Wer an Bord des literarischen Traumschiffs von Elmar Ferber (Herausgeber und Kapitän) geht, kann das über den vorderen Zugang und den gleichzeitig hinteren, während der hintere wiederum gleichzeitig vorn zu finden ist.
Die Umschlag-Frontfrau steht auf ihren Füßen und auf der Rückseite gleichzeitig auf dem Kopf und umgekehrt. Bereits das lässt erotische Fantasien aufkommen, um die es in Ferbers Roman-Anthologie „TraumSchiff" vor allem geht.
21 Autorinnen und 8 Autoren wagten das literarische Experiment und schrieben Kurzgeschichten und Lyrik für diesen geiensamen Roman. Und dem Herausgeber gelang es, durch seine Prologe und Epiloge und die Vorgabe zweier Hauptpersonen (Julia und Thomas) der Anthologie den inhaltlichen Rahmen zu geben. Über eine geschickte Textauswahl und -koordinierung schuf Ferber gmeinsam mit seinen Autorinnen und Autoren einen zusammenhängenden und spannenden Romanstoff, der sogar 20 lyrische Texte einschließt.
Ein wahrlich „logistisch-literarisches" Meisterstück!!
Von welcher Seite die Leserin oder der Leser das Buch auch beginnen, sie werden in einerseits aus männlicher, andererseits aus weiblicher Sicht geschriebene erotische Fantasien eintauchen, die nie pornografisch und gerade deswegen äußerst sinnlich daherkommen.
So läßt Sarah Ines ihre Protagonistin beim Barkeeper „Einen Romeo" bestellen, um ihrem Geliebten einen Namen zu geben. Darüber gerät sie an der Bar in hocherotische Situationen.
Durch die Geschichten anderer Autorinnen und Autoren wandeln Traummänner und -frauen - oft nahe am Klischee und dennoch nicht kitschig. Selbst ein Massai ist unter Ihnen. Die Lyrikerin Käthe Kyrion regt Fantasien an mit „Als wir uns/die Hände reichten/hatten unsere Augen/längst den Pakt/geschlossen/den unsere Haut besiegelte".
Helga Rosts Julia träumt sehnsüchtig von einem begnadeten Flamenco-Tänzer und der Thomas von Evert Everts verliebt sich in das schulterlange, tizianrote Haar einer ungemein sinnlichen Traumschiffpassagierin. Trotz der Fülle erotischer Szenen kommt beim Lesen an keiner Stelle Überdruss auf. Ein kurzweiliges und äußerst sinnliches Lesevergnügen!
Piet Kampa