Die Botschaft eines Science-Fiction-Films besteht nicht darin, eine genaue Vorhersage der Zukunft machen zu wollen, sondern zum einen auf die Möglichkeit bestimmter Entwicklungen hinzuweisen, zum anderen vor deren eventuellen Folgen zu warnen. Alpträume und Träume - Dystopien und Utopien - liegen oft nahe beieinander. Die Filme zeigen, woher wir kommen und wie unsere Zukunft aussehen könnte. Der phantastische Film stellt somit eine konsequente Weiterentwicklung der literarischen Utopie dar, die ihm oft als Vorlage dient.
Wolfschlag, der seit Jahren für die "Enzyklopädie des phantastischen Films" arbeitet, bietet uns in seinem Buch einen sehr gelungenen Überblick über diese Filmgattung. Sein Schwerpunkt ist dabei die Auseinandersetzung mit der zukunftskritischen "Dark Future". Dabei stehen bei ihm weniger filmwissenschaftliche Einzelheiten im Vordergrund als vielmehr inhaltliche Gesichtspunkte. Die Filme - deren Titel durch Fettdruck im Text leicht zu finden ist - werden nach thematischen Schwerpunkten den einzelnen Kapiteln zugeordnet. Gewichtungen erfolgen nur anhand thematischer Kriterien, jedoch sind im Register am Schluß besonders gelungene Filme mit einem Stern gekennzeichnet. Das Buch hat mich, den Rezensenten, dazu veranlaßt, diese Filme mit Stern - sofern sie mir noch unbekannt waren - als DVD zu beschaffen bzw. auszuleihen.
"Die Ästhetik der Zukunft ist offen. Es ist nicht ersichtlich festgelegt, welche Form des Lebens, welcher Stil, welches Design, welche Mode das Aussehen kommender Welten prägen werden", meint der Verfasser. Zahlreiche SF-Filme widmen sich der Zeit nach dem großen Zusammenbruch, vor allem jene der postapokalyptischen Stilrichtung, gedreht ab Ende der 1970er Jahre. Die Menschheit ist in diesen dystypischen Streifen in einen Zustand motorisierter Barbarei zurückgefallen. Nicht mehr Drogen, Promiskuität oder zielloses Schwelgen in der Sinnsuche sind mehr die Beweggründe dieses neuen Daseins, sondern der Selbstbehauptungsdrang, also das, was erforderlich ist, um die eigene Existenz und jene der eigenen Gemeinschaft zu sichern. U. a. "Mad Max", "Stalker", "Postman" und "Der Planet der Affen" behandelt Wolfschlag in diesem Kapitel.
Wenn es etwas Kritisches anzumerken gibt: Ein zusätzliches Personenregister (mit den Namen der Regisseure und den Namen der zitierten Erstautoren) wäre eine nützliche Zugabe gewesen.