Wie bedeutsam ein sorgfältiger Sprachgebrauch ist, erfährt man bei der Lektüre dieses sehr informativen Taschenbuches über die "verrücktesten Wörter im Deutschen". Dabei sind hier weniger die im Umgangssprachlichen als "verrückt" zu bezeichnenden Wörter gemeint, sondern diejenigen, die ver-rückt sind - und zwar aus der ursprünglichen Bedeutung herausgefallen.
Der Synchron-Sprecher und Professor für Linguistik und Philologie, Christoph Gutknecht, hat hier eine Menge an Beispielen zusammengetragen, wo man erstaunt sein wird, woher sihc so mancher Wortgebrauch herleitet. Zudem dürfte man überrascht sein, welche Worte und Ausdrücke ungeklärt sind.
Es handelt sich hier aber weniger um ein Bedeutugns- oder Herkunftswörterbuch. Gutknecht verknüpft vielmehr Politik und Zeitgeschichte mit den jeweiligen Ausdrücken und vermag hierbei äußerst interessante Zusammenhänge herzustellen und auf diverse Quellen zu verweisen.
In 8 Kapiteln ist sein Buch thematisch gegliedert mit jeweiligen Überschriften "Politik und Presse", "Die Gesellschaft - oben und unten", "Charaktere" oder auch "Metaphern aus der Küche".
Woher kommen zum Beispiel die Ausdrücke "Es ist allerhöchste Eisenbahn", "Ich verstehe nur Bahnhof", "Das ist ein Treppenwitz", "Das ist getürkt", "europamüde", "Hans Dampf in allen Gassen" oder "Das Ei des Kolumbus"?
Christoph Gutzeit zieht topaktuelle und antiquarische Quellen gleichermaßen für seine Recherche hinzu und verknüpft dies alles zu einem herrlich spannenden Gesamtwerk.
Einzelne Abbildungen ergänzen den in unterschiedlichen Schriftarten gedruckten Text mit zeitgemäßen Bildern.
Leider fehlt ein Auflistungsregister der einzelnen Wörter. Dies hätte das so interessante Buch noch mehr für den Alltagsgebrauch nutzbar machen können. Ansonsten wird man neben dem Quellenregister vor allem überrascht sein, welche Personen allesamt nebeneinander im Personenverzeichnis anzutreffen sind. Schriftsteller, Schlagersänger, Politiker, Philosophen, Sportler, Moderatoren und Künstler geben sich hier ihr Stelldichein und sie sind im Vergleich wirklich männlich dominiert. Wer die deutsche Sprache mit Sorgfalt benutzen möchte, wird nach der Lektüre dieses Buches weniger Sorgenfalten haben, denn hier werden bedeutsame Hintergründe in gut verständlicher Weise erörtert. Alles in allem ein gründlich recherchiertes Werk, dem viele Freundinnen und Freunde zu wünschen ist.