Der Lebenszeitbeamte Dieter Kreutzkamp gab seinen Schreibtischjob auf und fuhr mit Frau, VW-Bus und unendlichem Freiheitsgefühl durch die Welt. In Australien tat er es mit Frau und Fahrrad. Da das Buch kein Erscheinungsdatum trägt, der Herr Kreutzkamp aber Baujahr 1946 ist, wird das Buch wohl so Ende der 80er erschienen sein. Als Reisevorbereitungsbuch allein aus diesem Grund schon ungeeignet, auch wenn das Werk immer wieder neu aufgelegt zu werden scheint. Der Schreibstil ist beamtengerecht - oberlehrerhaft, gestelzt und unelegant. Er hat wohl irgendwo gelesen, dass wörtliche Rede den Text belebt. Er kann nicht beschreiben, es werden keine Bilder lebendig, und vieles wiederholt sich. Der Inhalt des Ganzen löst bei mir kaltes Grausen aus. Erstens hat das Ehepaar Kreutzkamp sehr wenig vorab über das Land gelesen oder sich Ratschläge eingeholt, denn von Sicherheitsvorkehrungen (kein offenes Feuer, nicht einfach in einem unbekannten Fluss baden) haben die beiden nichts gehört. Der Autor läßt sich lang und breit über die verfluchten Privatgrundstücke aus und würde sich selbst über zünselnde Camper in seinem Vorgarten sicher irre freuen. In jedem Abschnitt muss ich erneut seine Aufzählung überfahrener Tiere über mich ergehen lassen, wahrscheinlich die einzige Abwechslung auf seiner langen Fahrt. Wenn er diese Tatsache nur fünfzehn Mal erwähnt hätte, hätte es auch gereicht. Er äußert sich teils mitleidig, teils verächtlich über Touristen, die eilig durchs Land hetzen und in nur vier Wochen möglichst viel vom Land sehen wollen. Dann wiederum regt er sich darüber auf, dass sie an einem Tag nur 23 Kilometer geschafft haben. Er muss sich seinen Wecker auf fünf Uhr stellen, um die verlorenen Kilometer wieder gut zu machen. Warum denn, wenn er doch zu den Begnadeten gehört, die ewig Zeit haben? Er scheint auch auf einer Art Ego-Trip zu sein und seine Frau muss ihn dauernd beruhigen, beschwichtigen und trösten. Der Mann tut mir vielleicht noch mehr leid als ich ihm, die ich in einem gemieteten Camper (mit Klimaanlage, pfui!) fünf Wochen lang ein paar tausend Kilometer abgegrast habe. Seine Tagebucheintragungen beschäftigen sich meist mit dem Wetter, platten Reifen, Ludwig Leichhardt und irgendeinem kleinbürgerlichen Ärgernis. No worries, dudes, lest lieber "Frühstück mit Kängurus" von Bill Bryson oder einen guten, aktuellen Reiseführer!