"Die Raffinesse, mit der Caroline Graham ihre Figuren entwirft, erinnert an Ruth Rendell und P.D. James", wird Publishers Weekly auf dem Klappentext der Rückseite zitiert. Selbst wenn es so wäre: Rendell hätte zwei Morde, drei Verdächtige, vier Motive und fünf heiße Spuren in der Zeit entworfen, die Graham braucht, um die Blumenrabatten, den Teekuchen oder die Kittelschürze eine ihrer Personen zu beschreiben.
Die Inhaltsangabe der Geschichte verspricht eigentlich traditionell englische Krimi-Unterhaltung: Die bildhübsche, wenn auch unbedarfte Simone Hollinhsworth verschwindet. Ihr Mann Alan, innerhalb weniger Tage in Alkohol und Schmutz versackt, wird tot aufgefunden. Zur gleichen Zeit verschwindet auch Nachbarin Brenda, eine überkorrekte, unattraktive Frau, die in Alan sehr verliebt ist. Inspektor Barnaby und Sergeant Troy machen sich auf in die Provinz um Licht ins Dunkle zu bringen.
Natürlich tummeln sich dort einige bemerkenswerte Personen: Die schrullige alte Dame mit dem Gedächtnis eines Elefanten, die patente, immer hilfsbereite Arztfrau, eine Künstlerin samt ihrem Verehrer, einem finanziell abgebrannten Computerspezialisten, das sittenstrenge Ehepaar, dessen Tage minuziös einer wie der andere vergehen, und nicht zuletzt Dorfpolizist Perrot, dessen Eigeninitiative vor lauter Angst, etwas falsch zu machen, brach liegt. Solche Charaktere sorgen natürlich auch für Witz und Komik.
Aber was mich an dem Buch am meisten stört - und dagegen helfen keine originellen Personen und keine nette Geschichte: Keine Geste ist zu lächerlich, kein Gedanke zu unbedeutend, kein Mienenspiel zu gering um nicht beschrieben zu werden. Dialoge quälen sich seitenweise dahin, und man kann getrost lange Abschnitte überfliegen und verpasst nichts. Es ist ein elend langatmiges Vorwärtskommen, und am Schluss ist man weniger überrascht, sondern erleichtert, dass es Barnaby endlich endlich geschafft hat, den Fall zu lösen.