Ein Stadtrundgang durch Trier ist zugleich ein Reise in eine zweitausend Jahre zurückliegende Epoche. Mit Stolz wird man von den Einwohnern der Stadt darauf hingewiesen, dass der geschichtsträchtige Boden zur ältesten Stadt Deutschlands gehört. Keine andere Stadt nördlich der Alpen kann zugleich auf eine solche Fülle an römischen Bauten und Denkmälern blicken wie jener Ort im Dreiländereck zwischen Deutschland, Luxemburg und Frankreich.
Als Augusta Treverorum - Hauptstadt des Stammes der Treverer - wurde Trier 16 v. Chr. durch Kaiser Augustus gegründet. Schnell wächst die junge Stadt heran. Unter dem Einfluss der römischen Beamten hält die südländische Kultur und Zivilisation Einzug. Trier wird Hauptstadt der neu gegründeten Provinz Belgica prima („belgisches Rom") und von Kaiser Diokletian zur römischen Kaiserresidenz erkoren in der sechs römische Kaiser regierten. Damit zählt Trier neben Rom, Byzanz und Alexandria zu den vier Weltstädten. Von der Fülle und der Pracht der öffentlichen und privaten Gebäude, die den ersten vier Jahrhunderten entstehen, künden die steinernen Zeugen der Porta Nigra, der Aula palatina (genannt Basilika), der Thermen und des Amphitheaters. Im 4. Jahrhundert erlebten die 80.000 Einwohner von Treveris die höchste Blütezeit der Stadt. Die Völkerwanderung brachte dann Belagerung und mehrfache Zerstörung der Stadt durch Vandalen, Sueben und Franken.
Doch Trier ist auch ein religiöses Zentrum mit dem ältesten Bischofsitz Deutschlands. Die Schatzkammer der Domes beherbergt mit dem heiligen Rock des Erlösers und einem Nagel seines Kreuzes unschätzbare Reliquien. Weiterhin sollen der Erzählung nach in die Benediktinerabtei St. Matthias die Gebeine des gleichnamigen Apostels beigesetzt sein.
Wie aber leben die Trierer heute - an der Schwelle zum dritten Jahrtausend - inmitten dieser geschichtsträchtigen Kulisse? Vielleicht ist es die einzigartige Mischung aus römischer Tradition plus französischem savoir vivre auf deutschem Boden, die den besonderen Trierer Charme ausmacht.