Zum Buch "Traumsymbole"
Das Lexikon enthält etwa 1000 Begriffe bzw. Symbole. Im Vorwort wird über die Symbole und die Funktion eines Symbols in der Welt wie im Traum informiert. Hieraus wie auch aus dem im Buch öfter auftauchenden Begriff "Archetyp" für ein Symbol (und aus dem Klappentext) kann man schließen, dass die Psychologie des Schweizers Carl Gustav Jung eine große Rolle spielt bzw. Grundlage der Erklärungen ist.
Die Traumsymbole werden gedeutet für Vergangenheit (Erinnerung, Verarbeitung), Gegenwart, Seele (Psychologie als Schwerpunkt), Körper und Spiritualität. Oft wird der Bereich Ewigkeit, geistige Welt angesprochen, anscheinend auch geträumt.
Es gibt natürlich auch Lücken. Kein Symbollexikon kann alle Traumelemente beinhalten.
Ich hätte mir das Buch etwas umfangreicher gewünscht (es hat 296 Seiten). Aber dadurch habe ich die Möglichkeit, meine Träume auch von allen Seiten aus zu betrachten. Mich intensiver damit zu beschäftigen.
Die einzelnen Artikel sind unterschiedlich, längere Erklärungen wechseln mit kurzen ab. Z.B. über das Traumsymbol "Prüfung" lässt sich der Autor eine ganze Seite aus, das Traumsymbol "Kirmes" dagegen wird in knapp einer Zeile abgehandelt. Hin und wieder auch Zusammenfassungen zu Symbolgruppen, z.B. im Artikel "Kleidung".
Gut finde ich, dass die Zweiwertigkeit der Symbole berücksichtigt ist, z.B. kann "Wasser" sowohl positiv (Wasser des Lebens) als auch negativ (Wasser des Todes) sein. Plus und Minus der Symbole wird fast immer betont, so dass ich ein Gefühl für die mehrdeutige Traumsprache bekomme. Selten finde ich in dem Buch Symbole, die eindeutig nur gut (wie "Holz") oder schlecht (wie "Plastik") sind. Oft wird die Bedeutung sowohl für Seele als auch für Körper erklärt, und so bekommt man einen Hinweis, dass ein Symbol Stress oder Gesundheit betrifft. Als sehr erfreulich oder wissenschaftlich-seriös empfinde ich, dass nicht plakativ Bedeutungen verteilt oder zugeteilt werden, sondern viele Aspekte eines Traumsymbols angesprochen werden. So gibt es z.B. vier Dimensionen unter "Schwimmen": 1. Erinnerung an den Zustand im Uterus, 2. Emotionen, 3. Sexualität, 4. Fahrt in eine andere Welt.
Anderes Beispiel: "Kind" als Inneres Kind, als Kindheit des Träumers, als reales Kind, oder als Symbol für Zukunft oder Liebe - das sind schon fünf Möglichkeiten.
Da bleibt dem Leser selbst die Entscheidung, die ihm vielleicht oft schwer fällt. Aber so wird er als mündiger Leser behandelt.
Die Farben sind insgesamt umfassend und ausführlich behandelt. Interessant auch die Deutung der Zahlen.
Einige Erklärungen überraschen: "Uhr" ist Wahrheit, (doch Zeit ist ja Tatsache) "Lachen" kann Weinen bedeuten (lachen und weinen liegen oft dicht beieinander, bei Kindern gut zu beobachten), der "Coitus" ein Todessymbol (im Volksmund "kleiner Tod"), "grünes Gras", als frühes Wachstum, (Schwangerschaftszeit), "Fliege" für extrem Negatives (wo sitzt sie am liebsten?) Einleuchtend ist, dass "Tisch" Beziehung bedeutet, dass "Tasse" zur oralen Befriedigung, also Mutterbrusterfahrung assoziiert.
Das Buch ist anspruchsvoll, doch gut lesbar geschrieben. Ein breites Allgemeinwissen liegt zugrunde (Verweise und Vergleiche). Am Ende eine Literaturliste.
Als Anregung der Fantasie sind ein paar Schwarz-Weiß-Fotos gut ausgewählt und eingefügt. Ohne das Buch vollständig zu lesen, sollte es zum Nachschlagen zur Hand sein.