Trauma und Körper Pat Ogden, Kekuni Minton, Claire Pain Junfermann 'Verlag
Wenn Autoren wie Bessel van der Kolk und Daniel Siegel ein Vorwort schreiben, dann muss dieses Buch wichtig sein. Irgendwie weiß man es ja, dieser Körper ist nicht nur eine Maschine in die man oben Nahrung einfüllt und unten kommt ein bisschen Abfall wieder heraus. Bei den meisten traumatischen Ereignissen, seien das Unfälle, Krieg, Gewaltausübung, sexuelle Ausbeutung, Vernachlässigung, spielt in irgendeiner Weise der Körper eine Rolle. Manchmal ist er das Ziel des Übergriffes, manchmal ist er das Opfer. Es ist somit naheliegend, dem Körper bei der Therapie des Traumas eine wichtige Aufgabe zuzubilligen. Es gibt andere Autoren, die den Körper ebenfalls in die Therapie einbezogen haben. Wilhelm Reich, Alexander Lowen, Ron Kurtz, Peter Levine.
Levine hat kürzlich das Buch 'Sprache ohne Worte' vorgelegt, durch das ich angeregt wurde dieses Lehrbuch von Pat Ogden und ihren Mitautoren zu lesen. Es hat etwas Mühe gekostet, denn das Buch ist inhaltlich sehr anspruchsvoll, es gibt sehr viel Neues das man über die Neurobiologie des Traumas erfahren kann und selbst wenn man über das Thema schon 100 Bücher gelesen hat, erfährt man in diesem Buch viele neue Zusammenhänge und ist hinterher 'satt'.
Hoffentlich, bleibt es nicht bei dem Lehrbuch, hoffentlich wird das auch in die Therapiepraxis einfließen. Das EMDR vermittelt den Eindruck, man könne die meisten Traumata in wenigen Stunden heilen, das mag für ein einzelnes tiefgreifendes Ereignis manchmal zutreffen.
Für die meisten Opfer ist das Trauma etwas mit dem sie sich lebenslang auf die ein- oder andere Weise auseinandersetzen müssen.
Ich wollte besser verstehen, was Ellert Nijenhuis mit dem Begriff Somatoforme Dissoziation meint. Das Phänomen der Dissoziation an sich ist schon schwierig, aber dass es auf der körperlichen Ebene ebenfalls ganz festgefügte automatische Traumareaktionen gibt, ist neu. Wie beispielsweise immer wiederkehrende innere Bilder bei bestimmten auslösenden Reizen, man nennt das Trigger, und hier lösen sie körperliche Reaktionen aus, das habe ich bisher noch nie auf so eingehende und doch verständliche Weise dargestellt gefunden. Diese Hinweise gilt es zu identifizieren und nicht selten, sind sie der Wegweiser zur Auflösung des Traumas.
Ich glaube dass dieses Fachbuch eines für Spezialisten ist. Jemand der schon lange als Therapeutin arbeitet und ihr Spektrum erweitern möchte, oder jemand der sich erst in der beruflichen Orientierung befindet . Wenn man sich durch das Buch durchgearbeitet hat, kann man auch als Betroffener sehr davon profitieren, An einer Stelle schreibt die Autorin, es gibt manche Patienten bei denen man den Eindruck hat das nichts hilft und dann muss man etwas anderes ausprobieren.
Kabat-Zinn, Daniel Siegel, Christopher Gerner, Jack Kornfeld, das sind Autoren die für die achtsamkeitsbasierte Therapie oder MBSR stehen. Diese wird heute für ganz verschiedene Störungen, z.B. Depression, Sucht u.a. angewendet. Man kann diese Techniken anwenden ohne Buddhist zu werden, und sie sind trotzdem hilfreich.
Hier wird die Achtsamkeit auf die Botschaften des Körpers in höchster Präzision von den Autoren gelehrt. Das Buch steht bei mir zwischen den Bänden von Judith Herman, Michaela Huber, Peter Levine Helga Pohl, Thomas Hanna, Moshe Feldenkrais, die jeder auf seine Weise für mein Verständnis des Traumas wichtig sind.