Dieses Buch spielt drei Jahre nach dem ersten Band. Cheops befindet sich grade mit 40 Schiffen auf dem Weg nach Byblos um Holz zu holen. Sein Halbbruder Nefermaat, der ihm gerne den Titel als Kronprinz streitig gemacht hätte, ist noch immer vom Hofe verbannt und steht unter Hausarrest, doch in seiner Kabine findet Cheops einen Papyrus, der ihn jetzt vor seinem jüngeren Bruder Rahotep warnt. Da dieser ihm aber stets treu ergeben war, gibt er nicht viel auf diese Verleumdung. In Byblos angekommen erfährt er viel von der dortigen Kultur und verliebt sich auch umgehend wieder in eine blonde Schönheit, die er bald auch heiraten soll. In Ägypten wird derweil Pharao Snofru ernsthaft krank und seine letzte Amtshandlung besteht darin, seinen Lieblingssohn Nefermaat wieder zurück an den Hof zu holen und Nefermaat lässt keinen Zweifel daran, dass er die Doppelkrone beanspruchen wird, sobald sein Vater gestorben ist. Wenn Cheops jetzt nicht schnellstmöglich aus Byblos zurückkommt, ist sein Thron verloren...
Dieses Buch erzählt zunächst noch Cheops Geschichte, von seiner neuen Frau Nubet aus Byblos, den Kindern die er noch bekommt und die Probleme mit seinen Brüdern. Als das überstanden ist, baut er die größte Pyramide in Ägypten und verliert über diesen "Traum aus Stein" seine beiden ersten Gemahlinnen fast völlig aus den Augen. Natürlich führt das zu einiger Uneinigkeit in der großen Familie des Pharaos und das Volk murrt, aufgrund der anhaltend schlechten Überschwemmungen. Doch bald schon tritt der alternde Cheops in den Hintergrund und man lernt seine Familie besser kennen. Zwar entbrennt kein so großer Kampf um die Thronfolge wie bei Cheops selbst, aber dennoch wird es außerordentlich spannend.
Im zweiten Band hat Herr Rachet einiges verbessert, so gibt es jetzt z. B. eine Landkarte von Ägypten, ein Bild vom Querschnitt der Cheops-Pyramide und einige wenige Fußnoten. Am Ende des Bandes ist sogar ein Familienstammbaum der IV. Dynastie eingefügt, der allerdings nur für Guy Rachets Bücher tauglich ist, da auch alle dazuerfundenen Personen mit aufgeführt sind.
Von der Authentizität her gibt es fast nichts zu bemängeln und das ist selten bei Romanen über das Alte Ägypten. Jedoch ist dieser 5-Teiler um einiges Umfangreicher als z. B. der Ramses 5-Teiler von Christian Jacq, dafür aber nicht ganz so süffig zu lesen. Im Vergleich zu Herrn Jacq hatte Guy Rachet aber wesentlich weniger historisch belegte Anhaltspunkte zur Verfügung und musste daher mehr fiktive Geschichte glaubhaft einbauen, was ihm aber, bis auf die Brieftauben und das nicht existierende Labyrinth unter der Cheopspyramide, hervorragend gelungen ist. Obwohl ich mich Zeitlich und Thematisch mehr zu Ramses II hingezogen fühle, muss ich doch sagen, dass diese Bücher fachlich meist besser sind.
Die Brieftauben sind auch fast mein einziger Punkt in dem Buch, der mich wirklich gestört hat. Natürlich fliegen Brieftauben immer in ihren heimischen Schlag zurück, wie Herr Rachet so schön beschrieb, aber genau deshalb kann man ihnen keine grobe Richtung vorgeben und sie so auf ein Schiff nach Byblos schicken. Wie sollten sie auch einen "mobilen Taubenschlag" finden? Und warum sollten sie ihn suchen, da ihr heimischer Schlag ja in Ägypten steht? Hier hätte Herr Rachet noch einen Verbindungsmann in Byblos einbauen müssen, scheute sich aber wohl vor den damit verbundenen Verwicklungen.
Weiterhin gibt es noch den guten Philitis, der wie ein guter Geist um Cheops herumspukt und ihn in seinen Träumen besucht um ihm einige "Eingebungen" zu machen. In dem sonst so bodenständigen Buch, ist er mir doch eine Portion zu mystisch, ebenso wie das Labyrinth unter der Cheopspyramide, denn das es dort nichts dergleichen gibt, ist längst erwiesen. Auch als Cheops erklärt, er könne ja nichts für die schlechten Überschwemmungen, ist das Buch nicht ganz glaubhaft. Natürlich kann er nichts dafür, aber er, als Gott auf Erden, müsste etwas dagegen tun, wenn die Götter Ägypten zürnen und mit schlechten Überschwemmungen strafen. Somit ist seine Antwort zu ignorant für seine Position und Zeit.
Trotzdem hat Herr Rachet mit sehr viel Sachverstand und sehr genauen Recherchen, sowie größtenteils logischen und bodenständigen Schlussfolgerungen wieder ein unterhaltsames und gleichzeitig lehrreiches Buch vor grandioser historischer Kulisse erschaffen.