Mit diesem in grandiosen Bildern und Szenen beschriebenen Roman wird wieder einmal deutlich, wozu Literatur in erster Linie fähig ist: nämlich Menschen, Kulturen und Zeiten zueinander zu bringen. John, ein an der ostsibirischen Küste gestrandeter und von Tschuktschen aufgenommener Kanadier, lernt in dieser fernen Weltgegend nicht nur, unter den Bedingungen des Polarklimas und einer gegenüber den Menschen ungerührten Natur zu leben, sondern kommt über die Auseinandersetzung mit "seinem" Stamm vor allem zu sich selbst. Der Rhytmus und die Gaben der Natur zwingen John und seine Tschuktschen-Freunde zu einer Symbiose, in der jeder vom anderen lernt, keiner sich über den anderen erhebt und Leben vor allem eins heißt: dem anderen ohne Verachtung zu geben, was er braucht, und vom anderen ohne Scham zu empfangen, was er dir geben kann. Ein wahrhaft humanes, ein weises, ein wichtiges Buch. Erleuchteter als jedes ethnophile New Age-Geraune. Hier schreibt ein Autor, der in beiden Welten zuhause ist: in der tschuktschischen wie in der aufgeklärt-westlichen. Beide haben ihre Vorzüge - und ihre Schattenseiten. In beiden leben vor allem: Menschen - mit ihren Träumen, Enttäuschungen, Fehlern und Hoffnungen.