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Cora, die bis zu ihrem dreißigsten Geburtstag sehr erfolgreich ist und in der Schublade TSY (Traumfrau, Single, Yuppie) einsortiert werden kann, tanzt in Pumps oder Turnschuhen, je nachdem, was gerade angesagt ist, unbekümmert durchs Leben.
Bis zum nächsten Geburtstag sind da aber einige Hürden zu nehmen, die Amelie Fried in witzigen Dialogen in einem rasanten Tempo in Angriff erzählt. Sei es, daß der größte Auftraggeber kündigt, ihr Freund sie betrügt oder die beste Freundin schwanger ist. Es schaut für Cora ganz danach aus, als ob das Leben doch keine große Geburtstagsparty wäre. Allerdings gibt es da noch den coolen Künstler, mit dem sie sich noch nie verstanden hat. Manchmal hat er aber ganz passable Ideen... --Manuela Haselberger
Frauenromane oder: Wie werde ich Erfolgsautorin?
Frauen schreiben da war doch was . . . damals, lang ist's her, als der emanzipatorische Geist antrat, die althergebrachte Stumpfsinnsprosa des Patriarchats aufzubrechen und die Stunden der wahren Empfindung nicht mehr allein den Männern zu überlassen. Von «Entmannungen» und «Häutungen», vom «weiblichen Namen des Widerstands» und vom «Geschlecht der Gedanken» war damals die Rede, und selbst die scheinbar unverfängliche Frage, wie das Salz ins Meer kommt, wurde Teil des männlich-weiblichen Streitgesprächs.
Frauen schreiben das hat heute etwas Bedrohliches. Seitdem allenthalben die Ära des Postfeminismus eingeläutet wurde, entdeckten Autorinnen (und solche, die als solche gehandelt werden) die Lust am ungehemmten Seitenfüllen. Eva Heller («Beim nächsten Mann wird alles anders») und Hera Lind («Das Superweib») öffneten die Schleusen, und allmonatlich breiten sich nun die Ergüsse aus, die von toughen, selbstbewussten Frauen im urbanen Dickicht der Neunziger berichten Bücher, die oft mühelos die Bestsellerränge erobern und mit sicherem Gespür lehren, was am Strand und beim Coiffeur erwünscht wird.
Wie schreibe ich nun ein Prosastück, das sich das absatzverheissende Etikett «Frauenroman» anheften lassen darf? Wie werde ich Erfolgsautorin? Doris Dörrie, die Filmemacherin, tut sich zunehmend schwer damit. Ihre Erzählungen und ihr neuer Episodenroman «Samsara» begehen entscheidende Fehler: Sie bauen, erstens, zu stark auf Unverwechselbares; sie handeln, zweitens, zu oft von Leid und Not, und sie bemühen sich, drittens, auf erschwerende Weise um stilistische Nuancierung. Das alles schafft Lektüremühsal, selbst wenn man der Autorin zugute hält, mit ihren Figuren, der magersüchtigen Tochter einer Food-Photographin zum Beispiel, dem Zeitgeist dicht auf den Fersen geblieben zu sein. Doris Dörrie ist eine Beobachterin des Alltagslebens, die den subtilen Kampf eines schreienden Kleinkindes mit seiner Mutter oder die komischen Abläufe einer von Nichtbuddhisten veranstalteten buddhistischen Hochzeit präzise festzuhalten versteht. «Samsara» ist nicht ihr bestes Buch und gewiss kein schlechtes, doch ein richtig gutverkäuflicher Frauenroman kann das nicht werden.
Weiberwirtschaft
Auch Maria Gronau wird es nicht packen. Gewiss: Sie ist, wie der Verlag stolz verkündet, «Chefin einer renommierten Werbeagentur» (gut für home stories in der Regenbogenpresse!); sie hat ihrem Buch einen flotten Titel gegeben («Weiberwirtschaft»), und sie bedient den seit Christine Grän, Pieke Biermann oder Uta-Maria Heim prächtig laufenden «Frauenkrimi». Alles schön und gut, doch eine lesbische Kommissarin, die alternierend mit den politisch aufrechten Kämpferinnen eines «FrauenHauses» das Lager teilt, ist für den breiten Konsens im Buchhandel ungeeignet. Obwohl die Geschichte um zerstückelte Berliner Leichen, korrupte Beamte und lehrreiche Recherchen im Internet nicht übel konstruiert ist und erst am Ende ausufert . . . nein, nein, alles umsonst, tut uns leid, Maria Gronau, das grosse Geld will weiter mit Werbetexten und PR-Kampagnen verdient sein.
Apropos Werbung: Die moderne Frau von heute wirkt nicht mehr obwohl der Computer es wieder möglich macht im stillen Kämmerlein oder am häuslichen Herd. Sie arbeitet auch nicht als Studienrätin, Krankengymnastin, Sozialtherapeutin oder Süsswarenverkäuferin. Nichts da die Topfrau, die etwas auf sich hält (und Aussichten haben will, zur Romanprotagonistin aufzusteigen), ist in der Öffentlichkeitsarbeit oder in den «Medien» tätig. Wie Simone Störmer beispielsweise, die promovierte Kunsthistorikerin aus Martina Mettners Roman «Karriere in Aspik». Da in ihrem feinsinnigen Brotberuf kein Unterkommen ist, verdingt sie sich als PR-Frau in einer Hannoveraner Wurstfabrik deshalb «Aspik», logisch. Und immerhin: Frau Mettners Début weiss, was Frauen wünschen. Die Konstellation Canaletto-Exegetin vermarktet Saftschinken ist pikant, die Handlungsstränge breiten sich ohne hinderlichen Esprit aus, die Sprache gibt sich schlicht und der Witz noch eine Spur schlichter («Im Bett ist es gerade so nett. Das reimt sich», «Mit Axe stinkt der Mann wie Dachs»). Und am Ende darf die Doktorin nebst ihrem Langweilerfreund der niedersächsischen Provinz entfliehen es ist Hoffnung in der Welt.
Martina Mettner hat einen Nachteil: Es kennt sie keiner. Amelie Fried hat einen Vorteil: Noch kennen sie ein paar Leute aus der Zeit, als sie mit ernster Miene Talkrunden moderieren durfte. Für eine Bestsellerkarriere ist das unbezahlbar, siehe Ulrich Wickert, siehe Alfred Biolek. «Traumfrau mit Nebenwirkungen» (nicht schlecht) heisst Frieds erster epischer Versuch, laut ihrem schwäbischen Spezi, dem Moderator Harald Schmidt, ein «wichtiges Buch».
Nun ja, die Medienbranche ist nicht frei von Nepotismus, doch bleiben wir bei den Fakten: Cora, die Hauptfigur, ist Münchener Single (gut!), postfeministisch gesinnt und macht eine Krise durch (gut aber nur, wenn sie nicht zu lange dauert). Dann erkennt sie wir sehen das moralisch empörte Gesicht der Moderatorin Fried förmlich vor uns , dass ihr Werbejob ein blöder ist und es in dieser Welt des rührigen Engagements bedarf. Und eines Mannes, Ivan, dem seine «Glaubwürdigkeit» wichtig ist, der das «konventionelle Blabla» ablehnt und, wundersamerweise, sowohl den Beischlaf als auch die Zubereitung eines Fünf-Gänge-Menus virtuos beherrscht.
Hera-Lind-Thronfolge
Kein Zweifel, Amelie Frieds Chancen, dereinst die Hera-Lind-Thronfolge anzutreten, stehen nicht ganz schlecht. Manchmal freilich, in den Kindheitserinnerungen etwa, beschwert sich der Text mit einer überraschend authentischen Note, und der Sozialkitsch ist vielleicht sogar für die anvisierte Klientel zu dick aufgetragen. Andererseits: Die unumgängliche Erotik erfreut sich einer um so delikateren Zeichnung: «Ungeachtet seiner Erektion rannte er in die Küche und riss die heisse Form mit der Lasagne aus dem Ofen.» Mahlzeit.
Dörrie, Gronau, Mettner, Fried was zählen diese sich mühenden Autorinnen, wenn der Name Gaby Hauptmann fällt? Mit «Suche impotenten Mann fürs Leben» hat die Trossingerin auf Anhieb die Herzen der Leserinnen erobert, und da auch in diesem Geschäft allein das heisse Eisen zu schmieden ist, legt sie mit «Nur ein toter Mann ist ein guter Mann» gleich nach. Prognosen seien gewagt: Auch dieses von jeder schriftstellerischen Begabung unbelastete Werk wird seinen Weg machen. Die ultrastraighte Unternehmerin Ursula, eine Frau, die Feldhasen verhöhnt («Er ist selber schuld, wenn er überfahren wird. Das nennt man Selektion»), tritt in die Fussstapfen ihres gefürchteten Gatten. Was sie in der Folge erlebt, ist ohne jede Logik und kann deshalb hier nicht wiedergegeben werden. Auf jeden Fall sterben mehrere Männer auf überraschende Weise, die Hüter des Gesetzes schlafen, Ursula erlebt einen Orgasmus als «Offenbarung ihres Lebens», zeigt sich sprachlich innovativ («Sie ärgert sich tödlich») und lernt (Frau Fried lässt grüssen) zu guter Letzt eine Exprostituierte kennen, die ihr «Herzenswärme» vermittelt.
Fazit: Gaby Hauptmann hat gewonnen, ihr ist wieder ein sehr konsequentes Buch gelungen: konsequent witzlos, konsequent wirr und konsequent unliterarisch. Auch das will gekonnt sein. Die Startauflage des Buches ist mit 200 000 Exemplaren beruhigend hoch angesetzt.
Rainer Moritz -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Ich habe mittlerweile schon alle Bücher von Amelie Fried gelesen - aber dieses gefällt mir mit... Lesen Sie weiter...
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