Der Doctor wird 70, und zum 50jährigen Karrierejubiläum bereitet er den Langzeit-Fans ein Festmahl, das keine Wünsche offen lassen sollte. Ob er nun Voodoo Beschwörungstänze im Titeltrack im Hintergrund laufen lässt, latin-jazzig swingt wie in ,Only In America', funkig durch den Meter-Schlamm stapft wie in ,Jinky Jinx' oder ,Scroungin' oder sich dem typischen Honky-Tonk Blues hingibt wie in ,Potnah', Malcolm 'Mac' John Rebennack steht für den Sound von New Orleans wie der Stephansdom für Wien.
Im Grunde könnte dieses Album auch aus den Mitt-70ern sein, denn er setzt genau dort fort, wo er für lange Zeit nach ,Desitively Boonaroo' aufgehört hatte. Die Night Tripper Fans werden sich freuen, dass auf diesem Album auch immer wieder psychedelische Anklänge Platz haben, wenn auch nicht so ausgeprägt und mit so langen jams versehen wie Ende der 60er. ,Music Game' ist so ein Stück, das einerseits sehr gut auf ,Gris Gris' gepasst hätte, andererseits sich wohl auch in Van Morrisons ,Astral Weeks' oder ,Moondance' Alben perfekt eingefügt hätte (schönes Sax von Donald Harrison übrigens). Dass er in ,Manoovahs' gar mit einem Keith Richards-artigen Riff aufhorchen lässt (freilich zu einem hängenden Blues-Rhythmus), überrascht dann aber doch noch ein wenig, denn so erdig klang John nur selten. Die Hammond wabert dazu, slide-fill ins durchbrechen immer wieder mal den lässigen aber zwingenden groove (ist das ein Cameo-act von Ry Cooder?) und irgendwann denkt man dann automatisch an ,Memo From Turner', Mick Jaggers erstem Solo-song vom Soundtrack zu ,Performance'. Ja und das er immer noch Hits schreiben könnte, beweist er mit dem ungeheuer charmanten und leicht poppigen ,Change Of Heart'.
Aber im Grunde ist das natürlich keine ,Meters-AllenToussaint-Professor Longhair-Tom Waits-Van Morrison-Mose Allison, 70erJahre-Stones Scheibe' sondern eine verdammt gute und prototypische Dr. John Scheibe. Die Band ist musikalisch über jeden Zweifel erhaben und es macht Spaß eine Platte zu hören, die alle Tugenden die dieser Mann in seiner Musik vereinte hier nochmal so unterhaltsam zu Schau stellt.
Produktionstechnisch ist das sehr sauber und man verzichtete völlig auf synthies oder Elektronik - wozu auch? Johns klassischer Sound der 70er Jahre passt zu diesen songs halt immer noch am Besten.
Und so wünscht man ihm alles Gute zu den beiden Anlässen und labt sich an der großen, in 16 Stücken aufgeteilten und extrem leckeren Geburtstagstorte die er einem da serviert. Fünf Sterne für sein vielleicht bestes Album der letzten 20 Jahre.