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Das sieht dann zum Beispiel so aus: "Lieber ein lila Laubfrosch mit Lollipop, Limonade und leichter Literatur, als ein launischer Leguan mit Langeweile, Lackschuhen und lila Lederarmbanduhr". Außer dem Laubfrosch und dem Leguan und den erwähnten Dingen (ja, der Leguan guckt wirklich launisch, und er hat tasächlich Lackschuhe an) finden sich auf der L-Seite noch jede Menge anderer Lequisiten -- pardon, Requisiten. Libellen, eine Leiter, eine Lampe... gucken, suchen, lachen, staunen, auf jeder Seite tut sich eine neue Szene auf. Nur eine der Tomaten, die der Tiger traurig in den Toaster geschoben hat, die versteckt sich auf jeder Seite, auch wenn sie ja keine Lomate, Zomate oder Bomate ist.
Ein Such- und Lachbuch für kleine und große ABC-Schützen, für jede Menge Spass mit 26 Buchstaben. --Heike Reher -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
Warum Abc-Bücher mehr sein können als Leselernschulen
«Das Abc ist äusserst wichtig. Im Telefonbuch steht es richtig» sagt Joachim Ringelnatz und weiss genau, dass das Alphabet nicht mehr, aber auch nicht weniger ist als ein Ordnungsprinzip. Ein Ordnungsprinzip, das gelernt sein will, bildet es doch die Basis unserer wichtigsten Kulturtechnik: des Lesens (und Schreibens). Für Leseanfänger(innen) sind Buchstaben eigentliche Rätsel, die nicht durch die Logik der sinnlichen Erfahrung (wie beim Sprechenlernen) begriffen werden können. Im Gegenteil zeichnen sie sich aus durch eigentliche formale Willkür. Und gerade deshalb verändert die Kenntnis des Alphabets die Welt der Lesen-Lernenden radikal. Denn von nun an werden die Bilder im Kopf unlösbar mit dem abstrakten Bild des geschriebenen Wortes verknüpft. Gerade weil diese Verbindung so dominant ist, verleitet sie Erwachsene seit Jahrhunderten dazu, sich kreativ mit den Buchstaben auseinanderzusetzen. Wurden Abc-Bücher früher als eigentliche Lebensschule im religiösen oder zumindest moralischen Sinne gestaltet (bekannt ist in diesem Zusammenhang u. a. Wilhelm Buschs parodistisches Abc), so sind sie heute nichts anderes als kleine sprachphilosophische Übungen, die Spass machen sollen Kindern und Erwachsenen.
Basteln im Kopf
Nicht das eigentliche Lesenlernen steht deshalb im Zentrum dieser illustrierten Bände, sondern das witzige oder zumindest humorvolle Spiel mit den Buchstaben, das gewisse Grundkenntnisse schon voraussetzt. Bei Nadia Buddes Abc beispielsweise ist die Nähe zur Nonsenslyrik schon im Titel greifbar. «Trauriger Tiger toastet Tomaten» nennt sich das seltsam groteske Bilderbuch, in welchem das Alphabet Menschen und Tiere in die seltsamsten Situationen zwingt: «Kahle Katzen können mit Kämmen kämpfen» heisst es da rechts oben beim K, wo zwei sehr menschlich nackte Katzen im kultivierten Fechtkampf mit zwei roten Kämmen zu beobachten sind. Und etwas weiter vorne beim G gerät ein «grüner Goldfisch gelegentlich ins Gurkengemisch». Was zunächst wie eigenartig genüssliche Zungenbrecher aussieht (Fischers Fritz findet sich auch zitiert), wird beim laut Lesen und zweiten Mal Hinsehen immer verständlicher und menschlicher. Und zusammen mit den bunten Bildern einer Mischung aus Comic- und Kinderzeichnungsstil haben Buddes Verschen eine höchst anregende, wunderbar unsinnige Wirkung auf die eigene sprachliche Phantasie.
Sprachlich sehr viel gesitteter geht es bei der Zürcher Autorin Esther Spinner zu und her. Ihr hat es das Wörterbasteln angetan, und so hat sie «Tier-Anagramme von A bis Z» verfasst, die sie mit viel Ach und Krach in eine Geschichte zwingt: «Die Amsel heisst Selma» ist zwar ganz nett und manchmal sogar witzig von Anna Luchs illustriert, auf sprachlicher Ebene aber lassen sogar die Anagramme an Originalität etwas zu wünschen übrig. Ganz im Sinne der beigelegten vorgestanzten Buchstabenplättchen ist das Buch wohl sowieso eher als Spielanleitung zu verstehen. Kein eigentliches Abc, sondern «Geschichten für Buchstaben-Narren» sind in Hans Manz' jüngstem Buch , «Ein kleines o steht vor dem Zoo», versammelt. Der Schweizer gehört zu den renommiertesten Wort- und Sprachklaubern der deutschsprachigen Kinderliteratur, auch wenn er in den vergangenen Jahren mehr in erzählerischer Funktion forschend unterwegs war. Nun hat er beides verbunden. Er schickt Hans los, die Welt der Buchstaben zu erkunden, ja sie zu besiegen, um ihrer dann beim Schreiben Herr zu werden. Dafür lässt Manz die Buchstaben zu Charakteren werden, zu Dingen und Figuren, die mit Hans reden und ihm ihre Eigenschaften und manchmal sogar Kunststücke vorführen. Heiter und leicht wie die Geschichte sind die Schwarzweisszeichnungen von Verena Ballhaus, die sogar ein wenig die Ernsthaftigkeit des Sprachspielers Manz entschärfen.
Von Tieren und Märchen
Auf sehr viel radikalere Weise benutzen zwei weitere Bücher das Abc als eine Art Assoziationssprungbrett. Während das eine die tierische Wunderwelt mit der Freude an seltsamen Namen verbindet, spielt das andere mit Chiffren aus der Märchenwelt. Schlicht «T wie Tukan» nennt Katharina Lausche ihr «Abc mit kleinen und grossen Tieren», das vornehm als Halbleinenband daherkommt und damit seine fast wissenschaftliche Seriosität bezeugt. Nicht der Affe, der Bär und der Igel treten darin als Repräsentanten ihres jeweiligen Anfangsbuchstabens auf, wie wir das seit ewigen Zeiten gewohnt sind, sondern exotische und unscheinbare Tiere und Tierchen, deren fotorealistische Wiedergabe auf leerem Grund neugierig macht nicht nur auf ihre zum Teil sehr seltsamen Namen, auch auf ihre sonstigen Eigenheiten: Beim A marschiert ein Ameisenbär quer über die Seite, auf dem Bauch des B lässt sich ein Blaufusstölpel nieder, und beim I guckt einem ein Indri direkt ins Gesicht. Wer die Tiere nicht kennt, dem hilft eine beigelegte Auflösungskarte weiter. Und im Anhang ist Näheres zu den Tieren zu erfahren. Das macht Spass. Wer kennt schon ein Veilchenohr oder einen Quetzal?
Etwas mehr Geduld braucht man für «Es war einmal von A bis Zett» der beiden Österreicherinnen Renate Habinger und Linda Wolfsgruber. Denn die beiden Illustratorinnen haben darin eine Menge Andeutungen auf Märchen oder sonstige Klassiker der Kinderliteratur (wie «Struwwelpeter» oder «Pinocchio») in Bilder verarbeitet; in ziemlich geheimnisvolle, manchmal auch ironische Schwarzweiss-Bildseiten auf beigem Grund einer dynamisch-anarchischen Variante der alten Bilderbögen , die der heutigen Buntheit der Kinderwelt völlig entsagen. Beim Blättern, Schauen und Lesen kann man von A bis Z ein regelrechtes Wechselbad der Gefühle durchleben, ganz wie in den wenig zimperlichen, dafür moralisch so beruhigenden Märchen selbst. Wer das wild geordnete Sammelsurium dieses Buches mit Kindern erforscht, wird nicht darum herum- kommen, in der Märchenkiste zu wühlen und das eine oder andere bereits vergessene Stück hervorzuholen und neu aufzupolieren und manches vielleicht sogar neu zu erfinden.
Gerda Wurzenberger -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
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