Robert Louis Stevenson - Treasure Island
Als ein alter Pirat in der Taverne Admiral Benbow" stirbt findet der junge Jim Hawkins in dessen Truhe eine Schatzkarte - die des verstorbenen Captain Flint. Bald kommt auch Flints alte Mannschaft, um nach der Karte zu suchen, doch Jim hat die Karte mit sich zu einigen einflussreichen Herrschaften genommen, mit denen er sofort in See sticht, auf der Suche nach Flints Schatz.
Doch noch ehe sie auf der Schatzinsel angekommen sind meutert die Mannschaft und lässt die Suche zu einem todbringenden Abenteuer werden.
Es ist mir ein Rätsel, wieso man dieses Buch unter ,Kinderbüchern' finden kann, angesichts der Gewalt und der allgemeinen Sprache, die verwendet wird.
Dennoch hat mich dieses Werk von Anfang an gefesselt und, trotz einiger langatmiger Stellen, bis zum Ende nicht mehr losgelassen. Auf 224 Seiten findet man das, was andere Autoren in einer fünfbändigen Reihe untergebracht hätten, was zwar einiges zu kurz kommen lässt und wodurch ewige Dialoge erst gar nicht entstehen können, aber es steigert erheblich das Gefühl, dass es sich nicht bloß um eine fiktive Geschichte, sondern einen Realitätsbericht handelt.
Erzählt wird die Geschichte von Jim Hawkins, der, einige Zeit nach den Geschehnissen, von seinen Mitabenteurern dazu angehalten wird, jene wiederzugeben. Leider erfährt man dadurch sehr wenig über die Aktivitäten der Meuterer, wenn sich Jim nicht grade bei ihnen befindet, weshalb ich mir zwischenzeitlich einen Omniscient Narrator gewünscht hätte. Wenigstens wird Jims Bericht durch einige Zusätze von Doctor Livesey ergänzt, der Wichtiges erzählt, was Jim in seiner Abwesenheit nicht mitbekommen hat, aber dadurch die Erzählstruktur unangenehm unterbricht.
Aufgrund der Kürze des Romans sucht man großartig entwickelte Charaktere vergeblich, sodass vor allem Squire Trelawney mit Gefolge und die Piraten arg eindimensionale Nebencharaktere werden. Auch erfährt man nicht Vieles über Jim, dafür aber umso mehr über Long John Silver, der nicht nur die gefühlt meisten Sprechpassagen und den unvorhersehbarsten Charakter hat, sondern auch nebenher für mich absoluter Sympathieträger des Buches war.
Als Einstiegslektüre in die englische Sprache ist dieses Werk wohl das denkbar ungünstigste, aber allen, die schon Erfahrung mit wirrer (Piraten-)Sprache gemacht haben kann ich Treasure Island" nur ans Herz legen, besonders, wenn ein kurzes, aber trotzdem spannendes Buch gesucht wird, in dem nicht die Farbe jedes Hemdknopfes einzeln beschrieben ist.