Auslöser zum Kauf dieses Buches war in meinem Fall die nimmer endende Angst meines Dackels vor dem Staubsauger. Allein der Anblick desselben reicht aus und mein Kleiner ward in der hintersten Ecke verschwunden. Nun ist es bei second-hand-Hunden aus dem Tierheim nicht ungewöhnlich, dass sie das eine oder andere unerwünschte Verhaltensmerkmal zeigen. Aber dieses Verhalten ist nicht unveränderbar in Stein gemeißelt, zumindest nicht, wenn es sich um angstbedingtes Verhalten handelt.
Und ja, ich war auch überrascht ob des knappen Umfanges, eine Broschüre mit 56 Seiten hatte ich nicht erwartet. Alle anderen Werke von Patricia McConnell, die ich bislang gelesen hatte, waren wesentlich umfangreicher. Aber die Anzahl der Seiten besagt ja nichts über den Inhalt und von diesem war ich positiv überrascht. McConnell beschreibt sehr präzise und kompetent wie eine Konditionierung gelingen kann:
Zunächst einmal sollte man dafür sorgen, dass der Hund von dem Angstauslöser nicht überrascht wird. In meinem Fall wird dies bedeuten, dass er ins Auto kommt bevor ich den Staubsauger auch nur hervorhole. Gott sei Dank mag mein Hund Autos und Ausflüge. Einfach nur in ein anderes Zimmer und Türe zu wird nicht funktionieren, da er ja das Geräusch hört.
Außerdem muss man ganz genau feststellen, was der Angstauslöser ist. In meinem Fall einfach. Aber wenn der Hund zum Beispiel nur vor gewissen Menschen Angst hat, muss man herausfinden, was diese Menschen gemeinsam haben (z.B. Uniform oder weiße Schuhe oder ...). Man muss wirklich sehr genau wissen worum es geht bevor man beginnt.
Danach ist festzustellen, was der Hund mag und zwar ganz besonders mag, egal ob Futter oder Spielzeug ... er muss begeistert davon sein. Diese ganz besondere Leidenschaft wird dann nur noch für das Training verwendet!
Und wenn man diese beiden Dinge - Auslöser und Leidenschaft - kennt, kann das Training beginnen, indem man Situationen erzeugt, in welchen der Hund mit dem Auslöser in sehr schwacher Intensität konfrontiert wird und danach unmittelbar die Belohnung erhält. Schritt für Schritt wird die Intensität des Auslösers gesteigert.
Natürlich geht McConnell in ihrem Buch sehr viel genauer auf die einzelnen Schritte ein und nennt auch zahlreiche Praxisbeispiele wie es gelingen kann. Aufgelockert wird die Theorie durch Erfahrungen mit ihren eigenen Hunden sowie Hunden, die bei ihr in Therapie waren. Alles ist sehr anschaulich und leicht verständlich beschrieben.
Allerdings kann sie natürlich nicht auf jeden Angstauslöser eingehen. Der Hundebesitzer ist also aufgefordert selber mitzudenken und für sein spezifisches Verhaltensproblem nach Lösungen zu suchen. Was aber aufgrund der dargestellten Muster überhaupt kein Problem ist. Das Programm bleibt dasselbe, man wechselt nur die Begriffe aus.
Und wie bereits weiter oben geschrieben, diese Methode funktioniert lt. McConnell NUR bei angstbedingtem Verhalten! Das Trainingsprogramm zielt darauf ab eine Verhaltensänderung herbeizuführen. Es ist KEIN Gehorsamstraining, sondern der Hundehalter soll lernen die Gefühle seines Hundes zu kontrollieren. Also, nicht die Auswirkungen werden "behandelt" sondern das Problem wird an der Wurzel gepackt.
McConnell verschweigt dabei nicht, dass es unter Umstände lange dauern kann bis der Hund das gewünschte Verhalten zeigt. Rückschläge sind möglich, lebenslanges Konditionieren ist angesagt. Also immer wieder belohnen und nicht davon ausgehen, dass ein einmal funktionierende Verhalten unverändert die Zeit überdauert. Des Weiteren weist sie auf Alternativen, z.B. ein Therapieprogramm mit einem Hundetrainer oder Verhaltenstherapeuten, hin. Und zeigt auch auf, dass es in manchen Fällen sinnvoller ist, den Hund in andere Hände zu geben - so schwer dies auch fällt.
Alles in Allem steckt viel Inhalt in diesem 56 Seiten, dieses Buch/Broschüre ist meiner Meinung nach jeden Euro wert. Ich habe auf jeden Fall sehr viel Nutzen daraus gezogen und hoffe jetzt nur, dass mein Staubsauger-Gewöhnungstraining erfolgreich ist.
Auch Ihnen wünsche ich viel Erfolg bei der Konditionierung Ihres Tieres!