Über das Thema Trauma herrschen sowohl unter Betroffenen als auch professionellen Anwendern sehr viele falsche Meinungen. Am wichtigsten erscheint mir die Nicht- bzw. Nicht-sofort-Notwendigkeit einer Traumakonfronation. In weiten Teilen des Buchs ging es um die Dissoziation, unter welcher ich selbst sehr leide. Diese ist hier in Deutschland relativ neu. Im internationalen Vergleich hinken wir 10 Jahre hinterher. Das erste Lehrbuch zu diesem Thema von Peter Fiedler stammt aus dem Jahr 1999(!) -> Daher verstehen viele Psychotherapeuten in Klinik und Praxis davon noch immer nicht genug. Das vorliegende Buch ist eine(bis jetzt) 2007 zuletzt vollständige überarbeitete Fassung zum Thema, welche von zwei Expertinnen auf dem Gebiet der Traumabehandlung vorgelegt wird. Dabei stellen sie nicht nur ihren eigenen Ansatz kurz vor, sondern geben auch einen Blick auf andere Behandlungsansätze.
Vor allem die umfangreiche Palette möglicher Sofort-Hilfe-Möglichkeiten hat mir als Betroffener sehr weiter geholfen. Gerade die Möglichkeit, sich selbst helfen zu können und nicht nur den passiven Part des Patienten zu spielen, dessen Probleme der Anwender für ihn löst, erscheint mir und den beiden Autorinnen bei Trauma-Patienten als sehr wichtig. Für Patienten erscheint mir dieses Buch so wichtig, weil man sich auf ein ausreichendes Wissen von Ärzten, Psychotherapeuten und Co. absolut nicht verlassen kann(Diesen ist ihre Unwissenheit leider seltenst selbst bewusst). Es werden auch eine Vielzahl wichtiger Ratschläge zum Finden eines richtigen Behandler bzw. einer Behandlung gegeben.
Im deutschen Raum gibt es kaum Menschen, die in diesem Bereich ausreichend ausgebildet sind bzw. auch viele, die(leider) nur glauben, eine ausreichende Ausbildung für die Behandlung eines komplexen Traumas zu haben. Das Buch sollte Pflichtlektüre für alle im sozialen Bereich arbeitende Menschen sein, einige grundlegende Kenntnisse beziehen sich nicht nur auf Traumatas und sind aus meiner Erfahrungen vielen Menschen nicht bekannt(z. B. sollte der Therapeut an der Bewältigung des Problems interessiert sein statt den Patient verändern zu wollen).
Die gute Gestaltung des Buchs macht sein Lesen sehr einfach und rechtfertigt den Preis des Buchs absolut. Es ist sehr farbenfroh gestaltet und wird immer wieder durch Fotos von Menschen aufgelockert. Wen die Aufmachung nicht interessiert oder wer mehr am Inhalt & praktischen Nutzen interessiert ist, für den werden die Infos(gerade für Betroffene) eine unbezahlbare Hilfe sein.
Vielen Dank an Prof. Dr. Luise Reddemann und Dr. med. Cornelia Dehner-Rau, Ihr Buch hat mir sehr geholfen!
Ach ja, fast hätte ich es vergessen: Am Wichtigsten erscheint mir die im Buch besprochene Trennung von Trauma und anderen Krankheitsbildern(wie Psychosen). Denn wenn ein Trauma etwa wie eine Psychose behandelt wird, kann das für den Betroffenen fatale Folgen haben... Die Symptome überschneiden sich teils, sodass man hier auf die Kompetenz einer(sich dafür selbst haltenden) Autorität absolut nicht vertrauen sollte... Verwechslungen sind hier schnell passiert!