"Treme" spielt in New Orleans einige Monate nach dem Hurrikan Katrina. Einige der geflogehnen Bürger sind schon zurückgekehrt, andere kehren gerade zurück und versuchen, ihre Häuser und ihre Existenz wieder aufzubauen; viele hatten gar nicht weg gemusst, leider aber unter den allgemeinen Folgen der Flut (zerstörte Gegenden, lahmende Ökonomie). Die Machart ist in Ästhetik, Kamaraführung, Bildern und Sprachrythmus 'typisch' HBO. Es treten einige aus anderen Serien (v.a. "The Wire") bekannte Schauspieler auf.
Die Serie erzählt parallel mehrere Geschichten, die über den gelegentlichen Kontakt von einzelnen Figuren nur lose direkt miteinander verknüpft sind, aber durch den erzählerischen Kern des Umgangs mit den Folgen der Flut trotzdem dramaturgisch alle nahe beinander stehen:
- Ein Englischprofessor leidet sehr darunter, wie wenig die Bundesregierung der Stadt hilft, sendet seinen Zorn in das Internet hinaus und schreibt an einem Buch.
- Seine Frau, Anwältin, ist für eine Klientin auf der Suche nach einem Häftling, der während des Chaos der Evakuierung verschwunden ist.
- Die Klientin ist die Ex-Frau eines Posaunenspielers, der sich mit neuer Frau und kleinem Baby mit Engagements von Gig zu Gig durchschlagen muss.
- Ein Mitzwanziger, Typ Lebenskünstler, lebt für die Musik und das Lebensgefühl und schwingt dabei viele große Reden.
- Er hat eine lose Beziehung zu einer junge Köchin mit eigenem Restaurant, das sehr unter den wirtschaftlichen Problemen der Stadt zu leiden hat.
- Ein junges Paar aus zwei Straßenmusikanten sucht seinen musikalischen Weg und erlebt dabei Beziehungskrisen.
- Ein mittelalter Mann will sein Haus wieder aufbauen und arbeitet mit anderen gleichzeitig auf das Mitwirken seiner von indianischen Wurzeln geprägten Gruppe am jährliche New Orleaner 'Karneval' hin.
Die Serie lebt hauptsächlich von der Darstellung von Szenerie und Atmosphäre. Diese wird in typischer HBO-Manier sehr dicht, sehr präzise, reichlich Langsamkeit und mit viel Gefühl für einen tief in den Figuren und Szenen angelegten Rhythmus erzählt. Die Geschichten selber sind keine Kracher und bieten wenig überraschende Momente, sind vielleicht durch das Fehlen weiter Bereiche (der Typ 'Normalo' ist kaum vertreten) nicht ganz repräsentativ, aber so liebevoll, kraftvoll und genau erzählt, dass sie wie ein großer Roman ein eindringliches Sittenbild der Zeit zeichnen. Die Musik mit vielen - mal mehr, mal weniger harmonisch in den Handlungsfanden eingesponnenen - längeren Einlagen von Konzerten, Gigs oder Straßeneinlagen spielt dabei eine große Rolle, nimmt aber nie unangenehm überhand, bekommt auch nicht die Hauptrolle, sondern eine tragende Nebenrolle, die das Lebensgefühl der Figuren immer wieder bestimmt.
Ähnlich wie bei "The Wire" braucht man einen Moment, um sich auf die Szenerie einzulassen und es wird garantiert auch nicht jedem gelingen, aber wenn es gelingt, entwickelt sich ein fantastischer Sog und hochintelligente, literarisch geprägte Unterhaltung. Auffallend mal, dass es im Vergleich zu den meisten Serien quasi ohne jede Gewalt, Exzentrik oder irgendie Unrealistisches auskommt. Das mag manchen stören, weil der 'Knalleffekt' fehlt, ist aber auch mal richtig angenehm, weil es bei aller Fiktion und Einengung der künstlerischen Sicht auf die Dinge (es ist kein Dokudrama!) näher am wahren Leben ist.
Sprache: Englisch mit englischen UT. Die UT braucht man auch wirklich, denn der Slang ist z.T. sehr heftig. Hinsichtlich Grammatik und Wortwahl ist es mit gutem Schul- oder Businessenglisch aber weitestgehend beherrschbar.