Obwohl ich ein glühender Verehrer der großen Joan Sutherland bin, ist diese Traviata eine ihrer Aufnahmen, die mich nicht ganz so überzeugen.
Technisch sauberer und mit vollerem Ton hat diese Partie wohl niemand gesungen, aber das reicht mir bei dieser Oper leider nicht. Ich vermisse ein wenig Passion und Temperament, und Joan Sutherlands größtes oder eigentlich einziges Manko, ihre Textundeutlichkeit, kommt hier ganz besonders zum Vorschein. "Sempre libera" erklingt natürlich fulminant, und schon allein wegen des leuchtenden hohen Es' muß man Sutherland gehört haben. Das singt sie auf ihrer späteren Aufnahme mit Pavarotti aber fast noch besser und seltsamerweise finde ich sie dort überzeugender, obwohl sie 1978 schon weit über eine jugendliche Kurtisanenstimme hinaus war. Vielleicht klingt Joan Sutherland auch einfach ein wenig zu gesund für die schwindsücbtige Violetta.
Carlo Bergonzi und Robert Merril sind hervorragend in ihren Rollen als Alfredo und Giorgio Germont. Aber von beiden gibt es auch noch zwei andere Aufnahmen dieser Oper, sodass man nicht unbedingt zu dieser greifen muß.
John Pritchards Dirigat ist gediegen, aber auch nicht besonders inspiriert, wenn man es mit Carlos Kleiber, aber auch Zubin Mehta oder Fernando Previtali vergleicht. Vor allem glänzt es nicht durch besondere Italianità.
Eine gepflegte, sehr wohlklingende Aufnahme, aber es gibt bessere.