Nun, die Walkabouts haben sich viel Zeit für ihr neues Album gelassen. Die lange Wartezeit wurde zum Glück immer Mal wieder durch ein Neben- oder Soloprojekt verkürzt, zuletzt durch das geniale Project L/O/N/G, welches allerdings fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit in den Handel kam.
Doch die musikalische Walkabouts-Welt ist jetzt wieder in Ordnung und das neue Album um die Band von Eckman und Torgerson ist ein Meisterwerk geworden. Es vereinigt alle grossen musikalischen Tugenden, welche sie letztendlich zur Kultband werden liessen.
'My Diviner' erinnert an die 'Setting the Woods on Fire - Devil's Road'-Phase. Dank Carla Torgersons Stimme ist dieser melancholische Eröffnungssong ein Walkabout-typisches Meisterwerk geworden, er beinhaltet alles, wofür man die Walkabouts letztendlich liebt.
Bei 'The Dustlands' wechselt dann der Gesang und Chris Eckman übernimmt die Hauptstimme. Es ist ein wunderbarer 'Mid-Tempo-Song', der von den Streicherinstrumenten des Apollon Chamber Orchestras unterstützt wird.
Etwas rockiger geht es in 'Soul Thief' weiter, textlich brillant - wie man dies von Eckman eben so kennt ("The burden I carry, is the story I tell, those in purgatory, singing fondly of hell") ...einfach genial...
'They are not like us' haucht Carla beim nächsten Lied ins Mikrofon, so düster und gleichzeitig so zerbrechlich, man könnte ihr stundenlang zuhören ("We are bird and we are snake, bones of laughter, thorns of hate").
Ein bisschen 'flotter' beginnt dann 'Thin of the Air'; Streicher, Orgel und E-Gitarre wechseln sich im Hintergrund ab. Man fühlt förmlich den Geist des seligen Townes van Zandt mitsingen!
Klar, der 'Rainmaker Blues' wird von Mr. Eckman gesungen; da schliesse ich die Augen und stelle mir vor, wie die Walkabouts den Song live in einem kleinen Club zum Besten geben...(mit Background Chor und durch den konstanten durchgehenden Rhythmus des Schlagzeugs zusammengehalten).
Mit 'Every River will Burn' geht es anschliessend musikalisch über 6 Minuten durch einsame amerikanische Wüstenlandschaften, eben durch die Dustlands. Dieser Song ist für mich die musikalische Perfektion, ein Meisterwerk... und man beginnt einfach mit Träumen.
Doch dann reisst einen Chris Eckman wieder aus diesem Traum um mit dem flotteren 'No Rhyme No Reason' fortzufahren. Textlich bleibt es jedoch weiterhin düster ("A scorpion closed in by flame, stings himself to death, simple and plain").
'Wild Sky Revelry' ist wieder ein ganz ruhiges Stück, getragen von Carlas einzigartiger Stimme.
Konsequent im 'Zick-Zack-Verfahren' geht es weiter mit einem rockigeren Lied ...Eckman und die elektrische Gitarre... 'Long Drive in a Slow Machine' hält mühelos das hohe Niveau der Platte aufrecht.
Wie könnte ein Album schliesslich schöner abgeschlossen werden als durch ein Lied wie 'Horizon Fade'. Da kommt Wehmut auf, man möchte die Musik schier aufhalten und für sich einschliessen; ganz langsam und süsslich gleitet sie weg und es wird einem erst nach und nach bewusst, dass dieses Konzeptalbum einen noch lange verfolgt und beschäftigt. Da reicht ihnen zurzeit keiner das Wasser, selbst geniale und von mir hochgeschätzte Musiker (denen man nachsagt 'Wüstenrock' zu spielen) wie Howe Gelb oder Steve Wynn können hier nicht mithalten.
Was singen die Walkabouts am Ende der Platte? "Will you ever come back, to this place?"
Die Antwort lautet: "Ja sicher, immer und immer wieder!"