Seichte Unterhaltung hat Danzer sicher nie gemacht, ganze 32 Alben lang war sein Kopf niemals aus. Doch es gab schon reichlich Alben mit einem gehörigen Augenzwinkern und einem deutlichen Bekenntnis zur Lebensfreude. Das Danzer Album des Jahres 1980 gehört nicht dazu und der Album-Titel "Traurig aber wahr", ist nicht einfach nur eine Mitleid heischende Phrase, er ist tatsächlich Programm.
Acht Lieder lang (43 Minuten Spielzeit!) reflektierte Danzer damals die Abgründe des menschlichen Seins, seine eigenen, die einzelner anderer, oder die der ganzen Gesellschaft.
Es geht um eigene, sich nicht lösende, traumatische Kindheitserinnerungen (Der Schrei), um die haarsträubende Einstellung einiger Mitmenschen gegenüber geistig Behinderten (Deppert's Kind), um maßlose Gier vs. bitterer Not (Ich will nicht mehr), ewig Gestrige und braunes Gesindel (Der alte Wessely), Entmenschlichung in bürokratischem Korsett (Ich steig aus) und unkontrollierte Technisierung (Zerschlagt die Computer), um eskalierte Gewalt und zu späte Erkenntnis (Zu spät), und der Titelsong selbst, der eine lange Kette ewig wiederkehrender menschlicher Unarten zusammenfasst.
Alles in allem macht das Album natürlich überhaupt keinen Spaß und das will es auch nicht. Es will nachdenklich, aufmerksam, sensibel, wach machen. Und wenn es einen Kritikpunkt gibt, dann nur den einen, dass einem die Texte an einigen Stellen doch etwas arg von Betroffenheits-Lyrik überfrachtet scheinen, was bei dem Konzept des Albums wohl aber kaum vermeidbar war und nichts daran ändert, dass "Traurig aber wahr" eines der besten (musikalisch) und wichtigsten (textlich) Alben aus dem großen Gesamtwerk von Georg Danzer darstellt.
Was ein anderer Rezensent schon andeutete, kann ich nur bestätigen. Das Album erschien 1980. Im Jahr zuvor veröffentlichten Pink Floyd ihr "The wall" Album und es kann kein Zufall sein, dass man sich hier und da beim Hören von "Traurig aber wahr" daran erinnert fühlt. Danzer war eben immer sehr viel mehr als ein stiller Liedermacher, der nur an seiner Gitarre zupft!
Ein großes Album!