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Traumpfade der Weltrevolution: Das Guevara-Projekt
 
 
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Traumpfade der Weltrevolution: Das Guevara-Projekt [Gebundene Ausgabe]

Gerd Koenen
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 450 Seiten
  • Verlag: Kiepenheuer & Witsch Verlag (25. August 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3462040081
  • ISBN-13: 978-3462040081
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 14,8 x 4,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Gerd Koenen
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Traumpfade am Abgrund.

Dieses Buch nimmt die parallelen Lebenslinien von »Tania & Che« als zwei rote Fäden auf, die einen lebendigen Zugang zu einer Schlüsselperiode des 20. Jahrhunderts eröffnen - jenseits verkitschter Popmythen oder vermuffter Heldengemälde. »Tania la Guerillera« (Tamara Bunke) war für die verblichene DDR ein seltsames Idol, dem gehuldigt, aber nicht nachgeeifert werden durfte. In der Epopöe des »Che« Guevara - und damit im Mythenschatz des 20. Jahrhunderts - nimmt sie eine feste Rolle ein: als das Inbild einer Kämpferin. Wer die junge Frau aber eigentlich war, ist unklar. Sie steht für eine deutsch-jüdisch-kommunistische Biographie, die psychologisch und historisch-politisch zu entziffern ist. Über Ernesto Guevara, den Haupthelden dieses vorerst letzten Projekts einer »trikontinentalen« Weltrevolution (vor Osama bin Laden), ist scheinbar alles gesagt. Mehr als ein Dutzend großer Biographien sind über ihn geschrieben worden, doch ohne ein scharf konturiertes Bild der Lebenslinie, der dieser Globalrevolutionär gefolgt ist, und des historischen Wirkungsfeldes, in dem er operiert hat. Dieses Buch nimmt die parallelen Lebenslinien von »Tania & Che« als zwei rote Fäden auf, die einen lebendigen Zugang zu einer Schlüsselperiode des 20. Jahrhunderts eröffnen: die Jahre der atomaren Konfrontation zwischen Ost und West, der antikolonialen Befreiungsbewegungen, des Zerwürfnisses in der kommunistischen Weltbewegung. In den Zwischenräumen dieser Umbrüche entwickelte sich die kubanische Revolution des unverwüstlichen Fidel Castro, und aus ihr heraus das apokalyptische Weltkriegsprojekt des charismatischen Che Guevara, die zu Fixsternen der Neuen Linken wurden. In dieses Bild gehört auch der kritische Blick auf das Verhältnis der USA zum Rest der Welt, und besonders zu Lateinamerika als einem Kontinent eigener, tragischer Prägung, mit Kuba als ewig neuralgischem Punkt. Eine hoch aktuelle Geschichte also. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Über den Autor

Gerd Koenen, 1944 in Marburg geboren, hat Geschichte und Politik in Tübingen und Frankfurt/M. studiert und dabei vom SDS 1967 bis zu den maoistischen Zirkeln der 70er Jahre das volle Programm des linksradikalen Aktivismus absolviert. Später hat er als Lektor, Journalist, wissenschaftlicher Mitarbeiter Lew Kopelews sowie als freier Schriftsteller gearbeitet. Seine bekanntesten Bücher sind: »Die großen Gesänge - Lenin, Stalin, Mao Tse-tung. Führerkulte und Heldenmythen«, 1991. »Deutschland und die russische Revolution« (mit Lew Kopelew), 1998. »Utopie der Säuberung. Was war der Kommunismus?«, 1998. »Das rote Jahrzehnt. Unsere kleine deutsche Kulturrevolution 1967?1977«, 2000. »Vesper, Ensslin, Baader. Urszenen des deutschen Terrorismus«, 2003. »Der Russland-Komplex. Die Deutschen und der Osten 1900?1945«, 2005. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

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12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Interessant und spannend, aber mit ein paar Wermutstropfen, 1. Januar 2009
Rezension bezieht sich auf: Traumpfade der Weltrevolution: Das Guevara-Projekt (Gebundene Ausgabe)
Gerd Koenen hat es geschafft: In seinem Werk räumt er auf mit der sozialromantischen Verklärung von Guevara, Castro und Co - und zwar radikal und schonungslos wie bei einem Husarenritt. Gleichzeitig vermittelt der Autor anschaulich die revolutionären Ideen dieser "Idole". Sinnvoll und für das Buchprojekt bereichernd ist aus deutscher Sicht die Verflechtung des Themas mit der Lebensgeschichte der deutschstämmigen Tamara Bunke alias Guerillera Tanja. Koenen zeigt, wie es wirklich war - Pardon, wie es gewesen sein könnte. Leider, leider jongliert er dabei zu oft mit Namen, Daten und Theoremen. In seinen teils ausschweifenden Diskursen drängt sich gelegentlich der Verdacht auf, dass er seine quellenbasierte Sachlichkeit - die er als Historiker wahren sollte - vernachlässigt. Wenn er es bewusst machte, wofür einiges spricht, hätte er seine Spekulationen deutlicher kennzeichnen müssen. Auf alle Fälle hätte ich mir wesentlich mehr exakte Ouellenangaben gewünscht, beispielsweise in wissenschaftlicher Form als Fußnote oder journalistisch im Text. So bleibt mir unter anderem ein Rätsel, woher manche statistische Daten stammen, die er in seinen Kapiteln verarbeitete: aus kubanischen Quellen, US-amerikanischen oder anderen? Außerdem stolperte ich wiederholt über polemisches Vokabular: Beispielsweise wenn er von Castro als den "großen Zampano" spricht, von einer "parasitären Oberschicht" des vorrevolutionären Kubas oder auffällig oft von dem "scharf riechenden" Guevara. Meine Bilanz: Das Buch ist interessant und zweifellos spannend zu lesen, aber leider sind mehrere Passagen nicht belegt und mit zu vielen flapsigen Kommentaren gespickt. Dafür gibt es insgesamt einen Stern Abzug.
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Che, Castro & Tania, 18. Mai 2009
Rezension bezieht sich auf: Traumpfade der Weltrevolution: Das Guevara-Projekt (Gebundene Ausgabe)
"Als eine Ophelia der Weltrevolution ist Tamara langsam flußabwärts getrieben, bis ihr Rucksack sich im Gebüsch verfing. Ihre blonden Haare wehten in der Strömung und fielen nach und nach aus, bis sie fast kahl war. Die Fische zernagten ihr Gesicht und fraßen eines ihrer Augen aus. Ihre zerrissenen Kleider lösten sich vom Leib, eine blutige Monatsbinde will der Sanitätssoldat an ihr gefunden haben, der sie nach einer Woche schließlich aus dem Wasser zog."

Ende August 1967 hatte ein bolivianischer Bauer die zehnköpfige Nachhut Che Guevaras an die Armee verraten. Als die neun Guerilleros und die eine Guerillera einen Fluß durchquerten, schnappte die Falle zu. Tamara Bunke, die den Kampfnamen "Tania" trug, wurde erschossen und trieb ungesehen den Fluß abwärts.

Von ihrer Leiche gibt es keine Fotos, gottseidank.

Am 8. Oktober '67 wurde Che Guevara von der bolivianischen Armee gefangengenommen. Tags darauf wurde er hingerichtet.

Von seiner Leiche gibt es viele Bilder. Sehr eindrucksvolle, einige davon in diesem Buch. Die bolivianischen Militärs versäumten es die Augen der Leiche zu schließen. So kam ein Bild zustande, auf dem der tote Che den Betrachter anschaut. Das ist faszinierend merkwürdig.

Diese Bilder, die viele an Christusbilder erinnerten, waren die Geburtstunde eines Messias der Moderne, dessen baskenbemütztes Konterfei wohl jedem von uns, sofern er oder sie am Nabel einer Großstadt wohnt, tagtäglich auf einem T-Shirt begegnet (so wie mir heut).

Der Mythos lebt. Auch und gerade weil er in einer Zeit enstand, in der die Menschen nach Mythen gierten.

Mythos und Wirklichkeit sind die Pole zwischen denen sich Geschichte abspielt. Aus dem Mythos wird die Geschichte gebacken. Doch die Wirklichkeit is(s)t sie. Geschichte muß vertilgt werden, immer und immer wieder, in diesem Sinn ist die Arbeit eines Historikers die reinste Sysiphusarbeit.

Wenn ich auf mein eigenes Leben schaue, meine eigene Geschichte beleuchte, könnte ich soviele Aspekte auf unterschiedlichste Weise ins Licht setzen, daß diese Geschichte ihre Stringenz verliert und wie ein schillerndes Mosaik erscheint. Die Farben des Mosaiks tanzen vor meinen Augen und auch wenn ich das manchmal denke, ich bin mir über meine Geschichte nie wirklich im klaren.

Obwohl ich doch in mir drin bin.

Wie ist das denn für einen Historiker. Der nicht in seinen Figuren drin ist. Und in diesem Buch sind es gleich drei, die sich der Autor vorgeknöpft hat: Che Guevara, Tamara Bunke und Fidel Castro.

Das ist fast schon eine Überforderung. Doch Gerd Koenen ist ein erfahrener Kämpfer. In "Vesper, Ensslin, Baader" hat er sich schonmal ein Dreigespann vorgeknöpft und in "Das rote Jahrzehnt" hat er einen ganzen gesellschaftlichen Zustand unter die Lupe genommen.

In diesem Buch läuft beides zusammen. Dreigespann und Zustandsbeschreibung. Das gelingt nur halb. Die Beschreibung der Figuren, die in "Vesper, Ensslin, Baader" immer wieder berührend war, erschien hier fast durchgehend in Distanz verschleiert. Das liegt an den Personen. An dem was sie von sich persönlich preisgaben. Bei Castro war und ist das gar nichts. Bei Guevara und Bunke so gut wie gar nichts. Wie kann ein Biograf aus solchen Verschweigern wirkliche Menschen machen?

Und ohne wirkliche Menschen entsteht in einer Biografie auch keine Nähe.

Auch die gesellschaftliche Geschichte, die Koenen beschreibt, blieb mir oft fern und fremd. Das war im "roten Jahrzehnt" anders. Dort ging es um Politik an der Basis. Hier geht es um Poltik in den Zentren der Macht. Das ist ermüdend. Deprimierend. Das zu lesen hat mir viel von der Freude an dem Buch genommen.

Erst als Guevara sich in sein Himmelfahrtskommando im bolivianischen Dschungel verabschiedete, wurde es nochmal wirklich fesselnd.

Gerd Koenen hat keinen leichten Job. Er ist Historiker. Aber was für einer. Selbst wenn er schwächelt, so wie hier, macht er doch etwas deutlich: Menschen die nichts von sich preisgeben, bleiben plakativ und dafür kann der Autor nichts. Aber für die Mühe die er sich macht den Leim aufzudecken, mit dem die Plakate an den Baum des Lebens geklebt sind, für diese Mühe bin ich ihm wirklich dankbar.
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen bin ich froh, dieses Buch gelesen zu haben!, 11. Dezember 2008
Rezension bezieht sich auf: Traumpfade der Weltrevolution: Das Guevara-Projekt (Gebundene Ausgabe)
Ich war zur "Schaffenszeit" des Herrn Che zum Teil noch nicht geboren, zum Teil Kleinkind. Daher hatte Che Guevara für mich die Anmutung einer Pop-Ikone, deren eigentliches Wirken mir nicht wirklich bewusst war. Für politsch interessierte Menschen stellt dieses Buch einen spannend zu lesenden Überblick über die kubanische Revolution und weltpolitsche Zusammehänge in den 60ern her. Ich weiß heute nicht nur mehr Bescheid über Guevara sondern auch über Fidel Castro. Und eine DDRlerin namens Tamara Bunke alias Tania, deren Existenz mir bis zum Lesen dieses Buchs überhaupt nicht bewusst war und die möglicherweise aufgrund des deutschen Blickwinkels des Autors etwas überrepräsentiert wird. Gerd Koenen schreibt glaubhaft distanziert, räumt mit manchen illustren Schönfärbereien auf. Hie und da empfand ich, dass in "Nebensätzen" Erklärungen vergessen worden sind, plötzlich Personen auftauchen, deren Herkunft vorher nicht erklärt worden war. Das kann jedoch darauf zurückzuführen sein, dass man mit einer großen Anzahl lateinamerikanischer Namen konfrontiert wird, die -zumindestens für meine Begriffe- das Gedächtnis des Lesers etwas überstrapazieren. Aber trotzdem eine heiße Empfehlung für jene, die eine kritische und distanzierte Auseinandersetzung mit den beiden Phänomenen Guevara und Castro wünschen.
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