten. Neid, Missgunst und Intrigen verderben ihm so manche Koch- und Lebenslust. Die Wirrnisse de Krieges tun ihr Übriges, das Leben des aufstrebenden, visionären Meisterkochs zu verdüstern.
Die Autorin erzählt in begeisternder Leichtigkeit und Detailfreude, die für eine vergnügliche Unterhaltung sorgt. Oft möchte man wenigstens als Küchengehilfe dabei sein, die Düfte und optischen Finessen, insbesondere aber den Geschmack
der Gerichte selbst genießen. Die Beschreibung der Zutaten und Zubereitungsart kommt bisweilen einem konkreten Rezept so nahe, dass es durchaus nachkochbar wäre.
Gruselig und etwas abstoßend machen einem dann die Beschreibung der Gelage und den vorherrschenden hygienischen Zuständen sowie mittelalterlich wohl üblichen, aber kaum mehr als zivilisiert nachzuvollziehenden Verhaltensgebräuche und Sitten einen ziemlichen Strich durch die leckere Rechnung. Da kann einem schon mal der Appetit vergehen, so wie es ja auch Nikolaus, den sensiblen Kochkünstler vor mancherlei Benehmen seiner Zeitgenossen ekelt.
Alles erscheint so direkt und nah, als wäre es erst vor einigen Tagen und man selbst dabei gewesen. Die historischen Fakten sind zwar in literarischer Freiheit zurechtgebogen, doch das könnte lediglich Historiker oder Faktenreiter stören. Für den Roman passt alles zusammen und einige geschichtliche Wahrheiten tauchen so treffend als Bestandteil des lukullischen Romans auf, dass auch der Rest glaubhaft erscheint.
Es ist schon eine wahre Freude, einerseits die spannende Geschichte der Erlebnisse des jungen Mannes im Wettstreit mit seinen zeitgenössischen Neidern zu erlesen und zudem noch einen Einblick in die Küchen des Mittelalters zu erhalten.
Nicht bei allen, aber doch bei vielen der üppigen Gerichte am Fürsten- oder Königshof läuft einem das Wasser im Mund zusammen, obwohl man sich schon nach einigen Zeilen der Menüfolgen dennoch verschämt an den Bauch fast und mindestens einmal schwer durchatmet. Das erleichtert und man kann sich froh im Lesesessel zurücklehnen, wohl wissend, dass es eben nur eine frei erfundene Geschichte ist. © 9/2005, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.