Da fällt einem nichts mehr ein: in welcher Welt leben wir eigentlich? Da gelingt es einer Frau nach mehrjähriger vergeblicher Anstrengung, ein Machwerk ("Traumfänger") auf den Buchmarkt zu bringen, das von freien Erfindungen, aus anderen Büchern abgeschrieben Passagen, Unwissen, Adaptationen aus Indianerkulturen (alleine schon die Namen!) und sachlichen Fehlern nur so wimmelt und dann wird es ein Riesenerfolg. Von Aborigine-Abordnungen mit ihren Lügen, Unkenntnissen der Kultur und phantasierten Inhalten konfrontiert, entschuldigt sie sich zwar förmlich für den Bärendienst, den sie ihnen erwiesen hat, aber anstatt Konsequenzen zu ziehen (abgesehen von der erzwungenen Richtigstellung in den neueren Auflagen, dass die Reise in "Ich-Form!" frei erfunden war), schickt sie ein zweites Buch hinterher, was aus ähnlichen Gründen wieder Proteste der Aborigine-Organisationen hervorruft - allerdings harmloser und letztlich unbedeutend, weil vorhersagbar und durchsichtig wie ein Rosamunde-Pilcher-Roman ist. Trotzdem gelingt es dem Verlag, die Tatsachen weitgehend zu vertuschen. Darf man denn für Geld heute alles machen und behaupten? Nur, weil ein emotional-spirituell verhungertes Publikum Millionen Bücher kauft? Besiegt der Markt die Redlichkeit? Glaubwürdig wäre Frau Morgan nur, wenn sie ihre üppigen Einnahmen der Erhaltung von Kultur und Identität der australischen Ureinwohner zur Verfügung gestellt hätte. Vielleicht könnte sie damit etwas Schaden wieder gut machen. Wer nicht glaubt, dass so etwas dem Volk wirklich schadet, lese einfach mal nach bei http://wmuma.com/mutantmessage/index.html . Da findet man auch eine offizielle Stellungnahme von Aborigine-Vetretern, Frau Morgans Entschuldigungsbrief und ein paar weitere Informationen. Ich wünsche erkenntnisreiches Surfen! Und noch ein Vorschlag an den/die potentielle/n LeserIn: spenden Sie doch einfach das Geld, das Sie für das Buch ausgegeben hätten!