Ein Horrorfilm, der Halloween zum Thema hat? Das hab ich ja noch nie gehört, das ist ja etwas völlig Neues...nicht. Neben Zombie- und Vampirfilmen dürfte der 31. Oktober wohl das Thema schlechthin sein, wenn man den Zuschauer in Angst und Schrecken versetzen will. Somit kann Regisseur Michael Dougherty, der hier mit "Trick 'R Treat" sein Debüt abliefert, bei der Themenauswahl keine Kreativität bescheinigt werden. Aber der Schein trügt, denn Dougherty hat dem Genre zwar keine wirklich neuen Ideen hinzuzufügen, setzt aber die bekannten Versatzstücke so gekonnt ein, dass ihm ein überaus spannender und stellenweise richtig witziger Slasher gelungen ist.
Für einen Neuling konnte Dougherty einen solide agierenden und recht bekannten Cast auf sein Set lotsen, geben sich hier doch unter anderem Dylan Baker ("Happiness"), Anna Paquin ("X-Men"), Leslie Bibb ("Iron Man"), Lauren Lee Smith ("Pathology") und Britt McKilip ("Dead like me") ein Stelldichein. Auch das Set an sich ist perfekt ausgestattet und inszeniert, dass hier ein für einen Horrorfilm großzügiges Budget zur Verfügung stand, sieht man fast in jeder Szene. Perfekt illuminiert, von den duzenden Kürbisköpfen bis hin zu den gruseligen Außen-Sets ist Dougherty hier eine gespenstische Atmosphäre gelungen. Das Thema der Story ist wie gesagt nicht neu, aber Dougherty, der auch das Script verfasst hat, verknüpft hier äußerst kurzweilig eine bunte Halloween-Anthologie, die sich aus insgesamt fünf nach und nach überlappenden Handlungssträngen zusammensetzt.
Zuerst wären da Emma und Henry, die von einer Party nach Hause kommen. Emma ist schwer genervt von Halloween, was sie dazu veranlasst, die Kerze in dem im Garten aufgestellten Kürbis auszupusten und somit für sich das Ende dieses blöden Tages einzuläuten. Dieses folgt für sie dann auch auf dem Fuße, denn man bläst die Kerzen im Kürbis nicht vor Mitternacht aus...böser Fehler. Ein paar Häuser weiter ist Grundschuldirektor Steven damit beschäftigt, die Früchte seiner Arbeit einzufahren. Die darin bestand, die Süßigkeiten für die Kinder zu vergiften und die wild kotzenden Opfer erst in seinen Keller und dann in ein Grab in seinem Garten zu verfrachten. Das kann er so grade noch vor seinem Nachbarn Mr. Kreeg geheim halten, da der eigenbrötlerische und schwer asthmatische Kauz nur darauf bedacht ist, seinen Hund wieder ins Haus zu verfrachten und nicht darauf, mal etwas genauer über den Gartenzaun zu linsen. Auch Mr. Kreeg wird in dieser Nacht noch erfahren, was der Geist von Halloween für ihn bereithält. Ein paar Gärten weiter klauen ein paar Kids einige Kürbisse und machen sich damit auf den Weg an einen trockengelegten See, wo vor 30 Jahren ein schreckliches Unglück geschah. Ein Haufen Eltern behinderter Jugendlicher wollte sich ihrer missgebildeten Brut entledigen, indem sie den Busfahrer bezahlten, damit er ihre Kinder samt Bus im See versenkt. Was passiert, wenn man die Toten zu wecken versucht, müssen die rotznasigen Teens nur allzu bald erfahren. Und zu guter Letzt sind ein paar hübsche junge Damen in town, um sich noch ein paar Dates für ihre heiße Party im Wald zu organisieren. Just an diesem Abend soll eine von ihnen, die schüchterne Laurie, nun auch endlich ihre Unschuld verlieren, allerdings geht es dabei nur sehr bedingt um sexuelle Unschuld.
Aus diesen verschiedenen Handlungssträngen, die zudem noch zeitlich versetzt stattfinden, hat Dougherty einen bunten Reigen aus altem Aberglauben, neuzeitlicher Halloween-Zelebration und blutigem Grusler geschaffen. Der Film ist schräg, witzig, spannend und kurzweilig und hebt sich somit angenehm von der Masse x-beliebiger Slasherfilme ab, die zuhauf den Kino- und DVD-Markt überschwemmen. Und der kleine mordende Kürbiskopf im orangefarbenen Strampler, der die Handlungsstränge so lose wie blutig miteinander verbindet, wäre wirklich putzig, wenn seine Anwesenheit nicht so todbringend wäre. Sicher, Tiefsinniges oder Innovatives darf man von "Trick 'R Treat" nicht erwarten, aber Ersteres kommt in diesem Genre eh nicht vor und Zweiteres ist ebenfalls kaum noch machbar. Also sollte man der Fähigkeit, die Dougherty hier an den Tag legt, aus einem altbekannten Thema noch soviel rauszuholen, dass ein kurzweiliger und spannender 87Minüter entsteht, einfach Respekt zollen und sich prächtig amüsieren und gruseln. Denn genau darum geht's doch an Halloween, oder? Eben. Somit also knallorange vier von fünf Kürbisköpfen, die ihr Licht auch auf das werfen, was lieber im Dunkeln geblieben wäre.