Als ich vor dem Regal stand und die CD in der Hand wog, war ich auch am abschätzen was ich bisher drüber gehört hatte. Die „Tres Lunas" ist das bisher letzte Album von Oldfield gewesen, und wurde recht häufig in der Sparte Chillout, bisweilen sogar Trance eingeordnet. Das hat den Musikgeschmack vieler originalen Oldfield-Fans nicht gerade getroffen zu haben, da sie immer eher an rockigerem oder eher beweglicherer Musik gewöhnt gewesen waren.
Und in der Tat hat die „Tres Lunas" mit ihren 14 Songs durchaus ruhige Atmosphären geschaffen. Auf den allermeisten Tracks wird nicht gesungen, es gibt sehr langsame ruhige Takte und es wird die Vision des Wegfliegens vermittelt. Es war mir ein leichtes beim Hören der CD wegzukippen und einzunicken.
Es ist meiner Meinung nach ein wenig schade, dass an auf dem Album so wenig von Oldfields Impro-Talent zu hören kann. Auf vielen anderen Alben hört man geradezu, wie er sich beim Musizieren abrackert, man denke an TB III oder die Millenium bell, aber hier in der gemächlichen Ruhe geht das doch etwas unter.
Meine persönlichen Favorits sind „To be free" (eigentlich eher die Radio Version) und Track Nr. 11 „Thou art in heaven". Besonders letzterer ermittelt eine einzigartige Atmosphäre, lange Zeit stand der Track auf 'repeat`. Auch Track 3 „Return to the origin" hat was und vermittelt eine mystische Aura.
Das Booklet ist ganz nett aufgemacht mit einem aktuellen Foto von Oldfield und vielen hübschen kleinen Bildchen von einem PC - game.
Womit wir bei dem Problem wären:
Auf der Rückseite des Albums steht hinter der Track - Auflistung klein geschrieben „Includes MusicVR - 3D Interaktive PC Game", also soviel wie „einschließlich eines interaktiven PC - Spieles". Nun muss ich zugeben dass auch da sein Grund gewesen ist, mich für das Album zu entscheiden, „Toll", dachte ich, „Songs und Spiel in einem!". Zuhause angekommen, installierte ich mir zuerst die Demo - Version und versuchte mich ein wenig dran. Es handelt sich um eine virtuelle Welt mit einzelnen Gegenständen oder Lebewesen, an denen man Aktionen ausführen kann. Von der abstrakten Idee, so eine unendlich erscheinende Welt aufzubauen passen die Songs von „Tres Lunas" ganz gut in das Konzept. Doch als ich mir dann die volle Version installieren wollte, wurde ich aufgefordert, mir aus dem Internet von Oldfields offizieller Homepage einen Schlüssel zu holen - zu kaufen via Mastercard, Visa etc.
Schade, dachte ich, hätte wirklich was besonderes werden können.
Andererseits sollte man sich im allgemeinen Alben wegen der Musik kaufen, Extras sind zwar nette Gimmicks aber sollten das Resultat nicht zu stark beeinflussen. Die Musik gehört bewertet.
Drum... ich bewerte hier mit 4 Sternen, da ich die Musik nicht schlecht finde, sie ist vielleicht gewöhnungsbedürftig und nicht das, was eingefleischte Mike Oldfield - Fans erwarten, sie ist nicht vergleichbar mit TB oder „heavens open", tendenziell sogar eher an „guitars" und vor allem „voyager". Aber das sehe ich nicht als Defizit, sondern eher als weitere Facette seiner Schaffenskraft. Und die ist durchaus beeindruckend.
Der verbleibende Stern kommt nicht, da auf dem Album Oldfields Improvisationstalent nicht so zur Geltung kommt und aufgrund der frechen Marketingfalle auf der Rückseite.
Trotzdem ein Werk was sich in der langen Reihe von Mike Oldfield Schaffensprozessen nicht verstecken muss.