Wer wissen will, wie Jazz heute klingen kann, ja, sollte (jenseits von dämlichen Elektronikspielereinen a la "re: ecm"), der kann sich voll und ganz dieser "Sippe" (Tribe) anvertrauen. Der 1939 in Triest geborene Trompeter und Flügelhornspieler legt hier eine rundum geglückte, stimulierende, inspirierende, ja, auch: glücklich machende Produktion vor. Und zwar im Quintett mit Gianluca Petrella: Posaune, Giovanni Guidi: Klavier, Gabriele Evangelista: Kontrabass und Fabrizio Sferra: Schlagzeug sowie als Gast Giacomo Ancillotto an der Gitarre. Meister ihres Instruments sind sie alle - herausragend neben Rava selbst sind vor allem der quasi als Co-Leader aufspielende Gianluca Petrella an der Posaune und der Pianist Giovanni Guidi (Jahrgang 1985 - eine echte Entdeckung!). Das beginnt erst einmal etwas elegisch, verhalten, als müsse das Feld erst bereitet werden für das, was kommen mag. Und: Da kommt noch eine ganze Menge! Sämtliche Stücke wirken einesteils wie aufs i-Tüpfelchen auskomponiert, und zugleich doch so "leicht" und frei wie eine spontane Improvisation - allerdings eine, bei der alle Beteiligten in Höchstform kommunizierend genau im selben Moment die genau richtigen Einfälle haben. Da möchte man doch, dieses Quintett im Ohr, weit hinausfahren in die Nacht, irgendwo auf einer Waldlichtung stehen bleiben, dem Mond beim Wandern zusehen und mit der rotierenden CD im Player auf den Morgentau warten. Oder so. Man kann aber auch ganz gemütlich zu Hause bleiben, ein Gläschen Wein oder zwei, kein Fernseher, kein Internet, kein i-Phone - nur Ravas Mannen im unermüdlichen Einsatz. UND man kann natürlich die Band auf einem Konzert erleben, was sowieso das beste wäre, weil man dann dieser stets spannenden, stets hochkonzentriert gebannten Musik im Entstehen zusehen könnte. Aber bis das Rava-Quintett das nächste Mal in der Stadt ist, tut es auch diese CD: ein Meisterwerk!