Treibeis: ThrillerNach 'Eishauch' griff ich sofort zu 'Treibeis' - ich war richtig süchtig nach einer Fortsetzung und nach Detective Emile Cinq-Mars. Und wieder las ich einen exzellenten, spannenden, komplexen Kriminalroman.
Beide Titeln entsprechen leider gar nicht den Originaltiteln ('City of Ice': 1999 und 'Ice Lake': 2001) und auch das Cover der Bände ist nicht einladend.
Ausgehend von einer Leiche unter dem Eis eines zugefrorenen Sees bei Montreal nimmt Cinq-Mars die Ermittlungen auf und stößt auf Pharmakonzerne, die aus Macht- und Geldgier vor Menschenversuchen (in dem Fall geht es um Aids - die Krankheit ist jedoch austauschbar) nicht zurückschrecken; einige Beteiligte meinen sogar, sie tun Gutes, da die Todkranken so ja schneller eine Chance bekämen.
Cinq-Mars ist ein Ermittler alter Schule, er ist eigenwillig, haltet nicht viel von Teamarbeit, er ist absolut integer, er agiert mit Gelassenheit und Übersicht und macht deutlich, wie tief Verbrechen in unserer Gesellschaft verankert sind.
Die Serienhelden vom Vorgängerroman haben sich weiterentwickelt. Cinq-Mars ist noch reflektierter und bezieht diesmal auch seine Ehefrau als gleichberechtigt mit ein, sein junger anglo-kanadischer Partner wird zunehmend kritischer. Bill Mathers muss sich, da familiäre Spannungen auftreten (Frau, Kleinkind) mit der Polizeiarbeit und deren Gefährlichkeit und der fragwürdigen Partnerschaft mit Cinq-Marc auseinandersetzen. Breiten Raum nimmt die Indianerin Lucy ein, die ebenfalls gegen die Skrupellosigkeit ihrer Auftraggeber ankämpft. Der historische Hintergrund des multikulturellen Kanada wird spannend und authentisch geschildert. Die Handlung entwickelt sich wie von selbst, die Erzähltechnik ist perfekt.
Traurig war ich, als das Buch zu Ende war und keine Fortsetzung in Sicht ist. Mir persönlich hat 'Eishauch' noch um einen halben Stern besser gefallen als 'Treibeis'.
Empfehlung: einfach lesen und sich selbst ein Bild machen.